Nach vielen Jahren im Dienst der Kirche verabschiedet sich Pastorin Birgit Meier in den Ruhestand. Ob in der Klinik, im Hospiz, in Pflegeeinrichtungen oder in Kirchengemeinden – stets stand für sie die Begegnung mit den Menschen im Mittelpunkt. Am Samstag, 31. Oktober 2026, wird sie um 18 Uhr in einem Gottesdienst in der Hospitalkirche in Wetzlar verabschiedet.
Von Bielefeld über Erlangen nach Wetzlar
Geboren wurde Birgit Meier in Bielefeld – jener Stadt, die es einer bekannten scherzhaften Verschwörungstheorie zufolge gar nicht gibt. Aufgewachsen ist sie allerdings in Eltville am Rhein. Nach dem Abitur und ersten beruflichen Erfahrungen begann sie 1982 ihr Studium der Evangelischen Theologie an der Universität Mainz.
Dort lernte sie auch ihren späteren Ehemann Siegfried kennen. Gemeinsam wechselten beide 1985 an die Universität Erlangen, wo Birgit Meier ihr Studium 1988 abschloss. Besonders prägend waren für sie die Vorlesungen und Seminare von Professor Manfred Seitz.
Mit ihrer Heirat und dem Beginn des Vikariats im Oktober 1988 wechselte sie von der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) in die Evangelische Kirche im Rheinland (EKiR). Ihre praktische Ausbildung absolvierte sie bei Pfarrer Ullrich Lorenz in der früher selbstständigen Domgemeinde Wetzlar. Damit begann ihre enge Verbindung zur kirchlichen Arbeit in der Region.
Familienleben und lebendige Gemeindearbeit
Mit der Geburt ihrer drei Kinder rückte zunächst die Familie in den Mittelpunkt ihres Lebens. Gleichzeitig blieb Birgit Meier dem kirchlichen Leben eng verbunden.
In der Evangelischen Kirchengemeinde Wetzlar-Garbenheim, in der ihr Mann Siegfried 17 Jahre lang als Pfarrer tätig war, engagierte sie sich ehrenamtlich in zahlreichen Bereichen. Ob beim Frauenfrühstück, im Hauskreis, bei der Gestaltung des „Gottesdienstes mal anders“ oder bei der Organisation von Basaren – Birgit Meier brachte sich mit ihren Ideen und ihrer Zeit in das Gemeindeleben ein.
Seelsorge dort, wo Menschen Beistand brauchen
Im Juni 2005 übernahm die Pastorin die Klinikseelsorge in der damaligen Lungenfachklinik „Waldhof Elgershausen“ in Greifenstein. 15 Jahre lang, bis zum Umzug der Pneumologie in das Evangelische Krankenhaus Gießen im Februar 2020, begleitete sie dort Patientinnen und Patienten sowie deren Angehörige.
Gerade in Zeiten schwerer Erkrankungen gewinnen Gespräche, persönliche Zuwendung und das Gefühl, nicht allein zu sein, eine besondere Bedeutung. Die Klinikseelsorge bietet dafür einen geschützten Raum. Zu Meiers Aufgaben gehörten neben persönlichen Gesprächen auch regelmäßige Gottesdienste in der Klinikkapelle. Mit einer Weiterbildung in Palliative Care vertiefte sie ihre Kenntnisse in der Begleitung schwerkranker und sterbender Menschen.
„In der Seelsorge geht es nicht darum, auf alles eine Antwort zu haben. Manchmal ist es viel wichtiger, einfach da zu sein, zuzuhören und gemeinsam auszuhalten, was schwer ist“, beschreibt Birgit Meier ihre Haltung zur Seelsorge.
Seit 2012 ist die Pastorin außerdem als Seelsorgerin im stationären Hospiz „Haus Emmaus“ in Wetzlar tätig. Dort begleitet sie Menschen in ihrer letzten Lebensphase und steht auch ihren Angehörigen zur Seite. Es ist eine Aufgabe, die Einfühlungsvermögen, Geduld und die Bereitschaft verlangt, auch schwierige Fragen und schmerzhafte Erfahrungen auszuhalten.
Seit 2014 engagiert sie sich zudem in der Seelsorge bei der Königsberger Diakonie. Mit regelmäßigen Gottesdiensten im Kirchsaal, auf dem Altenberg und in verschiedenen Pflegeeinrichtungen bietet sie den Menschen Raum, ihren Glauben zu leben und Gemeinschaft zu erfahren.
„Ich durfte in all den Jahren vielen Menschen begegnen, die mir ihr Vertrauen geschenkt haben. Jede Begegnung war anders. Und oft habe ich selbst aus diesen Gesprächen etwas für mein Leben mitgenommen“, blickt Meier dankbar zurück.
Ein Bibelvers als Begleiter durch das Leben
Ein biblisches Wort begleitet Birgit Meier bereits seit ihrer Jugend. Ihr Konfirmationsspruch aus Psalm 73,28 lautet: „Aber das ist meine Freude, dass ich mich zu Gott halte.“
Was zunächst als persönlicher Glaubenssatz über ihrem Leben stand, gewann im Laufe der Jahre eine tiefere Bedeutung. Besonders der weitere Verlauf des Psalmverses wurde ihr zunehmend wichtig. Der abschließende Gedanke „… dass ich verkündige alle dein Tun“ entwickelte sich für sie zu einem Leitmotiv ihres kirchlichen Dienstes.
Damit verbindet sich für Birgit Meier eine Haltung, die ihre Arbeit über viele Jahre geprägt hat: den eigenen Glauben nicht nur für sich zu bewahren, sondern ihn im Leben und in der Begegnung mit anderen Menschen erfahrbar werden zu lassen. Gerade in der Seelsorge, wo Worte manchmal fehlen und das Zuhören wichtiger ist als jede Erklärung, konnte diese Haltung Gestalt gewinnen.
Dass der gesamte Psalmvers nun auch über der Einladung zu ihrem Verabschiedungsgottesdienst steht, schließt einen besonderen Kreis: Ein Wort, das sie bei ihrer Konfirmation erhielt, begleitet sie bis zum Ende ihres aktiven Dienstes und darüber hinaus.
Ehrenamtliche stärken und Seelsorge weitertragen
Seit 2024 ist Birgit Meier beim Evangelischen Kirchenkreis an Lahn und Dill angestellt. Zu ihren Aufgaben gehören die Seelsorge im Hospiz sowie die Ausbildung und Begleitung ehrenamtlicher Seelsorgerinnen und Seelsorger.
Damit rückte neben der unmittelbaren Begleitung von Menschen auch die Weitergabe seelsorglicher Erfahrungen und Kompetenzen in den Mittelpunkt ihrer Arbeit. Denn Seelsorge lebt nicht allein von hauptamtlichen Kräften. Auch Ehrenamtliche schenken Menschen Zeit, hören zu und begleiten sie in herausfordernden Lebenssituationen.
Ab 2025 übernahm Birgit Meier zusätzlich Gottesdienst- und Kasualvertretungen im Kirchenkreis. So blieb sie auch in den Kirchengemeinden präsent und gestaltete das kirchliche Leben an unterschiedlichen Orten mit.
Dankbarer Rückblick und Vorfreude auf den Ruhestand
Mit dem Eintritt in den Ruhestand endet für Birgit Meier ein langer Abschnitt ihres beruflichen Wirkens. Was bleibt, sind zahlreiche Begegnungen, Gespräche und gemeinsam gestaltete Gottesdienste. Ihr Dienst führte sie immer wieder dorthin, wo Menschen Zuspruch, Orientierung und ein offenes Ohr brauchen.
„Ich blicke mit großer Dankbarkeit auf die vergangenen Jahre zurück. Jetzt freue ich mich darauf, mehr Zeit für meine Familie, den Garten, gute Bücher und all die Dinge zu haben, die im Alltag manchmal zu kurz gekommen sind“, sagt Meier mit Blick auf ihren neuen Lebensabschnitt.
Am Samstag, 31. Oktober 2026, um 18 Uhr wird Pastorin Birgit Meier in einem Gottesdienst in der Hospitalkirche in Wetzlar in den Ruhestand verabschiedet. Der Gottesdienst bietet Gelegenheit, auf ihr langjähriges Wirken zurückzublicken, für ihren Dienst zu danken und ihr Gottes Segen für den neuen Lebensabschnitt mit auf den Weg zu geben. Alle, die Birgit Meier auf ihrem Weg begleitet haben oder sich ihr verbunden fühlen, sind herzlich eingeladen.
„Mit ihrer einfühlsamen und zugewandten Art hat Birgit Meier über viele Jahre Menschen in ganz unterschiedlichen Lebenssituationen begleitet. Gerade dort, wo Menschen Trost, Hoffnung und ein offenes Ohr brauchen, hat sie ihren Dienst mit großem Engagement und viel Menschlichkeit ausgefüllt. Dafür sind wir ihr sehr dankbar. Für ihren Ruhestand wünschen wir ihr von Herzen Gottes Segen, Gesundheit und viele erfüllende Momente mit ihrer Familie“, sagt Superintendent Hartmut Sitzler.
JCK
FOTO: Uta Barnikol-Lübeck