Was wir nicht alleine tragen müssen
Rund 40 Männer haben am Freitagabend in Burgsolms einen ökumenischen Männergottesdienst gefeiert. Zwischen Grillduft, Musik und sommerlichem Sonnenschein ging es um die Frage, was Menschen mit sich herumtragen – und um die Erfahrung, dass manches leichter wird, wenn andere mittragen.
Burgsolms. Das Wetter hatte es sich noch einmal anders überlegt. Statt Regen gab es am Freitagabend, 28. August, Sonnenschein und einen lauen Sommerabend. Rund 40 Männer waren zum ökumenischen Männergottesdienst ins Gemeindehaus nach Burgsolms gekommen. Eingeladen hatten die synodale Männerarbeit des Evangelischen Kirchenkreises an Lahn und Dill und die Katholische Pfarrei St. Anna aus Braunfels.
Unter dem Motto „Es trifft uns mitten ins Herz“ kamen die Männer bei Gegrilltem und kühlen Getränken miteinander ins Gespräch. Für die Musik sorgte die Gruppe SaitenWind mit Gitarre, Bass und Geige. Viel wurde an diesem Abend gemeinsam gesungen.
Was schleppen wir mit uns herum?
Zu Beginn des Gottesdienstes stellten Jochen Gessner, Bildungsreferent des Kirchenkreises, Bernhard Bender, Lektor in der Kirchengemeinde Am Solmsbach und Thomas Kaiser, Katholische Pfarrei St. Anna drei Gegenstände in den Mittelpunkt: einen Rucksack, ein Seil mit Knoten und ein Handy.
Der Rucksack ist zwar immer dabei – doch ausgerechnet sich selbst hat sein Träger vergessen einzupacken. Die Knoten im Seil sollten eigentlich an wichtige Dinge erinnern. Nur: Woran eigentlich? Das ist längst vergessen. Und das Handy? Das ist ebenfalls ständiger Begleiter, doch im entscheidenden Moment ist der Akku leer.
„Was tragt ihr denn so mit euch rum?“, lautete die Frage an die Männer. Eine schnelle Antwort brauchte es nicht. Denn dieser Abend sollte gerade ein Ort sein, an dem man nicht sofort antworten muss, sondern Fragen stellen darf. Und eine erste Antwort gab es dann doch: „Wir müssen das alles nicht alleine tragen.“
Dazu kamen Stimmen aus der Männergemeinde. Unterschiedliche Zitate, unter anderem von Martin Buber und Antoine de Saint-Exupéry, gaben weitere Gedanken mit auf den Weg.
„Mitten ins Herz“
Auch die Predigt griff das Motto des Abends auf und führte zurück ins Jahr 1954. Die ungarische Fußballnationalmannschaft galt im WM-Finale als klarer Favorit. Doch die deutsche Mannschaft schöpfte Hoffnung – nicht zuletzt, als Regen einsetzte.
Die Ansprache des Trainers an seine Spieler zielte „mitten ins Herz“: Sie machte Mut und weckte den Glauben daran, eine scheinbar übermächtige Aufgabe bewältigen zu können. Der überraschende Sieg wurde damals für viele Menschen im noch vom Krieg gezeichneten Deutschland zu einem Zeichen neuer Zuversicht: Wir können etwas schaffen. Wir können unsere Welt wieder aufbauen.
Auch die ersten christlichen Gemeinden standen immer wieder vor Aufgaben, die kaum zu bewältigen schienen. Allen Widerständen zum Trotz wuchs aus ihren kleinen Anfängen eine weltweite Bewegung.
Und heute? In einer Zeit, in der vielerorts wieder die Macht des Stärkeren zu zählen scheint, bleibt die Hoffnung, dass Veränderung möglich ist. Denn Gottes Geist weht, wo er will. Er kann Menschen neu begeistern, Mut schenken und in Bewegung bringen.
Einige Knoten haben sich gelöst
Am Ende kehrten die drei Männer noch einmal zu Rucksack, Seil und Handy zurück. Und tatsächlich hatte sich etwas verändert.
Einige Knoten im Seil hatten sich gelöst – weil andere Hände daran mitgearbeitet hatten. Der Rucksack war voller geworden: voller Fragen, die gestellt werden dürfen. Und zugleich fühlte er sich leichter an. Der Handyakku war noch nicht voll, aber er lud wieder.
So stand am Ende des sommerlichen Abends keine einfache Antwort auf alle Fragen. Dafür blieb eine andere Erfahrung: Wir müssen nicht alles allein schaffen. Gott trägt mit. Und manchmal trifft genau diese Erkenntnis mitten ins Herz.
JCK
FOTOS: Jan-Christopher Krämer
FOTO 1: (v. l.) Bernhard Bender, Thomas Fischer und Jochen Gessner gestalteten gemeinsam den ökumenischen Gottesdienst.
FOTO 2: Rund 40 Männer kamen nach Burgsolms, um gemeinsam zu feiern.
FOTO 3: Die Band SaitenWind sorgte für die musikalischen Highlights.
FOTO 4: (v. l.) Bernhard Bender und Thomas Fischer zeigten den leeren Rucksack.
FOTO 5: Für das leibliche Wohl sorgte Frank Schneider (Kirchengemeinde Kölschhausen).
FOTO 6: Bernhard Bender erinnerte in seiner Predigt an die 54er Mannschaft und die ersten christlichen Gemeinden.
FOTO 7: Ein lauer Sommerabend in Burgsolms mit Gottesdienst, Musik und gemütlichem Beisammensein.