Church and Peace veranstaltete mit vier englischen Organisationen vom 24.-26. April in Milton Keynes nördlich von London eine christliche Friedenskonferenz. Der Titel im Englischen lautete: Healing from Conflict. Die Teilnehmenden kamen aus weiten Teilen Europas, zum Teil aus (ehemaligen) Kriegsgebieten. Viele hatten Erfahrungen mit den Nöten von Menschen in Diktaturen und in Elendsvierteln.
Zwei Vorträge umrahmten zwölf Workshops. John Cooper vom Internationalen Versöhnungsbund erklärte den etwa 120 Teilnehmenden: „Im Laufe der Tagung werden wir erfahren, wie die Wunden des Krieges heilen können und wie sich daraus eine neue Zukunft entwickeln kann. Wir werden herausgefordert sein, international, lokal und persönlich zu denken.“ Er führte fort: „Unser erster Beitrag gewinnt mit jedem Tag mehr an Aktualität. Die Vereinten Nationen entstanden aus der globalen Verpflichtung heraus, dass sich die Schrecken des Krieges niemals wiederholen dürfen. Während die Arbeit auf höchster Ebene Politiker zusammenbrachte, erkannten Menschen guten Willens, dass sie dazu beitragen mussten, Unterstützung für die globale Diplomatie aufzubauen.“ Wie das heute aussehen kann und welchen Gefahren begegnet werden muss, erläuterte die Geschäftsführerin der United Nations Association in England, Jane Kinnemont. Angesichts der schwierigen Lage, da mächtige Mitgliedstaaten die Menschenrechtsagenda am liebsten abschaffen würden, ermutigte sie, die Forderung nach Friedensbildung engagiert aufrecht zu erhalten. Dies sei besonders wichtig angesichts der im Juli anstehenden Wahlen einer neuen Generalsekretärin oder eines Generalsekretärs.
Der baptistisch kroatische Theologe Sinica Klem zeigte an der Geschichte von Kain und Abel, wie Gott bereits in dieser frühen biblischen Geschichte Rache und strafende Gewalt ablehnt. Das Kainsmal sichert dem ehemaligen Mörder einen sicheren Platz in der Gesellschaft zu. Präventive Gewalt und Aufrüstung versperren den Weg für ein friedliches Zusammenleben. Viele, die die Geschichte von Kain und Abel hören, identifizieren sich mit Abel und realisieren dabei nicht, dass Kain ein Teil von ihnen ist.
Ch&P hat eine Presseerklärung herausgegeben, in der die Workshops detailliert aufgelistet werden. https://www.church-and-peace.org/2026/04/eine-bewegung-von-menschen-fuer-den-frieden/
Im Blick auf den Laurentiuskonvent und den Evangelischen Kirchenkreis an Lahn und Dill, die mich zu dieser Tagung entsandt haben, beschränke ich mich auf die Erwähnung der Workshops, die ich besucht habe. „Mut in kriegsähnlichen Zeiten“ wurde von der Ana und Otto Raffai durchgeführt. Sie sind mit ihrer Friedensarbeit auf dem Balkan unterwegs. Ausgehend von der Geschichte des Propheten Jona wurden wir aufgefordert, auszuprobieren, wie es sich anfühlt, einem oder mehreren Personen auf den Kopf zuzusagen: „Mensch, ändere dich!“ oder: „Ändert euch!“ Ebenso spürten wir nach, wie es sich anfühlt, so „provoziert“ zu werden.
„Es braucht Mut gegen Anpassung!“ So lautete das Resümee. Tausende Menschen sterben, wenn solcher Mut nicht aufgebracht wird.
Im zweiten Workshop ging es um seelsorgerische Begleitung von traumatisierten Personen. Der australische Theologe Nathanael Reuss hat darüber geforscht und berichtet. Ausgehend von der Überlegung, wo Seelsorge einen Platz in der Heilung von Traumata einnehmen kann, kommt Reuss zu dem Schluss, dass das Umfeld einer Gemeinde einen entscheidenden Beitrag leisten kann. Eine leidende Person kann dort Schutz und Stabilität finden. Biblische Texte können ihnen helfen, Handlungsfähigkeit wieder zu gewinnen. Jesaja 43, 4a: „Er trug unsere Krankheit und nahm auf sich unsere Schmerzen“ ist ein solcher Text. Im Matthäusevangelium 8,17 wird der Satz zitiert und auf Jesus und sein Heilungshandeln übertragen.
Umrahmt und wesentlich getragen wurde die inhaltliche Arbeit von Gebetszeiten. Ebenso wurde künstlerisches Schaffen als Ausdruck von Friedensarbeit praktiziert. Beispielsweise kann Kunst im Krieg zwischen Russland und der Ukraine helfen, Bilder und Vorstellungen zu prägen, wie es denn zum Nutzen aller weitergehen soll.
Allen, die dieses Treffen ermöglicht haben, gilt mein großer Dank.
Ernst von der Recke
FOTOS: Ernst von der Recke