Am 25. Februar versammelte sich die ökumenische Notfallseelsorge im Lahn-Dill-Kreis zu ihrem Jahresgottesdienst in der Marienkirche in Bischoffen-Niederweidbach. Neben den ehrenamtlichen Seelsorgerinnen und Seelsorgern kamen zahlreiche Vertreter*innen der sogenannten „Blaulicht-Gemeinde“ zusammen: Polizei, Feuerwehr, THW und Rettungsdienste feierten gemeinsam, verbunden durch ihren Dienst am Menschen in Extremsituationen.
Ein Licht in der Dunkelheit
Zum Auftakt entzündete Koordinator Christian Reifert die Kerze der Notfallseelsorge. Ihr Leitwort: „Gottes Licht in dunklen Stunden“. Ein starkes Zeichen für eine Aufgabe, die dort beginnt, wo Worte fehlen, nach Unfällen, plötzlichen Todesfällen, in Momenten tiefster Verzweiflung.
Andree Best, Dekan des Dekanats an der Dill, las Psalm 77. Ein Psalm, der Klage und Hoffnung miteinander ringend verbindet. Die Schriftlesung übernahm Christoph Schaaf, Assessor des Kirchenkreises an Lahn und Dill, mit der Erzählung von der Stillung des Sturms: Mitten im Chaos spricht Christus sein befreiendes Wort: „Fürchtet euch nicht.“
„Seht, ich mache alles neu“
In seiner Predigt zur Jahreslosung 2026 – „Seht, ich mache alles neu“ – griff Andreas Friedrich, Dekan des Dekanats Biedenkopf-Gladenbach, das Spannungsfeld zwischen Hoffnung und Realität auf.
„Neu“ klingt verheißungsvoll. Doch gerade in der Welt der Notfallseelsorge sind „brandneue Nachrichten“ selten gute Nachrichten. Hinter jedem Alarm stehen Verletzte. Hinter jedem Einsatz Angehörige, deren Schmerz kaum auszuhalten ist. Wie soll für sie je wieder Licht werden?
Und doch gilt die Zusage Gottes: Er macht alles neu. Diese Verheißung trägt weiter als das Hier und Jetzt. Sie öffnet einen Horizont über das Leid hinaus. Eine Perspektive, in der Tränen nicht das letzte Wort haben. Der Gedanke an „No more tears in heaven“, bekannt aus Tears in Heaven von Eric Clapton, klang an: In Gottes Reich wird kein Schmerz und keine Träne mehr sein. Eine Hoffnung, die stärkt, gerade im Angesicht des Unfassbaren.
15 neue Notfallseelsorgerinnen und Notfallseelsorger eingesegnet
Ein Höhepunkt war die Einsegnung von 15 neuen Notfallseelsorger*innen. Hinter ihnen liegen 120 Stunden intensiver Ausbildung. Nun wurden sie unter Gottes Segen gestellt, bereit, Menschen in ihren schwersten Stunden beizustehen. Der Applaus in der vollbesetzten Kirche war lang und herzlich. Er galt ihrem Mut, ihrer Bereitschaft und ihrem Engagement.
Für Ihren Dienst in der Notfallseelsorge wurden unter Gottes Segen gestellt:
Anne-Katrin Hilk (Herborn)
Hans-Peter Ermert (Herborn-Schönbach)
Elisabeth Gabriel (Herborn Amdorf)
Kim Sarah Diebel (Dillenburg)
Cornelia Schmidt (Siegbach-Eisemroth)
Sara Madeleine Diehl (Herborn)
Christof Ellinghaus (Dillenburg)
Marc-Philipp Spähr (Haiger)
Anja M. Gräf (Dietzhölztal)
Marc Pannier (Aßlar)
Christine Becker (Lahnau)
Frederik Happ (Wetzlar)
Klaus Kobler (Schöffengrund)
Susanne Rückert-Kobler (Schöffengrund)
Cornelia Brück (Braunfels)
Neue Leitungsebene stärkt die Struktur
Auch strukturell geht die Notfallseelsorge im Lahn-Dill-Kreis neue Wege: Sieben Ehrenamtliche haben sich zu Gruppenführer*innen weiterqualifiziert und übernehmen künftig Verantwortung auf einer neuen Leitungsebene. Damit stärkt das Team seine Organisation und sichert die Qualität seines Dienstes nachhaltig.
Eingeführt als Gruppenführer*innen wurden: Thomas Gaß, Jelena Wegner, Melanie Meckel, Natalie Depalma, Caroline Dietrich, Herbert Epp, Mirko Häuser (nicht anwesend).
Dank für 25 Jahre treuen Dienst
Für 25 Jahre Engagement wurden Marcus Brenzinger (in Abwesenheit) und Wilfried Höll mit der goldenen Ehrennadel geehrt. Ein Vierteljahrhundert Bereitschaft, Mitgefühl und Verlässlichkeit, ein beeindruckendes Zeichen gelebter Nächstenliebe.
Musik, die trägt
Musikalisch gestaltete Dekanatskantor Katamba Kazaku den Gottesdienst. Mit einfühlsamen Klängen verlieh er der Feier Tiefe und Weite.
Begegnung und Dank im Feuerwehrhaus
Nach dem Gottesdienst klang der Abend bei einem Empfang mit Imbiss im Gerätehaus der Feuerwehr Niederweidbach aus. In der vertrauten Atmosphäre kamen Haupt- und Ehrenamtliche, Einsatzkräfte und Gäste miteinander ins Gespräch. Man tauschte Erfahrungen aus, knüpfte Kontakte und stärkte die Verbundenheit zwischen Seelsorge und Rettungsdiensten.
Der Jahresgottesdienst machte deutlich: Notfallseelsorge ist gelebte Kirche mitten im Leben, dort, wo Menschen Halt brauchen. Und sie bleibt verlässlich an ihrer Seite, getragen von der Zusage: Gottes Licht leuchtet gerade in dunklen Stunden.
JCK
FOTOS: Jan-Christopher Krämer
FOTO 1: 15 neue Notfallseelsorger*innen wurde in einem feierlichen Gottesdienst unter der Leitung Dekanen Andreas Friedrich (Biedenkopf-Gladenbach) und Andree Best (An der Dill) sowie von Assessor Christoph Schaaf( Kirchenkreis an Lahn und Dill) unter Gottes Segen gestellt.
FOTO 2: Assessor Christoph Schaaf las die Erzählung von der Stillung des Sturms.
FOTO 3: Dekan Andree Best las Psalm 77.
FOTO 4: Dekan Andreas Friedrich predigte zur Jahreslosung 2026: „Sehe, ich mache alles neu.“
FOTO 5: Die neuen Gruppenführer*innen (v .l.): Herbert Epp, Jelena Wegner, Melanie Meckel, Thomas Gaß, Caroline Dietrich, Natalie Depalma mit Koordinator Christian Reifert, nicht im Bild Mirko Häuser.