Rund 30 Frauen erlebten im evangelischen Gemeindehaus Oberkleen einen besonderen Abend. Im Mittelpunkt stand Rhode, eine wenig bekannte Frau aus der Bibel, die mit ihrem Glauben und ihrer Überzeugungskraft zur Türöffnerin wurde.

Ein liebevoll gedeckter Tisch, ein köstliches Drei-Gänge-Menü, berührende Musik und spannende Einblicke in die Bibel: Unter dem Motto „Frauenmahl trifft Mirjamgottesdienst“ kamen am Freitag, 30. Oktober, rund 30 Frauen im evangelischen Gemeindehaus Oberkleen zusammen. Das Bildungsreferat und die Frauenarbeit des Evangelischen Kirchenkreises an Lahn und Dill hatten zu einem Abend eingeladen, der Genuss, Gemeinschaft und theologische Impulse auf besondere Weise miteinander verband.

Rhode – eine Frau, die Türen öffnet

Im Mittelpunkt des Abends stand eine Frau, die in der Bibel nur wenige Verse einnimmt und dennoch eine bemerkenswerte Geschichte erzählt: Rhode, eine Dienerin aus der Apostelgeschichte. Ihr widmet sich das diesjährige Mirjamheft unter dem Titel „Rhode – die Türöffnerin“.

Mit Pfarrerin Heike Herras und Frauenreferentin Susanne Reuter aus dem Evangelischen Kirchenkreis Simmern-Trarbach waren zwei Frauen zu Gast, die selbst zum ökumenischen Autor*innenteam des aktuellen Mirjamheftes gehören.

Sie berichteten von der Entstehung des Heftes, den gemeinsamen Überlegungen und der Suche nach einer biblischen Frauengestalt, die bisher kaum im Mittelpunkt stand.

Bereits im Herbst 2024 begann die Arbeit an dem ökumenischen Projekt. Hauptamtliche aus dem Kirchenkreis Simmern-Trarbach und dem Pastoralen Raum Simmern fanden zusammen, um das Mirjamheft 2026 zu gestalten. Aus unterschiedlichen kirchlichen Perspektiven entstand eine kreative Zusammenarbeit, die schließlich eine fast vergessene biblische Frau ins Rampenlicht rückte.

„Toll, so intensiv an einem Thema arbeiten zu können“, berichtete Susanne Reuter begeistert von der gemeinsamen Arbeit. Besonders wichtig war dem Team, die biblischen Texte lebensnah und praxisorientiert aufzubereiten und ihre Bedeutung für die Gegenwart sichtbar zu machen.

Eine unscheinbare Dienerin mit einer bemerkenswerten Geschichte

Warum ausgerechnet Rhode? Diese Frage beschäftigte auch das Autor*innenteam. Gesucht wurde eine Frau, die auf den ersten Blick nichts Spektakuläres vollbringt, deren Handeln aber bei genauerem Hinsehen eine große Bedeutung erhält.

Die Geschichte findet sich im zwölften Kapitel der Apostelgeschichte. Petrus ist auf wundersame Weise aus dem Gefängnis befreit worden und klopft an die Tür eines Hauses, in dem sich die christliche Gemeinde zum Gebet versammelt hat. Rhode erkennt seine Stimme und ist so überwältigt vor Freude, dass sie zunächst vergisst, die Tür zu öffnen. Stattdessen eilt sie zu den anderen und berichtet, dass Petrus vor dem Haus steht. Doch niemand will ihr glauben.

Rhode lässt sich davon nicht beirren. Sie bleibt bei ihrer Überzeugung und trägt schließlich dazu bei, dass Petrus Einlass erhält.

Für das Autor*innenteam steht Rhode stellvertretend für viele Frauen, die im Alltag Türen öffnen, Veränderungen anstoßen und durch ihren Glauben und ihre Überzeugungskraft andere Menschen bewegen.

Damit schlägt ihre Geschichte eine Brücke in die Gegenwart: Wie oft werden Menschen überhört oder unterschätzt? Wer öffnet anderen Türen? Und welche Frauen haben durch ihr Handeln, oft ganz unauffällig, die Welt verändert?

Die Gedanken rund um Rhode regten dazu an, auch die eigenen Erfahrungen und Begegnungen aus einer neuen Perspektive zu betrachten.

Eine lange Tradition, die Frauen sichtbar macht

Das aktuelle Mirjamheft ist bereits die 28. Ausgabe einer besonderen kirchlichen Tradition. Seine Wurzeln liegen in der ökumenischen Dekade „Kirchen in Solidarität mit den Frauen“ von 1988 bis 1998.

Seitdem greifen die Mirjamhefte biblische Geschichten und Erfahrungen von Frauen auf, eröffnen neue theologische Perspektiven und geben Anregungen für lebendige Gottesdienste.

Dabei geht es nicht nur darum, bekannte Frauenfiguren der Bibel neu zu entdecken. Auch diejenigen, die bisher wenig Aufmerksamkeit erhalten haben, sollen eine Stimme bekommen.

Rhode ist dafür ein eindrucksvolles Beispiel. „Ihre Geschichte macht deutlich, dass nicht immer die großen und spektakulären Taten entscheidend sind. Manchmal beginnt Veränderung mit einem Menschen, der aufmerksam ist, vertraut und sich nicht davon abbringen lässt, für seine Überzeugung einzustehen“, sagt Heike Herras.

Musik und kulinarischer Genuss bereichern den Abend

Dass ein Frauenmahl nicht nur den Geist, sondern auch die Sinne anspricht, zeigte das festliche Drei-Gänge-Menü, das das Stephanuswerk der Diakonie Lahn-Dill vorbereitet hatte.

Den Auftakt bildete ein cremiges Kürbissüppchen mit Kokoshäubchen unter dem fantasievollen Namen „Durchgedrehtes Süppchen“. Anschließend wurde ein „Schönes Durcheinander“ serviert: griechisches Rindergulasch, hausgemachte grüne Spätzle und Vanillemöhren. Zum süßen Abschluss erwartete die Gäste ein „Utropischer Nachtisch“ mit lauwarmer Ananas, rotem Pfeffer und Vanilleeis.

Auch musikalisch wurde der Abend zu einem besonderen Erlebnis. Caroline Mora mit Gitarre und Gesang sowie Naema Jochum am Klavier sorgten für eine stimmungsvolle Begleitung.

Gemeinschaft erleben und neue Türen entdecken

Durch den Abend führten Inge Michel von der Frauenarbeit sowie Bildungsreferent und Diakon Jochen Gessner. Sie verbanden die unterschiedlichen Programmpunkte und gaben den Gesprächen und Begegnungen einen liturgischen Rahmen.

Das Zusammenspiel aus biblischen Impulsen, Musik, gutem Essen und persönlichen Begegnungen zeigte, wie lebendig und vielfältig kirchliche Frauenarbeit sein kann.

So wurde „Frauenmahl trifft Mirjamgottesdienst“ zu einem Abend, der weit über die Beschäftigung mit einer biblischen Geschichte hinausging. Die Teilnehmerinnen begegneten einer fast vergessenen Frau, deren Geschichte bis heute Fragen aufwirft und Mut macht.

Rhode erinnert daran, dass es nicht immer die großen Gesten braucht, um etwas zu bewegen. Manchmal reicht es, aufmerksam zu sein, der eigenen Überzeugung zu vertrauen und anderen eine Tür zu öffnen.

 

JCK

FOTOS: Jan-Christopher Krämer

1.: (v. l.) Die Referent*innen Heike Herras und Susanne Reuter bekamen als Dank jeweils ein Säckchen mit Spezialitäten aus der Region von Inge Michel und den Bildungsreferent*innen Marlene Schleicher und Jochen Gessner überreicht.

2.: (v. l.): Caroline Mora und Naema Jochum sorgten für die musikalischen Highlights des Abends.

3.: Inge Michel führte gemeinsam mit Jochen Gessner durch den Abend.

4.: Rund 30 Frauen kamen in Oberkleen zusammen, um gemeinsam zu feiern.

5.: Die Referent*innen aus dem Kirchenkreis Simmern-Trarbach stellten nicht nur das neue Heft vor, sondern begeisterten die Frauen mit kleinen Aktionen.