Über der Burg Greifenstein liegt dichter Nebel. Es ist Samstag, der 21. Februar. Grau hängt der Himmel über dem Land, ein paar weiße Schneereste erinnern an die vergangenen Tage. Nieselregen. Kälte. Ein ungemütlicher Nachmittag.

Doch unten, im Gemeindehaus am Fuße der Burg, ist es warm. Stimmen füllen den Raum. Gelächter mischt sich mit konzentrierter Diskussion. Wie lange braucht eine gute Predigtvorbereitung? Eine Stunde? Drei? Zehn?

Hier sitzt der Lektor*innen-Kurs des Kirchenkreises an Lahn und Dill zum letzten Mal in dieser Runde. Hinter ihnen liegen zehn Unterrichtseinheiten, mehr als 45 Seminarstunden, ein halbes Jahr intensiver Auseinandersetzung mit Bibel, Liturgie und eigener Stimme. Vor ihnen liegt ein neuer Dienst.

Zwischen Kaffeetassen und selbstgebackenem Kuchen spürt man: Diese Gruppe ist zusammengewachsen.

„Es war für mich ein Privileg, in so kurzer Zeit so gut ausgebildet zu werden“, sagt Marko Best. „Jetzt kann ich meiner Gemeinde etwas zurückgeben.“

Auch Virginia Busch und Heiko Debus sprechen von einer intensiven Zeit. „Wir sind gemeinsam gewachsen, im Glauben und im Vertrauen.“

Und dann dieser Satz, der hängen bleibt:
„Hätte mir jemand vor einem Jahr gesagt, dass ich einmal vor der Gemeinde stehen und einen Gottesdienst leiten würde, ich hätte ihn für verrückt erklärt.“

Heute klingt darin keine Angst mehr. Sondern Freude.

Ein Segen für die Gemeinden

Am Sonntag, 22. Februar, wird es ernst. Um 14 Uhr füllt sich die Schlosskirche in Greifenstein. Familien, Freund*innen, Gemeindeglieder, viele eigens angereist sind, um ihre Lieben zu unterstützen.

Der Kurs zieht ein, angeführt von Superintendent Dr. Hartmut Sitzler und Pastorin Kerstin Offermann. Ein festlicher Moment.

„Wir gehen mit euch zurück zu den Ursprüngen der Kirche“, ruft Offermann den neuen Lektor*innen zu. „Gottesdienste zu feiern war von Anfang an Aufgabe der Gemeinden. Ihr seid ein Segen für diese Kirche.“

Sechs Menschen stehen nun sichtbar für das, was Kirche trägt: Ehrenamt, Verantwortung, Glauben.

Erika Arndt und Hildegard Denkhaus aus Wetzlar, Annette Swoboda aus Kölschhausen sowie Virginia Busch, Marko Best und Heiko Debus aus Greifenstein/Edingen übernehmen ihren Dienst. Sie werden künftig Gottesdienste vorbereiten und leiten, mit der Gemeinde beten, die Schrift auslegen und predigen. Sie entlasten Pfarrpersonen und stärken zugleich das geistliche Leben vor Ort.

„Mensch, wo bist du?“

In seiner Predigt greift Superintendent Sitzler die uralte Frage aus 1. Mose 3 auf: „Mensch, wo bist du?“

Es ist die Frage Gottes an Adam und sie hallt bis heute durch die Geschichte.

Vielleicht ist dieser Sonntag auch eine Antwort. Sechs Menschen treten hervor und sagen:
Hier bin ich.

Bereit, Verantwortung zu übernehmen.
Bereit, Gottes Wort Raum zu geben.
Bereit, Gemeinde zu sammeln.

Gemeinsam weitergehen

Ein halbes Jahr lang haben sie Liturgie eingeübt, Bibeltexte ausgelegt, Sprech- und Körperübungen gemacht, erste Gottesdienstelemente übernommen und schließlich eigenständig Gottesdienste gestaltet. Begleitet von Mentor*innen, getragen von der Gemeinschaft.

Die Ausbildung unter der Leitung von Pastorin Kerstin Offermann – für sie der letzte Kurs vor ihrem Wechsel ins Zentrum Verkündigung der EKHN – war mehr als Wissensvermittlung. Sie war geistlicher Weg.

Und dieser Weg geht weiter. Die neuen Lektor*innen wollen sich auch künftig treffen, Erfahrungen teilen und sich gegenseitig stärken.

Draußen mag noch Nebel liegen. Doch in der Schlosskirche von Greifenstein ist an diesem Sonntagnachmittag spürbar:

Kirche lebt.
Glaube wächst.
Und Gottes Frage findet Antwort.

Wir wünschen allen Lektor*innen Gottes reichen Segen für ihren Dienst.

Sie wollen auch Ihre Gemeinde unterstützen und haben Interesse an einer Lektor*innenausbildung? Dann finden Sie hier alle Infos dazu: Lektorinnen und Lektoren – Evangelischer Kirchenkreis an Lahn und Dill

JCK

FOTO: Jan-Christopher Krämer

Die neuen Lektor*innen wurden am 22. Februar in der Schlosskirche in Greifenstein eingeführt: (v. l.) Annette Swoboda, Superintendent Dr. Hartmut Sitzler, Virginia Busch, Heiko Debus, Erika Arndt, Hildegard Denkhaus, Marko Best und Pastorin Kerstin Offermann.