“Mich beeindruckt, mit welcher Leidenschaft und Professionalität Sie sich für die Kinder in Burkina Faso einsetzen!“ betonte Superintendent Hartmut Sitzler im Gespräch im Kirchenamt beim offiziellen Empfang von Bernadette Kabre aus der Hauptstadt Ouagadougou. Er sei dankbar für die Möglichkeit des Voneinander-lernens und freue sich an der gewachsenen Freundschaft und des lebendigen Austauschs. Die Pädagogin Kabre ist Gründerin eines Bildungszentrums von Krippe bis Grundschule. Sie war zum wiederholten Male Gast auf Einladung des Arbeitskreises Brot für die Welt-TIKATO im Kirchenkreis an Lahn und Dill. Superintendent Sitzler zeigte sich im Gespräch auch mit Ökumenepfarrerin Alexandra Hans (Wettenberg) sehr interessiert an den Inhalten des Bildungsprogramms. Die Einrichtung gehört aus staatlicher Sicht zu den fünf besten in Burkina Faso und gilt als Beispiel für Zukunftweisendes. Zum Beispiel plant sie die Einrichtung einer Bibliothek für Kinderbücher, die es in Burkina noch nicht gibt. Auch die Einrichtung von Gärten am lokalen Rande der Einrichtung, deren Erzeugnisse zur Schulmahlzeit verwendet werden, hat sie als Ziel. Kabre ist die Einzige, die neben Nur- Modulangeboten des Staates eine komplette Ausbildung zu Erzieherinnen im Lande ermöglicht.
Die Liebe „zu allen Kindern dieser Welt“, wie sie sagte, war deutlich spürbar sowohl beim Bericht im kreiskirchlichen Ökumene-Ausschuss, dem Besuch der Evangelischen Kita Johanneshof und dort im Gedankenaustausch mit der Leiterin Ingrid Müller als auch im Mitmachgottesdienst „Arche Noah“ in der Kreuzkirche. Als Geschenk erhielt sie hier von Prädikantin und Gemeindepädagogin Sabine Schäfer zwei „Arche Noah“-Puzzle für die Kinder in ihrer Einrichtung. Mit afrikanischen und auch europäischen Liedern vergnügte Kabre in Wetzlar Jung und Alt und hatte schnell die Herzen erobert:
…so wie auch in den 2 Französischkursen der Goetheschule von Ulrike Hoppe und Simone Heipel. Die Goetheschule hatte in einer besonderen Aktion in diesem Jahr für das Projekt gespendet-die Freude war groß! An der Intensität der Fragen vor allem vom Leistungskurs spürte man die gute Vorbereitung der Schülerinnen und Schüler durch die Pädagoginnen aber auch eigener Recherche. Da interessierte sowohl Persönliches schon aus der Kindheit, besondere Sahelland-Lebensumstände im viertärmsten Land der Welt als auch die aktuelle durch Terror beeinflusste Lage im Land und deren Auswirkungen auf die Bevölkerung.
Schon im Kleinkindalter Samen des Friedens säen
Dass diese den Menschen Angst macht, stehe außer Frage, berichtete Kabre. Der Weltfrieden mache zudem allen gesellschaftlichen Schichten weltweit Sorge. „Und so ist unumgänglich, bereits im Kleinkindalter den Samen des Friedens zu säen“, betonte Kabre. Sie konnte auch von ökonomischen und sozialen Fortschritten berichten. So werden Straftäter mit nur geringen Delikten aus der Haft entlassen und mit Arbeit im Allgemeinwesen betraut. Bettelnde Menschen, derer es sehr viele aufgrund der Armut in der Hauptstadt gibt, versucht die Regierung Arbeit in städtischen Bereichen und im Erlernen einfacher Tätigkeiten zu vermitteln und ihnen damit eine Existenz zu sichern. Zahlreiche neue Unternehmen wie für Transformation von Früchten wurden gegründet und Aufforstung gilt als ein wichtiges Ziel- wie auch der soziale Friede im Zusammenleben der vielen unterschiedlichen Ethnien.
Mehr Frauen in Führungsämter und Klimawandel im Blick
Erstmals kam die Wetzlarer Stadträtin Andrea Biermann mit der burkinischen Partnerin ins Gespräch im Rathaus. Die zwei so unterschiedlichen Frauen verstanden sich auf Anhieb. Hier stand zudem „Frauen in Politik und Führungsrollen“ in beiden Ländern zur Debatte. Man war sich einig: “Davon brauchen wir mehr. Frauen ziehen sich mehr aus den Ämtern zurück…in beiden Ländern. Aber gerade sie können oft durch andere Zugänge das Leben positiv bescheiden. Also: zum Mittun weiterhin ermutigen und Frauenrechte wahrnehmen!“ Über den Klimawandel hier und in Burkina Faso und dessen Folgen sowie die Notwendigkeit des Gegensteuerns diskutierten sie. Ins soziale Engagement in Wetzlar führte Kabre der Weg wie immer auch zur Tafel und zur „Gesegneten Mahlzeit“ nach Niedergirmes und dabei ins Gespräch mit Tafelkunden.
Erstmals besuchte sie eine aktuelle Fotoausstellung bei Leica und nahm auch gleich eine Idee mit: „Zum Jubiläum in meiner Einrichtung werde ich eine Fotoausstellung über unsere Kinder erstellen“. Große Freude hatte sie auch bei Einladungen und Ausflügen durch TIKATOmitglieder. „Eine erfüllte Zeit“, sagt sie dankbar.
Notweniger Klassenneubau braucht finanzielle Unterstützung
Momentan ist das Hauptziel des Bildungszentrums Kabre der Neubau zweier Klassenzimmer für die Grundschule. Die Eltern möchten nach dem Besuch der Krippe und der Vorschule Kontinuität für ihren Nachwuchs in der weiterführenden Schule sehen. Sie spenden auch manchmal kleine Summen, so wie es ihnen möglich ist. Hier im Lahn-Dill-Kreis und darüber hinaus unterstützt die TIKATO gruppe durch Spenden von Kirchengemeinden, vom Wetzlarer Bücherturm, der Braunfelser Frühstücksfrauen, anderen Initiativen und inzwischen zahlreichen Privatpersonen diese Entwicklungszusammenarbeit. So fließen auch oft Geburtstagsspenden bei runden Geburtstagen, auch bei Hochzeiten oder Trauerfällen gerne in dieses Projekt. Eben der Zukunft der Kinder zuliebe.
„Ich nehme viele gute Ideen mit“, freut sich Bernadette Kabre: Die kreiskirchliche Film-Initiative der Friedenswanderkerze „Ich zünde eine Kerze an und bete für den Frieden“ unterstützte sie im Kirchenamt in ihrer ethnischen Muttersprache More. Kerzen sind nun im Rückreisegepäck und sie will es sowohl bei ihrer baldigen Schulfeier als auch im familiären Umfeld weitergeben und der Partnerorganisation von Tikato ODE (Entwicklungsbüro der evangelischen Kirchen) als Idee ans Herz legen. Auch das traditionelle Abend-Friedensgebet in der Braunfelser Kirche beeindruckte sie sehr.
Wie lange Bernadette Kabre schon nach Deutschland kommt, wie lange sie schon die Menschen hier kennt und persönliche Bezüge zu ihnen pflegt, war nicht nur bei den Einladungen bei Pfarrer i. R. Jörg Süß, Pfarrerin Ellen Wehrenbrecht in Niedergirmes, bei einem langjährigen Spender sowie bei einem „Freundinnentreff“ sichtbar, sondern auch beim Treffen mit Mitgliedern der TIKATOgruppe. “Sie blickt als couragierte Frau auf ein großartiges Werk zurück“, betont Sprecher Hans-Jörg Ott. Er hatte sich gemeinsam mit Gastgeberin Heidi J. Stiewink an der Begleitung beteiligt.
Dank an alle Spender:innen
Kabre dankte der TIKATO-Gruppe sehr herzlich für das unermüdliche Eintreten seit mehr als 50 Jahren für ihr Heimatland und nun auch für ihr Bildungs-Projekt. Staatliche oder andere Mittel fließen hier nämlich nicht ein. Bernadette Kabre selber erinnerte zudem in Wehmut, aber auch in großer Dankbarkeit an die in den letzten Jahren vier verstorbenen TIKATO- Mitgliedern, die so maßgeblich an der produktiven Zusammenarbeit beteiligt waren. Sie seien unvergesslich für sie. Und rückblickend auf ihren Aufenthalt: “Ich bin erfüllt von den Begegnungen in diesen Wochen im Lahn-Dill-Kreis “.
Heidi J. Stiewink
Fotos: Heidi J Stiewink
FOTO 1 : Goetheschule, links Simone Heipel und Ulrike Hoppe (Foto Goetheschule)
Foto 2: zu Gast bei Stadträtin Andrea Biermann (Foto Stadt Wetzlar)
Foto 3 . Kreiskirchlicher Empfang Superintendent Dr. Hartmut Sitzler, Heidi J Stiewink, Bernadette Kabre, Alexandra Hans, Hans-Jörg Ott (Foto Jan- Chr. Krämer)