Perlen und Bausteine

Simone Pfitzner in Büblingshausen verabschiedet:

Zurück und nach vorn geblickt hat Simone Pfitzner bei ihrer Verabschiedung im Rahmen des Jahresfestes des Kreisverbandes der Frauenhilfe Wetzlar/Braunfels in den Räumen der Gnadenkirche in Wetzlar-Büblingshausen. Die ehemalige Referentin für Frauenarbeit im Evangelischen Kirchenkreis an Lahn und Dill hatte sich dafür etwas Besonderes ausgedacht: „Perlen“ für den Rückblick und „Bausteine“ für die Zukunftsperspektive erhielten die rund 130 Anwesenden, um die Frauenarbeit in der Vergangenheit wertzuschätzen und sich über deren Zukunft Gedanken zu machen.

Denn Simone Pfitzner hat nach fast 20 Jahren in den Kirchenkreisen Braunfels und Wetzlar und seit 1. Januar im Kirchenkreis an Lahn und Dill zum 1. Juni eine neue Stelle als „Referentin für Seelsorge im Alter“ im Kirchenkreis Soest-Arnsberg angetreten. „Tiefgründige und ermutigende Auslegungen“ stand auf einem der Perlenzettel, die an der Wand befestigt wurden, „gute Vernetzung“, „immer neue Themen und Ideen“ oder „Teamwork“. Die Baustein-Papiere waren mit Wendungen beschrieben wie „nicht klein machen oder klein reden“, „die da sind, nicht vertreiben; die kommen wollen, einladen; denen, die fernstehen, eine offene Tür und einen freundlichen Blick schenken“ und dem mehrfach geäußerten Wunsch, die Stelle für Frauenarbeit in vollem Umfang neu zu besetzen.

In ihrer Dialogpredigt mit Pfarrerin Siglinde Gallus (Rechtenbach), der das Gleichnis vom verlorenen Groschen aus dem Lukasevangelium, Kapitel 15 und Verse aus dem 1. Korintherbrief, Kapitel 3, zugrunde lagen, betonten beide Frauen, wie wichtig es sei, sich immer wieder aufzumachen, gemeinsam Neues zu wagen, dabei auch andere Perspektiven in den Blick zu nehmen und sich das eine oder andere Mal auch überraschen zu lassen. Die Frau, die den Groschen suchte, sei ein Vorbild für sie gewesen, sagte Pfitzner, denn diese Frau habe das Kleine, Unscheinbare wertgeschätzt: „Es hat lange gedauert, bis die Frauen im Kirchenkreis es wagten, ihre eigenen Erfahrungen miteinander zu teilen.“ Es sei eine Auszeichnung, zu wissen, dass Gott den Frauen Großes zutraue, knüpfte Gallus an; eine Entlastung, dass in Christus das Fundament gelegt sei und tröstlich, dass Gott selbst am Ende entscheide, was Bestand hat. So gelte es, im Vertrauen auf Gott fröhlich ans Werk zu gehen.

Pfarrer Roland Rust, der leitende Geistliche des Kirchenkreises, verabschiedete Simone Pfitzner auch als kreiskirchliche Gehörlosenseelsorgerin. Im Gottesdienst und auf der Nachfeier, an der auch Gehörlose teilnahmen, dolmetschte Theresia  Möbus aus Bad Endbach. „Wir entlassen dich ungern, aber doch offiziell aus dem Dienst im Kirchenkreis an Lahn und Dill“, sagte Rust, der Simone Pfitzner auch im Namen des Bevollmächtigtenausschusses (BVA) dankte und dabei ihr Wirken im Kirchenkreis mit Engagement in vielen Ausschüssen, auch überregional, sowie als  verlässliche Prädikantin benannte und ihr den Segen zusprach.

Die Grüße des Magistrates der Stadt Wetzlar, aber auch ihren persönlichen Dank überbrachte Bärbel Keiner, die als Behindertenbeauftragte in Verbindung mit der Gehörlosenarbeit Simone Pfitzner kennengelernt hatte. „Sie waren für mich eine kompetente Ansprechpartnerin und Dolmetscherin, auch im übertragenen Sinn“, sagte sie. „Simone hat mit Klarheit die Stimme erhoben, wenn es um Gerechtigkeit ging“, betonte Petra Schneider, Frauenbeauftragte des Lahn-Dill-Kreises, die auch an die gemeinsam organisierte Ausstellung „Einfach Frau sein“ erinnerte. Kirchenrätin Irene Diller von der landeskirchlichen Gender- und Gleichstellungsstelle lobte die strukturierte Arbeit Pfitzners und ihr Engagement in vielen landeskirchlichen Gremien. „Ehrenamt braucht Hauptamt“, erklärte sie, denn Frauenarbeit habe eine wichtige Rolle in Kirche und Gesellschaft. Luise Fuhrländer, ehemalige Kreisverbandsvorsitzende der Frauenhilfe, unterstrich: „Wir zehren von dem, was du aufgebaut und mit Leben gefüllt hast.“

Dagmar Schwarze-Fiedler, die den Frauenausschuss vertrat, sagte, Simone Pfitzner habe „dicke Bretter gebohrt“ und für viele Probleme tragfähige Lösungen gefunden. Gertraud Haas vom Ortsbund der Wetzlarer Gehörlosen lobte die Gottesdienste in der Adventszeit und weitere gemeinsame Aktionen mit den Gehörlosen: „Du warst super und wirst uns fehlen.“

Für die Mitwirkenden im „Musikalisch-Theologischen-Salon“, den Simone Pfitzner initiiert hatte, sprach die ehemalige Kreiskantorin Jasmin Neubauer, die im Gottesdienst auch die Orgel gespielt hatte. Sie überreichte als Zeichen dafür, dass sie gemeinsame Schritte gegangen waren, einen Schrittzähler.

Ein großes Dankeschön für die facettenreiche Arbeit von Simone Pfitzner gab es auch von der Kreisverbandsvorsitzenden Marlene Förster, die ein „Frankfurter Brett“ (Schneidebrett mit Auffangschalen) als Geschenk vieler überreichte: „Wir sind traurig, dass du gehst. Aber wir sind dir nah genug, um uns mit dir zu freuen“, betonte sie. „Wir sind dankbar für die Perlen der vergangenen Jahre und für die Bausteine, mit denen sich viel machen lässt.“

bkl

Bild 1: Viele Frauen, die Simone Pfitzners Weg auf kreiskirchlicher Ebene begleitet hatten, wirkten mit im Gottesdienst, in dem Pfarrer Roland Rust, der leitende Geistliche des Kirchenkreises an Lahn und Dill, die ehemalige Frauenreferentin verabschiedete.

Bild 2: Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Abschiedsfeier wie hier (v.l.) Iris Unger und Ellen Schneider gestalteten „Perlen“ im Blick zurück und „Baustein“ im Blick auf die Zukunft.

Bild 3: Zahlreiche Gäste waren zur Verabschiedungsfeier für Simone Pfitzner gekommen.

Bild 4: Auch Männer waren gekommen, um sich von der ehemaligen Frauenreferentin zu verabschieden.

Bild 5: Gesungen wurde auch bei der Nachfeier.

Bild 6: Stadträtin Bärbel Keiner sprach auch als Behindertenbeauftragte der Stadt Wetzlar.

Bild 7: Eine gute Zusammenarbeit gab es auch mit Petra Schneider, der Frauenbeauftragten des Lahn-Dill-Kreises.

Bild 8: Kirchenrätin Irene Diller kam direkt vom Kirchentag in Dortmund.

Bild 9: Gertraud Haas vom Ortsbund der Gehörlosen Wetzlar freute sich über gemeinsame Aktionen.

Bild 10: Ein „Frankfurter Brett“ hatte sich Simone Pfitzner anlässlich ihrer Verabschiedung gewünscht.