Das Haus mit Leben und Liebe füllen:

„Es ist eine große Ehre für uns, Sie in diesem Haus als Gäste begrüßen zu dürfen“, so Dr. Hartmut Sitzler. „Wir fühlen uns mit Ihnen und Ihrem Land eng verbunden und in den Gottesdiensten unserer Gemeinden wird jeden Sonntag für den Frieden gebetet.“

28 Frauen, Männer und Kinder aus der Ukraine hat der Superintendent des Evangelischen Kirchenkreises an Lahn und Dill im Paul-Schneider-Heim bei Dornholzhausen, dessen Eigentümer der Kirchenkreis noch bis zum 30. April ist, herzlich empfangen. Die meisten von ihnen kamen am vergangenen Donnerstag abends gegen 21 Uhr mit dem Reisebus im Freizeitheim an. Die angesichts des Krieges aus ihrem Land Geflüchteten werden in Absprache zwischen der Gemeinde Langgöns und dem Kirchenkreis aufgenommen. Mit der Gemeinde wurde ein Erbpachtvertrag abgeschlossen.

Anwesend bei der offiziellen Begrüßung waren auch Bürgermeister Marius Reusch, der bereits am Donnerstagabend zur Ankunft der Geflüchteten ins Freizeitheim kam, Marco Lehner, Leiter des Stabes Ukraine der Gemeinde Langgöns, Friedhelm Block, kirchlicher Koordinator für die Geflüchteten aus der Ukraine, Irina Ritter als Übersetzerin und Ehepaar Regina Glaser und Hans Glaser. Sie koordinieren die Betreuung vor Ort und sind hauptsächlich verantwortlich für Küche und Haustechnik.

Mit seinem Dank an das Ehepaar verband Sitzler auch ein Lob für die leckeren Mahlzeiten und die kompetente Organisation.

Vieles muss hier gut geplant werden. Beispielsweise die Erklärung der Hausordnung und der Verhaltensregeln im Brandfall, aber auch der Einkauf und Transport von Lebensmitteln oder das Waschen und Trocknen der Wäsche. Viele Ehrenamtliche haben sich bereits vielfältig engagiert.  Inzwischen sind zwei Waschmaschinen organisiert worden, drei Trockner stehen im Keller. Und die Gäste packen auch selbst mit an. „Eine junge Mutter engagiert sich in der Küche und unterstützt dort meine Frau“, berichtet Hans Glaser. „Zudem haben die Ukrainerinnen bereits eine Putzkolonne und einen Spüldienst organisiert.“

Die geflüchteten Menschen seien bei ihrer Ankunft sehr erschöpft gewesen, sagt er. Inzwischen hätten sie sich etwas erholt und es gehe es ihnen besser. „Die Menschen sind hilfsbereit, freundlich und dankbar“, so Regina und Hans Glaser, die sich mit der Mentalität der Ukrainerinnen und Ukrainer ein wenig auskennen. Schließlich kommen sie beide aus Siebenbürgen in Rumänien, Nachbarland der Ukraine. Sie können sich in Denken und Lebensart der Angekommenen gut einfühlen. So kam es auch zu einer Familienzusammenführung mit einer jungen Frau, die über Polen nach Deutschland kam und die Hans Glaser gemeinsam mit den Angehörigen vom Gießener Bahnhof abholte. Die Freude über das Wiedersehen war groß. Jetzt haben alle ein gemeinsames Zimmer im Paul-Schneider-Heim.

Es gibt auch kranke Kinder unter den Angekommenen. Hans Glaser hat für sie schon Medikamente besorgt. Einziges Problem sei die Sprachbarriere, erzählt er. Die Übersetzungs-App helfe nicht immer weiter. Aber es gibt auch eine Dolmetscherin vor Ort. Ins Auge gefasst ist darüber hinaus ein Ansprechpartner, der täglich etwa für zwei Stunden ins Freizeitheim kommt und russisch spricht. So berichten es Marco Lehner und Friedhelm Block.

„Genießen Sie die Möglichkeiten, die Ihnen das Haus bietet“, sagte Sitzler und spielte damit auch auf die idyllische Lage des Paul-Schneider-Heims in dem weitläufigen Gelände mit viel Wald, Wiesen, Spielgeräten und ausreichend Platz zum Toben für die Kinder an. Inzwischen haben auch Mitarbeiter aus dem Kirchenamt in Wetzlar für die Einrichtung einer WLAN-Verbindung gesorgt.

Dass Ehepaar Glaser selbst im Paul-Schneider-Heim wohnt, ist für die Situation ein großer Vorteil. Derzeit fühlen sich alle miteinander wohl: „Wir sind eine große Familie geworden“, so Hans Glaser. Damit ist auch die Bitte von Superintendent Sitzler an die Geflüchteten am Ende seiner Begrüßung schon ein Stück weit wahr geworden : „Füllen Sie das Haus mit Leben und mit Liebe.“

 

Für die Verständigung mit den Geflüchteten aus der Ukraine werden dringend Menschen gesucht, die russisch oder ukrainisch übersetzen oder die den Ukrainern Deutsch als Umgangssprache vermitteln können, auch ohne spezielle Ausbildung, so Friedhelm Block. Kontakt: ev.fluechtlingsarbeit.lahnunddill@ekir.de

Sachspenden werden im Paul-Schneider-Freizeitheim nicht entgegengenommen. Wer jedoch etwas zur Unterstützung der Geflüchteten spenden oder selbst Hilfe anbieten möchte, kann sich mit einer Anfrage per E-Mail an die Gemeindeverwaltung Langgöns wenden: langgoenshilft@langgoens.de

Geldspenden als Hilfe für die Betroffenen der Ukraine-Krise sind möglich über die Diakonie Katastrophenhilfe: https://www.diakonie-katastrophenhilfe.de/spende/ukraine

 

bkl

 

Bild 1: Fühlen sich mit Ehepaar Regina und Hans Glaser (r.) gut aufgehoben im Paul-Schneider-Freizeitheim: Geflüchtete aus der Ukraine.

Bild 2: Begrüßte die Ukrainerinnen und Ukrainer im Paul-Schneider-Freizeitheim: Superintendent Hartmut Sitzler (4.v.l.) mit (v.l.): Haustechniker Hans Glaser, dem kirchlichen Koordinator Friedhelm Block,  Übersetzerin Irina Ritter, Bürgermeister Marius Reusch und Marco Lehner, Leiter des kommunalen Stabes Ukraine.