Zwei mutige Männer retten die Griedelbacher Kirche

Gedenktafel erinnert an Johann Peter Schmidt und Johann Philipp Bangel:

Es war die Nacht vom 11. auf den 12. Juli 1802, als zwischen 23 und 24 Uhr in der Scheune der Witwe des Johannes Stahl in Griedelbach ein verheerendes Feuer ausbrach. Von Strohdach zu Strohdach verbreitete es sich rasch durch den ganzen Ort. Bis auf neun Hofreiten sei alles in Asche gelegt worden, heißt es in einer Meldung von Hofrat Hüffell.  Auch der Kirchturm hatte Feuer gefangen, obwohl das Gebäude durch den umliegenden Kirchhof zunächst noch geschützt war. Dem tatkräftigen Einsatz zweier Männer, Johann Peter Schmidt aus Oberwetz und Johann Philipp Bangel aus Kraftsolms ist es zu verdanken, dass hier kein größerer Schaden entstand und das Gotteshaus gerettet werden konnte. „Die beiden haben oben im vom Funkenflug entzündeten Turm gelöscht und zum Teil brennende Holzteile hinuntergeworfen“, erklärt Gemeindepfarrer Dr. Hartmut Sitzler.
Oberwetz und Griedelbach bildeten damals eine Kirchengemeinde.

Der Seelsorger vermutet, dass die Gedenktafel, die an das Geschehen erinnert, in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts angefertigt wurde. Diese Tafel, sagt Pfarrer Sitzler, sei wohl früher außen zum Kirchhof hin angebracht gewesen und erst später in den Innenraum der Kirche gekommen: „Vermutlich, als auch der Friedhof auf dem Kirchhof aufgelöst wurde.“ Heute hat die Erinnerungstafel ihren Platz an der Wand zwischen Emporentreppe und Sakristei. Die Inschrift ist aufgrund der farblichen Struktur des Steins, in den sie eingefügt ist, nur schwer zu entziffern:

„Ich nenne der Nachwelt zwei ädle Männer Johann Peter Schmidt zu Oberwetz und Johann Philipp Bangel zu Kraftsolms welche bei dem fürchterlichen Brand zu Griedelbach vom 11. Bis 12. Juli 1802 das Feuer in der Turmspitze mit Gefahr des Lebens löschten und dieses Gotteshaus rettetenn.“

Die Innengestaltung der Kirche ist reformiert und damit schlicht gehalten: Keine Bilder, kein Kreuz, kein Altar. Die Gemeinde stellt sich beim Abendmahl rund um den sogenannten „Abendmahlstisch“ und nicht davor, wie in lutherisch geprägten Kirchen. Der Abendmahlstisch, auf dem die Bibel liegt, ist aus Lahnmarmor gefertigt.

Die Kirche, ein romanischer Bau, ist das älteste Gebäude im Dorf und der Turm wiederum älter als das später angebaute Kirchenschiff. Dies belegt eine der Schießscharten des ursprünglichen Wehrturms, die in das Innere des Speichers weist, also nachträglich zugebaut wurde. 1718 wurde die Turmuhr eingebaut. Eine der drei Glocken trägt die Jahreszahl 1494, eine andere die Zahl 1663. 1959 wurde eine neue Glocke ihrer Bestimmung übergeben, denn die Vorgängerin war im Krieg eingeschmolzen worden.

bkl

Bild 1: Eine Gedenktafel, die im Innenraum der Kirche in die Wand eingelassen ist, erinnert an die mutige Tat von Johann Peter Schmidt und Johann Philipp Bangel, die bei der Brandkatastrophe 1802 die Griedelbacher Kirche retteten.

Bild 2: Die schlichte Innengestaltung der Kirche in Griedelbach entspricht dem reformierten Stil.

Bild 3: Die Griedelbacher Kirche, ein romanischer Bau, ist das älteste Gebäude im Dorf.