Wetzlarer Gespräche zur neuen Friedensdenkschrift der EKD

Wie lässt sich Frieden denken in einer Welt voller Krisen, Kriege und wachsender Unsicherheiten? Mit dieser Frage beschäftigten sich rund 30 Teilnehmende bei einer neuen Ausgabe der „Wetzlarer Gespräche“ im Gemeindesaal der Hospitalkirche in der Langgasse in Wetzlar. Eingeladen hatte der Sozialethische Ausschuss des Evangelischen Kirchenkreises an Lahn und Dill. Moderiert wurde der Abend von Dr. Karin Rinn.

Friedensethik in neuen Zeiten

Im Mittelpunkt stand die neue Friedensdenkschrift der Evangelische Kirche in Deutschland, die im November 2025 verabschiedet wurde. Die EKD reagiert darin auf tiefgreifende Veränderungen der weltpolitischen Lage: die Zunahme bewaffneter Konflikte, geopolitische Verschiebungen, hybride Kriegsführung, neue Waffentechnologien, die Klimakrise sowie den zunehmenden Druck auf liberale Demokratien weltweit.

Zugleich greift die Denkschrift Themen auf, die seit vielen Jahren zur evangelischen Friedensethik gehören. Dazu zählen unter anderem Fragen nach nuklearer Abschreckung, Rüstungsexporten, Wehrpflicht und Kriegsdienstverweigerung.

Zehn Kernaussagen vorgestellt

Der Sozialethische Ausschuss stellte die zehn Kernaussagen der Friedensdenkschrift vor und ordnete sie in aktuelle gesellschaftliche und politische Entwicklungen ein. Dabei wurde deutlich: Die EKD sucht nicht nach einfachen Antworten, sondern ringt um eine verantwortliche Haltung zwischen Friedenssehnsucht, Schutzverantwortung und den politischen Realitäten einer konfliktreichen Welt.

Klare Positionen in der Diskussion

Im anschließenden Austausch entwickelte sich eine engagierte Diskussion mit vielen persönlichen Beiträgen und klaren Positionierungen. Die Frage nach der Rolle der Kirche in gesellschaftlichen Konflikten bewegte die Teilnehmenden spürbar.

Eine Teilnehmerin formulierte: „Kirche hat einen Auftrag und kann nicht ständig zwischen allen Stühlen sitzen.“ Andere betonten zugleich die Bedeutung, Spannungen auszuhalten und friedensethische Fragen differenziert zu betrachten.

Frieden bleibt eine gemeinsame Aufgabe

Der Abend machte deutlich: Die Fragen nach Frieden, Verantwortung und Haltung beschäftigen viele Menschen, gerade angesichts der aktuellen weltweiten Krisen. Die „Wetzlarer Gespräche“ boten dafür Raum für Information, Diskussion und gemeinsames Nachdenken über den Auftrag von Kirche in einer unruhigen Zeit.

JCK

FOTOS: Jan-Christopher Krämer

FOTO 1: Dr. Karin Rinn vom Sozialethischen Ausschuss führte durch den Abend.

FOTO 2: Die Teilnehmer*innen hatten die Möglichkeit, sich mit einzelnen Thesen aus der Denkschrift tiefergehend auseinanderzusetzen.

FOTO 3: Anschließend wurde in Kleingruppen diskutiert.