Wie finanzieren sich Kirchen und Gemeinden heute? Welche Rolle spielen Kirchensteuer, Spenden und ehrenamtliches Engagement? Und wie können kirchliche Mittel transparent und verantwortungsvoll eingesetzt werden? Diesen Fragen widmete sich ein ökumenischer Gesprächsabend am 27. Mai im Tafelladen der Wetzlarer Tafel in Wetzlar.
Die Veranstaltung fand im Rahmen der Ökumenischen Woche statt und brachte Vertreter verschiedener christlicher Kirchen und Gemeinden miteinander ins Gespräch. Moderiert wurde der Abend von Pfarrer Björn Heymer von der Evangelischen Kirchengemeinde Wetzlar.
Unterschiedliche Finanzierungsmodelle im Blick
Zum Auftakt gab Michael Dörr vom Pfarrgemeinderat der katholischen Pfarrei Wetzlar einen Einblick in die Geschichte der Kirchensteuer. Er erläuterte zudem den Begriff der Staatsleistungen und stellte die Finanzstrukturen sowie die Gremien der katholischen Kirche im Bistum Limburg vor.
Anschließend präsentierte Martin Fischer die Struktur der Neuapostolischen Kirche. Er berichtete von einer weltweit vernetzten Glaubensgemeinschaft, deren Arbeit vollständig durch freiwillige Spenden der Mitglieder getragen wird. Auch die Bedeutung des ehrenamtlichen Engagements der Amtsträger wurde dabei deutlich.
Freikirchliche Perspektiven
Daniel Tyart stellte die Anskar-Kirche Wetzlar vor. Die Freikirche ging in den 1980er Jahren aus der hamburgischen Landeskirche hervor. Heute zählt die Gemeinde in Wetzlar zu den größten Anskar-Gemeinden in Deutschland. Tyart beschrieb die große Eigenständigkeit der einzelnen Gemeinden sowie die positive Entwicklung der Gemeindearbeit und ihrer finanziellen Möglichkeiten.
Herausforderungen für die evangelische Kirche
Für die evangelische Perspektive sprach Jens Scholz, stellvertretender Leiter des Kirchenamtes an Lahn und Dill. Er erläuterte das presbyterial-synodale System der Evangelischen Kirche im Rheinland und stellte die unterschiedlichen Verantwortungsebenen von Kirchengemeinden über den Kirchenkreis bis hin zur Landeskirche vor.
Dabei ging er auch auf die aktuellen Herausforderungen ein, mit denen die evangelische Kirche konfrontiert ist. Sinkende Mitgliederzahlen und rückläufige Kirchensteuereinnahmen machten deutlich, dass sich die Kirchen in einem tiefgreifenden Veränderungsprozess befinden. Gleichzeitig betonte Scholz die Verantwortung, vorhandene Mittel sorgfältig und zukunftsorientiert einzusetzen.
Offener Austausch und Blick in die Zukunft
Im Anschluss an die Impulsreferate entwickelte sich eine lebhafte Diskussion mit den Besucherinnen und Besuchern. Dabei wurden Fragen nach Transparenz, Prioritätensetzung und den zukünftigen Aufgaben der Kirchen ebenso angesprochen wie die Bedeutung kirchlicher Arbeit für die Gesellschaft.
Die Teilnehmenden erlebten einen informativen und wertschätzenden Abend, der deutlich machte, wie unterschiedlich kirchliche Strukturen und Finanzierungswege sein können – und wie viele gemeinsame Herausforderungen die Kirchen heute verbinden.
Aus dem Publikum wurde der Wunsch geäußert, das Gespräch im kommenden Jahr fortzusetzen. Dann könnte der Blick noch stärker auf die Frage gerichtet werden, wie die Zukunft der Kirchen in einer sich wandelnden Gesellschaft gestaltet werden kann.
JCK
FOTOS: Jan-Christopher Krämer
FOTO 1: Referierten zum Thema „Kirchenfinanzen in Deutschland“ (v. l.) Jens Scholz (ev. Kirchenamt an Lahn und Dill), Daniel Tyart (Anskar-Kirche Wetzlar), Björn Heymer (ev. Kirchengemeinde Wetzlar), Martin Fischer (Neuapostolische Kirche) und Michael Dörr (kath. Pfarrei Wetzlar)