„Ein jeder braucht sein Brot, sein Wein,

Und Frieden ohne Furcht soll sein.

Pflugscharen schmelzt aus Gewehren und Kanonen,

Dass wir im Frieden zusammen wohnen.“ (Jes. 2,4)

„Hoffnung schaffen ist harte Arbeit.“

Mit Lied und Begleitung auf einem Saxophon eröffnete Susan Crane ihren Vortrag. Die 82-jährige Frau besuchte Wetzlar auf einer Rundreise durch Deutschland und die Niederlande. Organisiert wird die Reise von Mitgliedern und Freunden der Catholic Worker. Dies ist eine internationale Bewegung.  Sie wurde 1933 von Dorothy Day und Peter Maurin in den USA gegründet. Sie organisieren Suppenküchen und teilen das Leben mit in Armut gefangenen Personen. Gleichzeitig leisten sie Widerstand gegen staatliches Unrecht. Frau Crane lebt in einem Catholic Worker-Haus in Kalifornien. Sie ist Lehrerin und Friedensaktivistin. Als ihre Kinder aus dem Haus waren, hat sie für ihren Widerstand gegen Atomwaffen auch Gefängnisstrafen auf sich genommen.

„Massenvernichtungswaffen sind illegal.“

Sie stehen im Widerspruch zu internationalem Recht, da sie Kombattanten wie Zivilisten töten und unumkehrbar Umwelt-Katastrophen nach sich ziehen. Riesige Investitionen ihres Landes in Rüstung mag Frau Crane nicht tolerieren. Sie gehen zu lasten der armen Menschen. Um Missstände anzugreifen, braucht es Mut, Phantasie und Gemeinschaftsgeist. Daran mitzuwirken macht ihr Freude.

Zeichen des Widerspruchs setzen!

In sogenannten Pflugschar-Aktionen versuchen engagierte Laien und Ordensleute, über das Unrecht von Massenvernichtungswaffen aufzuklären und vor Gericht eine Entscheidung darüber herbei zu führen. Frau Crane berichtete von einer solchen Aktion. Mit einem Jesuiten sind sie in Arbeitskleidern in ein Werk von Lockheed Martin hineingegangen. LM ist der größte Rüstungskonzern in den USA. Dort werden die Trident-Raketen produziert und zusammengesetzt, um später  auf U-Booten installiert zu werden. Diese sind vom Radar nicht zu orten und darum ist diese Waffe äußerst bedrohlich. Mit Hämmern haben die beiden ein Raketenteil beschädigt, mit eigenem Blut bespritzt und auf ihre Verhaftung gewartet.

„Liebe deine Nächsten und bringe sie nicht um.“

Bei allen Aktionen geht es immer darum, das Gewissen von Menschen zu berühren. Viele der Angestellten in den Werken erkennen nicht die Tragweite ihrer Arbeit. Sie sehen das Teil, das sie bearbeiten und nicht das Endprodukt. Ebenso Richter. Sie sprechen Urteile über Hausfriedensbruch und Sachbeschädigung aber für Fragen von internationalem Recht stellen sie sich taub.

Als Frau Crane FriedensaktivistInnen aus Europa kennen lernte, folgte sie deren Einladung in die Eifel. Im Fliegerhorst Büchel der Bundeswehr lagern amerikanische Atombomben. Während die Bundesrepublik sich verpflichtet hat, keine Atomwaffen zu besitzen, sorgt die Bundeswehr für sie unter dem Aspekt nuklearer Teilhabe. Bei einer Aktion gingen AktivistInnen in das verbotene Gelände und legten Brot auf die Flügel der Kampfjets. „Brot statt Bomben“ nannten sie die Aktion. Der Kommandeur ließ sich auf ein Gespräch ein. Susan Crane wurde für sechs solcher Aktionen in zweiter Instanz vom Gericht in Koblenz zu 230 Tagessätzen verurteilt. Die Geldstrafe leistete sie ersatzweise in Gefängnissen ab, davon die meiste Zeit im offenen Vollzug in Koblenz. In dieser Zeit gewann sie wertvolle Kontakte in den evangelischen Kirchenkreis.

FriedensaktivistInnen verlassen ihre Komfortzone

Auf die Frage, wie sie die Aufenthalte in den Gefängnissen empfunden hat, antwortete Susan Crane. „Es ist wie ein Kelch, gefüllt mit Schmerz und Freude“.

 

Ernst von der Recke

 

FOTO: v. d. R.

FOTO 1: Susan Crane besuchte auf ihrer Rundreise Wetzlar.

FOTO 2: Ein Plakat von Jürgen Hossbach.

FOTO 3: Der Vorsitzende des Arbeitskreis „Frieden“ Ernst von der Recke (links) eröffnete den Abend mit einer Begrüßung.