Der Evangelische Kirchenkreis an Lahn und Dill kam am 6. und 7. November zu seiner Herbstsynode im Evangelischen Gemeindezentrum in Ehringshausen zusammen. Traditionell begann die zweitägige Veranstaltung mit einem Gottesdienst in der Jesus-Christus-Kirche in Dillheim. Assessor Pfarrer Christoph Schaaf, der gemeinsam mit Pfarrerin Johanna Mähling den Gottesdienst gestaltete, begrüßte die Anwesenden zum „Herzstück unseres Kirchenkreises: der Synode“.
Gottesdienst zum Auftakt der Herbstsynode
Die Predigt hielt Pfarrer Dr. Siegfried Meier über einen Abschnitt aus dem Philipperbrief (Philipper 2,5–11). „Wenn ich auf eine einsame Insel verbannt würde und dürfte nur ein Blatt Papier mitnehmen, dann würde dieser Text darauf stehen“, erklärte Meier. In diesen wenigen Versen sei die Botschaft der gesamten Bibel und damit auch die Geschichte Gottes mit den Menschen zusammengefasst.
In seiner Predigt stellte Meier die Menschwerdung Jesu Christi den Erzählungen über die griechischen Götter gegenüber. Während diese in menschlicher Gestalt häufig zu ihrem eigenen Vergnügen aufträten, habe die Menschwerdung Jesu eine völlig andere Bedeutung. „Dass Jesus Mensch geworden ist, ist kein Spaß“, betonte Meier. Christus sei den Menschen gleich geworden und habe mit seiner Verurteilung, Kreuzigung und seinem Tod schließlich die tiefsten Abgründe menschlichen Leidens erfahren.
Für die musikalische Gestaltung sorgten Kreiskantor Dietrich Bräutigam und ein eigens für den Gottesdienst gegründeter Projektchor. Gemeinsam setzten sie besondere musikalische Akzente. Mit der Feier des Heiligen Abendmahls fand der Gottesdienst seinen liturgischen Höhepunkt.
„Alle reden vom Abbau, wir bauen auf!“
Im Anschluss setzten die Synodalen ihre Beratungen im Evangelischen Gemeindezentrum in Ehringshausen fort. Ein Grußwort überbrachte Pfarrer Johannes Jochemczyk, Dekan des benachbarten Evangelischen Dekanats an der Lahn.
Den Auftakt der inhaltlichen Beratungen bildete der Bericht von Superintendent Dr. Hartmut Sitzler, der unter dem Motto „Zusammen.Gebaut“ die Zukunft kirchlicher Arbeit in den Mittelpunkt stellte. Als Beispiel diente ihm die Klemmbausteinkirche, die derzeit im Kirchenkreis entsteht und beim Deutschen Evangelischen Kirchentag 2027 in Düsseldorf zum Einsatz kommen soll.
Das Gemeinschaftsprojekt zeige, wie Kirche Menschen begeistern, zum Mitmachen einladen und neue Begegnungen ermöglichen könne. „Alle reden vom Abbau, wir bauen auf!“, betonte Sitzler. Gerade in Zeiten kirchlicher Veränderungen gelte es, nicht nur bestehende Strukturen zu verwalten, sondern mit Zuversicht neue Wege zu gehen. Die mobile Kirche solle deshalb auch nach dem Kirchentag in den Gemeinden zum Einsatz kommen und Menschen dort begegnen, wo sie leben.
Dabei gehe es um mehr als ein außergewöhnliches Bauprojekt. Kirche müsse auch in einer von Unsicherheit und gesellschaftlichen Veränderungen geprägten Zeit wissen, wofür sie stehe, und aus ihrem christlichen Glauben heraus Orientierung geben. Die Botschaft des Evangeliums bilde dabei ihre Grundlage.
Die Klemmbausteinkirche verbinde bewusst Tradition und Innovation. Mit ihrem Dachreiter und dem nach außen offenen Altarraum erinnere sie an kleine Kirchen im Kirchenkreis, etwa in Oberbiel oder Ebersgöns. Darin zeige sich, dass Tradition und Erneuerung keine Gegensätze sein müssten.
Verantwortung übernehmen und neue Wege gehen
Ein weiteres Bild fand Sitzler in der Bauweise der Kirche. Wie das Fachwerk die bunten Steine trägt, brauche auch die kirchliche Arbeit Menschen, die Verantwortung übernehmen und Gemeinschaft ermöglichen. Mit Blick auf Presbyterien, den Kreissynodalvorstand und die Gemeinden stellte Sitzler die Frage, wer künftig die Gemeinden tragen werde.
Zugleich warb der Superintendent dafür, bewährte Gemeindearbeit und innovative Projekte nicht gegeneinander auszuspielen. Die Gemeinde sei ein Ort, an dem Menschen Heimat, Gemeinschaft und Verlässlichkeit finden. Gleichzeitig müsse Kirche beweglich bleiben und dorthin gehen, wo Menschen zusammenkommen. Sitzler verglich dieses Zusammenspiel mit Standbein und Spielbein: Das eine gebe Halt, das andere ermögliche Bewegung. Seine Leitlinie fasste er mit den Worten zusammen: „Fest im Glauben, offen im Denken.“
Auch die digitale Kommunikation spiele dabei eine wichtige Rolle. Soziale Medien könnten kirchliches Engagement sichtbar machen, Vertrauen schaffen und Menschen erreichen, die über klassische Angebote kaum noch angesprochen würden. Entscheidend seien glaubwürdige Menschen, die mit ihrem Gesicht für kirchliche Themen und Projekte stehen.
Zum Abschluss seines Berichts dankte Sitzler allen, die sich haupt- und ehrenamtlich engagieren. Mit einem Verweis auf Psalm 127 unterstrich er die tiefere Bedeutung des Projektnamens: „Meine Sicht der Dinge ist da eindeutig. Gott ist es letztlich, der baut. Und wir? Wir sind die, die zusammengebaut werden, und zwar zu einer Kirche.“
Der weitere Freitagabend stand im Zeichen der Berichte aus den Arbeitskreisen und Fachausschüssen des Kirchenkreises.
Finanzberatungen am Samstag
Mit einer Andacht von Pfarrer Daniel Herr begann am Samstagmorgen der zweite Tag der Herbstsynode. Im Mittelpunkt stand die biblische Geschichte von Philippus und dem äthiopischen Kämmerer aus der Apostelgeschichte. Herr ermutigte dazu, Kirche auch außerhalb ihrer vertrauten Räume zu leben. „Lasst uns nach draußen gehen und offen sein für die Menschen, denen wir begegnen. Denn Gott ist schon da draußen“, schloss Herr seine Andacht.
Anschließend wandten sich die Synodalen den Finanzen des Kirchenkreises zu.
Haushalt 2027 mit positivem Ergebnis
Für 2027 rechnet der Evangelische Kirchenkreis an Lahn und Dill mit einem Kirchensteueraufkommen von 19,5 Millionen Euro. Trotz steigender Personal- und Betriebskosten soll die kreiskirchliche Umlage mit 13,5 Prozent stabil bleiben. Der Haushaltsentwurf sieht einen Überschuss von rund 357.000 Euro vor. Geplant sind unter anderem Investitionen in den Serverraum und eine Photovoltaikanlage am Kirchenamt.
Auch der Jahresabschluss 2022 fiel positiv aus. Der Kirchenkreis erzielte einen Überschuss von rund 1,1 Millionen Euro bei einer Bilanzsumme von rund 95 Millionen Euro. Dazu trugen unter anderem geringere Aufwendungen und Erträge aus Immobilienverkäufen bei. Die Rechnungsprüfung erteilte einen uneingeschränkten Bestätigungsvermerk.
Positiv entwickelte sich zudem die Vermögensanlage des Kirchenkreises mit steigenden Zins- und Dividendenerträgen. Die Mittel werden nach den Vorgaben der Evangelischen Kirche im Rheinland breit über verschiedene Anlage- und Risikoklassen gestreut.
Überschüsse sollen auch den Gemeinden zugutekommen
Ein weiteres Thema war die mögliche Rückgabe von Haushaltsüberschüssen an die Kirchengemeinden. Künftig soll nach jedem geprüften Jahresabschluss geprüft werden, ob ein Teil eines möglichen Überschusses an die Gemeinden zurückfließen kann. Voraussetzung dafür sind die jeweilige Haushaltslage und die anstehenden Investitionen des Kirchenkreises.
Weitere Beratungen und Beschlüsse
Im weiteren Verlauf des Samstags bestimmte die Synode die Empfänger der kreiskirchlichen Wahlkollekte. Die Wahl fiel auf die Notfallseelsorge Lahn-Dill und den Ambulanten Kinder- und Jugendhospizdienst Gießen. Für den diakonischen Zweck wurde das Projekt „Diakonie ist HALT geben – Wenn Gespräche helfen“ ausgewählt, das die Beratung in Familien-, Erziehungs-, Ehe- und Lebensfragen unterstützt.
Darüber hinaus beschäftigte sich die Synode mit Änderungen an der Konzeption für die Ausbildung von Lektorinnen und Lektoren. Pfarrer Daniel Herr informierte über den aktuellen Stand des Projekts „Klemmbausteinkirche“.
Gebäudebedarfsplanung stellt Gemeinden vor Herausforderungen
Wie stark sich der demografische Wandel und die sinkenden Mitgliederzahlen auf die kirchlichen Gebäude auswirken, verdeutlichte Pfarrer Holger Zirk am Beispiel der Kirchengemeinde Altenkirchen. Sie weist innerhalb des Kirchenkreises die höchste Zahl an Gebäuden im Verhältnis zur Mitgliederzahl auf.
Angesichts der angespannten finanziellen Perspektiven plant die Gemeinde, die Nutzung von vier ihrer fünf Kirchen einzuschränken beziehungsweise diese teilweise zu schließen. Zirk stellte die Gebäudebedarfsplanung seiner Gemeinde vor und machte deutlich, vor welchen schwierigen Entscheidungen die Kirchengemeinden in den kommenden Jahren stehen.
Neue Zugangswege zum Gemeindedienst prüfen
Mit einem weiteren Beschluss setzte sich die Kreissynode für neue Zugangswege zum Gemeindedienst ein. Sie beauftragte die zuständigen kirchlichen Gremien, zu prüfen, ob künftig auch ausgebildete pädagogische Fachkräfte ohne kirchliches Examen sowie Mitarbeitende mit langjähriger Erfahrung im pädagogischen Bereich für entsprechende Aufgaben qualifiziert werden können.
Denkbar wäre eine berufsbegleitende Zusatzqualifikation nach dem Vorbild der Prädikantenausbildung. Damit könnten sich neue Perspektiven für die kirchliche Arbeit und die Gewinnung qualifizierter Mitarbeitender eröffnen.
Mit einem Gebet endete die zweitägige Herbstsynode in Ehringshausen.
JCK
FOTOS: Jan-Christopher Krämer
1.: Rund 90 Synodale kamen zur Herbstsynode 2026 in Ehringshausen zusammen.
2.: Pfarrerin Johanna Mähling und Assessor Pfarrer Christoph Schaaf gestalteten den Eröffnungsgottesdienst.
3.: Ein eigens für den Synodengottesdienst gegründeter Projektchor unter der Leitung von Kreiskantor Dietrich Bräutigam sorgte für die musikalischen Highlights.
4.: „Alle reden von Abbau. Wir bauen auf.“ Superintendent Hartmut Sitzler zeigte am Beispiel des Projekts „Klemmbausteinkirche“ wie die Zukunft kirchlicher Arbeit gelingen kann.
5.: Der Kreissynodalvorstand des Kirchenkreis (v. l.): Skriba Pfarrer Marcus Brenzinger, Dr. Gerhard Noeske, Frank Schneider, Superintendent Pfarrer Dr. Hartmut Sitzler, Assessor Pfarrer Christoph Schaaf, Marion Giersbach-Schmidt, Martin Veit und Claudia Kunkler (nicht im Bild Michael Clemens).
6.: Ein Dankeschön für eine perfekt organisierte Synode an (v. l.) Sonja Pradl, Johanna Pfeiffer, Christina Troß und Birgit Schulte vom Kirchenamt.