Wetzlarerin trifft Nobelpreisträger

Eigentlich wollte die TIKATOvorsitzende Heidi  Janina Stiewink in den Norden nach Yako zum inzwischen weltberühmten Bauern Yacouba Sawadogo reisen und hatte dies schon seit Oktober vorbereitet.  Sawadogo hatte im November 2018 den Alternativen Nobelpreis erhalten. Seit schon 45 Jahren hat er „die Wüste zum Grünen gebracht“, sprich: durch eine besondere Technik, einer  besonderen Saatmethode unter Benutzung von Kompost mit Tierdung, Blättern und Samen in kreisrunde Pflanzlöcher (Zaimethode). Durch die fühlen sich Termiten angeregt und sie graben Gänge, in denen das Wasser besser versickern kann. Dadurch hat er ein ganzes Wüstengebiet aufgeforstet; in 2018 hatte der Niederländer Christ Reis ihn beim Nobelkomitee  mit Erfolg vorgeschlagen.

Doch aus der Reise gen Yako wurde nichts: Die Wüstenstadt Richtung Mali liegt in der „Roten Sicherheitszone“, in der die auswärtigen Terroristen immer mehr ihr Unwesen treiben und immer wieder Menschen zu Tode kommen. Vor allem Weiße sind wegen Entführungen gefährdet.

So setzte sich noch am letzten Tag des vierwöchigen Aufenthalts der Wetzlarerin der 76 Jährige  in ein „ Buschtaxi“ (voll gepferchter Kleinbus) mit einem jungen Begleiter und für insgesamt 280 Kilometer, um zu sehen, „warum denn die Weiße aus Deutschland so an mir interessiert ist“. Es wurde zu einer sehr dichten, berührenden und respektvollen Begegnung. Bescheiden erzählte der zu der Ethnie  der Mossi gehörende Bauer von seiner einfachen, aber sehr wirksamen Methode, die Wüstenregion zum Leben zu erwecken. Viele Menschen auch aus anderen Ländern kamen und staunten, exportierten die Methode. Aber es gab auch Neid und Missgunst in den eigenen Reihen und so sah sich der Burkinabé an einem Morgen plötzlich einem Brand gegenüber. Große Teile seiner Pflanzung waren vernichtet worden.

„ Kommunale Politiker interessierten sich nicht viel für mich“, berichtet der Mann, der Bescheidenheit,  Respekt und Würde gleichermaßen ausstrahlt. Im Gegenteil. Ein Onkel verkaufte ohne sein Wissen einen Teil seines Terrains.  „Das Gebiet, auf dem die Gräber meiner Väter stehen, nahm man mir weg .Und da, wo der Brunnen gegraben ist und uns ernährt, setzte man einfach einen anderen, jüngeren hin. Der Grundwasserspiegel ist durch meine Arbeit im ganzen Gebiet gestiegen, das zieht neue Bewohner an; die Methode wird in Mali und im Niger angewandt….aber ich habe kein Haus und muss unter schwierigsten Bedingungen mit dem Moped in weit entfernte Gegenden fahren , um die Methoden bekannt zu machen“, bedauert er, der nie Honorar erhielt

Das Preisgeld von 96.000 Euro wird dem Projekt zugute kommen und ein kleines Häuschen, ein kleines Auto, Pflanzmittel, Brunnenbau-Materialien und anderes zur Aufforstung beinhalten. Yacouba berichtete  in drei Kontinenten von seiner Methode, war zu Gast bei Präsident Obama und in Bonn zu einer Internationalen Konferenz. Und nun hofft er darauf, dass diese Zeilen vielleicht auch das Nobelkomitee liest und das Geld  endlich auf den Weg schickt. Derweil freut er sich aber über eine im Strickkreis der Wetzlarer Gnadenkirche gestrickte Mütze „ gegen meine kalten Ohren in den frühen Morgenstunden und in der Nacht.“ Spricht `s, setzt sie auf und freut sich wie ein König. Der Wüstenkönig eben aus Burkina Faso.

sti / Fotos: ODE

Bild 1:  Der Bauer Yacouba Sawadogo aus dem Norden bei Yako kam 140 kilometer per Bus, um im Kirchlichen Haus ODE von Heidi Stiewink aus Wetzlar interviewt zu werden. Dabei v.l. n.r.Benjamin Sawadogo, Direktor Etienne Bazie, Bernadette Kabre, Yacoubas Begleiter akary Sawadogo und Joel Bazie.

Bild 2: Nobelpreisträger Yacouba Sawadogo erhielt was Warmes für die Ohren aus der Gnadenkirche.