Ein ausverkauftes Konzert ist es nicht, denn der Eintritt ist frei. 300 Besucher sind in die Hospitalkirche gekommen, um den Chor „Gospel +“ der Evangelischen Kirchengemeinde Wetzlar zu hören. Chorleiter Jochen Stankewitz (Hüttenberg) begrüßt auch das CB Jazz Trio mit Hartmut Reyl (Klavier), Rolf Steubing (Kontrabass) und Alexander Hock (Schlagzeug). Dabei erklärt er, dass die Abkürzung „CB“ für die Clemens-Brentano-Europaschule Lollar steht, an der alle drei entweder Lehrer waren oder noch sind. Seit Jahren gelten die Jazz-Musiker und der Chor als eingespieltes Team, denn sie haben schon oft zusammen Konzerte gegeben. Der Chorleiter weist darauf hin, dass es „Gospel +“ mit 50 Sängerinnen und Sängern seit 15 Jahren gibt. Im März 2011 hatte Stankewitz den Chor an der Kreuzkirche gegründet. Der Name „Gospel +“ soll erklären, dass der Chor nicht nur amerikanische Gospels und Spirituals präsentiert, sondern auch geistliche Lieder etwa aus dem Popbereich im Repertoire hat. Das haben die Besucher in der Hospitalkirche bei dem zweistündigen Auftritt genießen können.
Mit „Walk on the water“ und „O freedom“ startete der Chor seine musikalische Reise und ernten dabei reichlich Applaus. Doch auch die Instrumentalisten zeigen in Solostücken ihr Können an den Tasten, den Saiten und dem Schlagzeug.
Wohltuend ist die Tatsache, dass Stankewitz die Besucher während des Konzertes sozusagen an die Hand nimmt und immer wieder erklärt, welche Lieder anschließend zu hören sind. Etwa bei dem Popsong „I lift my eyes to Heaven“ (deutsch: Ich hebe meine Augen auf zu den Bergen) aus Psalm 121, das von dem Komponisten Carter Larsen vertont wurde.
Bei „Sometimes I Feel Like a Motherless Child“ erweist sich Stankewitz als stimmfester Solist.
Mit dem irischen Segenslied „May the road rise to meet you“ (Möge die Straße uns zusammenführen) verabschiedet der Chor sein Publikum. Zuvor geht Pfarrer Siegfried Meier auf den Zweck des Benefizkonzertes ein. Die Spenden des Nachmittags von 2.900 Euro sind bestimmt für die Sanierung der Hospitalkirche, denn das Dach ist undicht. Die Kosten beziffert Meier auf 1,6 bis 1,7 Millionen Euro. Die Ausführung wird wohl frühestens 2028 beginnen. Aus Rücklagen können etwa 800.000 Euro gedeckt werden. Die Kirchengemeinde hofft auf Zuschüsse der Denkmalpflege. Zudem engagiert sich der Förderverein der Hospitalkirche, der bislang 50.000 Euro gesammelt hat.
Anlässlich des 250-jährigen Jubiläums der Hospitalkirche im Jahr 2014 erhielt das Gebäude einen neuen Außenanstrich. Ende 2024 platzen mehrere Quadratmeter des Außenputzes ab. Um eine Gefahr für Besucher und Passanten auszuschließen hat die Kirchengemeinde im Frühjahr bereits erste Arbeiten am Putz sowie am Dach ausführen lassen.
Bei einer Hubsteiger-Befahrung wurden weitere Schäden im Traufbereich, also dem unteren Dachbereich, festgestellt. Eindringendes Wasser hat dazu geführt, dass im Dach bereits Holzteile stark verfault sind. Die Gutachter kommen zu dem Schluss, dass bei der Dachsanierung in den 90er Jahren die Schieferplatten nicht vorschriftsmäßig angebracht wurden. Zudem hat das Dach im Traufbereich eine zu geringe Neigung. Das Kirchengebäude im Rokoko-Stil, in den Jahren 1762 bis 1764 errichtet, war zunächst in städtischem Eigentum. Vor mehreren Jahren hat die Kirchengemeinde das als hessisches Kulturdenkmal geschützte Gebäude übernommen.
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