Zur Bedeutung des Reformationstages:

Was hat die Reformation den Menschen heute noch zu sagen? Die rheinische Kirche, der auch der Evangelische Kirchenkreis an Lahn und Dill angehört, hat es anlässlich des 500. Reformationsjubiläums 2017 in das Motto „vergnügt, erlöst, befreit“, in Anlehnung an ein Psalmgedicht von Hanns Dieter Hüsch (1925-2005), gefasst. Dieses Leitwort drückt ein Lebensgefühl von Leichtigkeit und Unbeschwertheit aus, das entsteht, wenn sich ein Mensch im Glauben von Gott bedingungslos geliebt und aufgefangen weiß. Christinnen und Christen werden damit frei, anderen von dieser Erfahrung zu erzählen und sich ihnen im Sinne der Nächstenliebe zuzuwenden.

Der Beginn der Reformation jährt sich an diesem 31. Oktober zum 505. Mal. Er war ein bedeutender Einschnitt in das religiöse und das gesellschaftspolitische Leben der damaligen Zeit. Der Mönch und Theologieprofessor Martin Luther (1483 – 1546) hat im Jahr 1517 der Überlieferung nach 95 Thesen zum Ablasshandel an die Schlosskirche in Wittenberg geschlagen. Mit der Veröffentlichung der Thesen, mit der Luther Missständen in der katholischen Kirche entgegenwirken wollte, kam es zu einer Erneuerungsbewegung, die schließlich zur Entstehung der evangelischen Kirche führte. Zum verbindlichen Reformationsgedenktag wurde der 31. Oktober im Jahr 1667, als Kurfürst Johann Georg II. von Sachsen ihn als Gedächtnistermin für alle Protestanten festschrieb.

Luther stellte den Glauben, der allein auf Gottes Gnade vertraut und Christus als die Mitte der Heiligen Schrift ins Zentrum der theologischen Auseinandersetzungen. Weiterhin übersetzte er die Bibel ins Deutsche, um ihre Inhalte allen Menschen im Land verständlich und zugänglich zu machen.

Zu den prominenten Theologen, die die Reformation verbreiteten, gehörten weiterhin Ulrich Zwingli (1484-1531) und Johannes Calvin (1509-1564), die die Grundlage für die reformierte Kirche legten, Philipp Melanchthon (1497-1560), Martin Bucer (1491-1551), aber auch Frauen wie Katharina von Bora (1499-1552), Argula von Grumbach (1492-1554) und Elisabeth von Calenberg (1510-1558).

In den evangelischen Kirchengemeinden der Region an Lahn und Dill wird der Reformationstag, der in diesem Jahr auf einen Montag fällt, mit Gottesdiensten und besonderen Aktionen begangen. So hat der Wetzlarer Pfarrer Dr. Siegfried Meier wieder zur Feder gegriffen und ein Theaterstück verfasst, das er gemeinsam mit Tobias Gisse anlässlich des Reformationstages aufführen wird. Die Gottesdienstbesucher am Sonntag, 30. Oktober, um 10.30 Uhr im Evangelischen Gemeindezentrum Dalheim (Berliner Ring 4) und am Montag, 31. Oktober, um 18   Uhr in der Wetzlarer Hospitalkirche (Langgasse 3) können jetzt schon neugierig sein auf die Umstände zu Luthers Übersetzung des Neuen Testaments auf der Wartburg und darauf, durch welche Turbulenzen es zu Luthers legendären „Invocavit-Predigten“ kam. (Da es aufgrund der Energiekrise zu Änderungen im Gottesdienstplan kommen kann, gibt es aktuelle Informationen auf www.evangelisch-in-wetzlar.de )

Die Videobotschaft von Superintendent Dr. Hartmut Sitzler wird am Reformationstag auf der kreiskirchlichen Homepage zu finden sein: www.evangelisch-an-lahn-und-dill.de

bkl

Der Reformator Martin Luther löste eine Erneuerungsbewegung aus, die zur Entstehung der evangelischen Kirche führte.