Untere Stadtkirche mit Gottesdienst außer Dienst gestellt

Bis Oktober bleibt Kirche am Schillerplatz geschlossen:

Mit einem Gottesdienst zur Außerdienststellung haben sich 100 Christen von der Unteren Stadtkirche verabschiedet. Für die Gemeinde heiße es jetzt loslassen, so Pfarrer Björn Heymer. Allerdings sei die Schließung nicht endgültig, wie etwa in Hamburg, wo 44 Kirchen die Schließung droht. Nur für die Dauer der geplanten Sanierungsarbeiten am Dach könnten keine Gottesdienste, musikalischen Vespern oder Ausstellungen in der ehemaligen Kirche des Franziskanerklosters stattfinden. „Wir verabschieden uns nur auf Zeit“, so Heymer. Dabei erinnerte er mit einem Bibeltext „Wir haben hier keine bleibende Stadt, sondern die zukünftige suchen wir (Hebräerbrief, Kapitel 13, Vers 14) an die Vergänglichkeit und die Zukunftshoffnung der Christen.

Christus sei einst ausgegrenzt worden. Man richtete ihn nicht in der Stadt sondern vor den Stadtmauern auf dem Hügel Golgatha am Kreuz hin. So sei auch vor 800 Jahren das Franziskanerkloster nicht auf der Höhe, etwa am Domplatz, sondern an der anfälligsten Stelle der Stadtbefestigung erbaut worden.
Damals hätten die Wetzlarer in ärmlichen Hütten mit wenig Licht dort gewohnt. Die Kirche aber wurde zu einem hohen Bau mit großen, hellen Fenstern. Das Innengewölbe sei eine Darstellung des Himmels, so der Pfarrer. So wie damals gebe der Glaube an Gott den Menschen Sinn und Hoffnung. Allerdings könne der Kirchenbau nicht alleine den Glauben vermitteln. Dazu brauche es Menschen. Die Kirche erinnere an die Zukunftshoffnung der Christen, denn im Himmel werde Frieden sein.

Bis es so weit ist, wird aber an dem Gotteshaus in den nächsten Monaten viel gearbeitet. Kirchmeister Jens-Michael Wolf erläuterte, dass zunächst die Orgel verpackt werde, um sie vor Schäden durch Staub zu schützen. Ferner werde auf der Seite zum Schillerplatz ein Gerüst aufgebaut und das Dach bis zu einer Höhe von 1,50 Meter abgedeckt. Anschließend werden sich die Dachdecker daran machen, die von Schädlingen befallenen Balken zu entfernen. Sie werden nicht durch neue Holzbalken ersetzt sondern durch alte Eichenbalken, die beim Abbruch alter Häuser gewonnen wurden. Ist die Seite zum Schillerplatz fertig, wird das Gerüst auf die gegenüberliegende Seite zum Ludwig-Erk-Platz / Franziskanerplatz verlegt und der Ersatz der Balken beginnt dort. Bis Oktober, so Wolf, sollten die Arbeiten beendet sein.

Möglich werde die Sanierung durch die hohe Spendenbereitschaft der Bevölkerung. Seit 2010 hat die Evangelischen Kirchengemeinde Wetzlar rund 250.000 Euro gesammelt, etwa die Hälfte der Gesamtkosten. Einen großen Anteil daran hat der Förderverein Untere Stadtkirche unter seinem Vorsitzenden Joachim Eichhorn, der durch Konzerte, Ausstellungen und Sammelaktionen das Vorhaben unterstützt.

lr

Einen Gottesdienst zur Außerdienststellung hat die Evangelische Kirchengemeinde Wetzlar in der Unteren Stadtkirche gefeiert. Bis die Dachsanierung abgeschlossen sind, können keine Veranstaltungen mehr in dem Gotteshaus stattfinden.