Christian Krakow aus Oberlemp blickt auf ein halbes Jahrhundert als Prädikant und insgesamt 60 Jahre ehrenamtliches Engagement in der evangelischen Kirche zurück. Am Sonntag, 8. November, wird dieses besondere Jubiläum um 14 Uhr mit einem Festgottesdienst in der Kirche Oberlemp gefeiert.

Seit fünf Jahrzehnten verkündigt Christian Krakow das Evangelium. Am Sonntag, 8. November, um 14 Uhr wird in der Kirche Oberlemp an seine Ordination zum Predigthelfer vor genau 50 Jahren erinnert. Der stellvertretende Superintendent, Pfarrer Christoph Schaaf, wird den langjährigen Dienst des heute 75-Jährigen würdigen und ihm erneut Gottes Segen zusprechen.

Am 8. November 1976 wurde Krakow nach einer berufsbegleitenden theologischen Ausbildung in der Evangelischen Kirche im Rheinland zum Predigthelfer ordiniert. Später änderte sich die Bezeichnung in Prädikant. Was damals begann, entwickelte sich zu einem jahrzehntelangen Engagement für die Verkündigung des Evangeliums und die Menschen in den Kirchengemeinden.

Der Glaube als Fundament

Die Wurzeln seines kirchlichen Engagements reichen bis in seine Kindheit zurück. „Meine Eltern haben mir mit ihrem Glauben im Alltag die christlichen Werte vorgelebt, ohne Zwang auszuüben. Damit haben sie mich zum Glauben an Gott und seinen Sohn Jesus Christus ermutigt“, erinnert sich Krakow. Nach seiner Konfirmation engagierte er sich zunächst im Kindergottesdienst sowie in der Jungschar- und Jugendarbeit.

Als in den umliegenden Gemeinden Pfarrstellen vakant waren, entstand der Wunsch, selbst Gottesdienste zu gestalten. Krakow entschied sich für die Ausbildung zum Predigthelfer, die er neben seiner beruflichen Tätigkeit an Wochenenden und während mehrerer Blockwochen absolvierte.

Beruflich führte ihn sein Weg nach einer Ausbildung zum Diplom-Verwaltungsbetriebswirt zur Deutschen Bundesbahn. Dort übernahm er verschiedene Leitungsfunktionen in der Betriebsführung, bei der Bahnpolizei und im Sicherheitsbereich. Seine letzten Berufsjahre verbrachte er in Berlin. Seit zehn Jahren befindet er sich im Ruhestand.

Gottesdienste an 54 Orten

In den vergangenen fünf Jahrzehnten hat Christian Krakow an insgesamt 54 Orten Gottesdienste gestaltet – sowohl in den heimischen Kirchenkreisen als auch in Gemeinden der benachbarten hessischen Kirche. Etwa die Hälfte seiner Gottesdienste feierte er in seiner Heimatgemeinde. Hinzu kamen zahlreiche Vertretungsdienste in den Nachbargemeinden.

Besonders in Erinnerung geblieben sind ihm jene Gottesdienste, in denen sich sein kirchlicher Dienst mit persönlichen Lebensereignissen verband. So durfte er drei seiner fünf Enkel taufen, die Beerdigung seines Bruders gestalten und ein benachbartes Ehepaar trauen. Die Trauung eines Nachbarn und seiner englischen Frau hielt er sogar zweisprachig.

Doch Krakows Engagement reicht weit über den Predigtdienst hinaus. Insgesamt blickt er auf 60 Jahre Mitarbeit in der evangelischen Kirche zurück: zehn Jahre in der Kinder- und Jugendarbeit, 50 Jahre als Prädikant und 25 Jahre als Presbyter, davon zehn Jahre als Vorsitzender. Bis heute ist er außerdem im Posaunenchor und im Kirchenchor aktiv.

Die Freiheit des Glaubens als Leitmotiv

Ein Bibeltext begleitet Christian Krakow seit seiner Ordination: der Brief des Apostels Paulus an die Galater, Kapitel 5, Verse 1 bis 12. Im Mittelpunkt steht die Freiheit, zu der Christus die Menschen befreit hat. Bereits bei seiner Ordination im Jahr 1976 predigte Krakow über diesen Abschnitt. Genau 50 Jahre später wird er in seiner Jubiläumspredigt erneut darauf zurückkommen.

So verbindet der Gottesdienst die Anfänge seines Predigtdienstes mit seinen Erfahrungen aus fünf Jahrzehnten kirchlicher Arbeit. Besonders freut sich Krakow auf die musikalische Gestaltung: Der Posaunenchor, in dem er selbst seit vielen Jahren aktiv ist, wird den Jubiläumsgottesdienst begleiten.

Vieles verändert sich – der Auftrag bleibt

In einem halben Jahrhundert hat Christian Krakow zahlreiche Veränderungen im kirchlichen Leben erlebt. Der Rückgang der Gottesdienstbesuche, die zunehmenden Kirchenaustritte und die damit verbundenen finanziellen Herausforderungen beschäftigen auch ihn. Dennoch bleibt für ihn der grundlegende Auftrag der Kirche unverändert. „Vieles hat sich in den 50 Jahren verändert. Aber eines ist immer gleich geblieben: der Auftrag zur Verkündigung des Evangeliums als Gottes Wort“, betont Krakow.

Vor allem die Begegnungen mit den Menschen haben seinen Dienst geprägt. „Das Predigen, der direkte Kontakt zu den Menschen und die damit verbundene seelsorgerische Tätigkeit haben mir sehr viel Freude gemacht“, sagt Krakow. Die Kraft für seine vielfältigen Aufgaben schöpfte er dabei stets aus seinem Glauben. „Gottes führende und beschützende Hand hat mir immer die Kraft gegeben, diese Dienste zu übernehmen.“

Aus Alters- und gesundheitlichen Gründen möchte Christian Krakow seinen Dienst künftig reduzieren. Ganz verabschieden will er sich von der Kanzel jedoch noch nicht. Gelegentlich möchte er weiterhin Gottesdienste übernehmen.

Die Kirchengemeinde lädt herzlich zum Jubiläumsgottesdienst am Sonntag, 8. November 2026, um 14 Uhr in die Kirche Oberlemp ein. Der Posaunenchor übernimmt die musikalische Gestaltung.

 

JCK

FOTO: C.K.