Meditatives Laufen fördert Fitness und Glauben

Pfarrerin Manuela Bünger geht mit Interessierten joggen:

„Lauft mal so unbefangen wie ein Kind.“ Das Kommando gibt Pfarrerin Manuela Bünger. Die hat 18 Interessierte am alten Reitplatz in Waldgirmes im Kreis um sich versammelt. „Nun gehen wir so geschmeidig wie eine Katze“. Vier bis fünf Mal in der Woche geht die Seelsorgerin frühmorgens nach dem Aufstehen Laufen. Jetzt aber hat sie Menschen um sich gesammelt, die sportlich fit werden wollen und sich in das regelmäßige Laufen einüben. Die Pfarrerin der Gemeinden Atzbach und Dorlar hat ein Lauftherapieprogramm entwickelt, das auch meditative Elemente enthält.

„Wir sind gerade in der dritten von insgesamt 12 Wochen unterwegs“, erzählt die Pfarrerin. Zwei Mal pro Woche geht sie mit den Interessierten auf Tour am Waldrand. Die erste halbe Stunde gehört dem Aufwärmprogramm. Von den Füßen über die Beine, Hüften, Rücken, Kopf und Armen führt sie zunächst die Übungen vor und lässt die Männer und Frauen die Bewegungen nachmachen. Dann bringt sie ein Gummiband zum Einsatz. Es wird an den Beinen befestigt und die Akteure bewegen abwechselnd das linke und das rechte Bein nach außen, um die Beweglichkeit zu fördern.

„Ziel ist es, dass die Teilnehmer nach den zwölf Wochen eine halbe Stunde am Stück joggen können“, berichtet Bünger. Jetzt aber geht es nach dem Aufwärmen in kleinen Schritten voran. „Zunächst gehen wir eine Minute und dann joggen wir eine Minute. Mit jedem Treffen wird der Jogging-Anteil gesteigert“.

Zu den Teilnehmern gehört die Wetzlarer Sozialpädagogin Diana Eberwein. „Ich möchte gerne wieder ins Laufen kommen“, erzählt sie, denn sie sei in letzter Zeit etwas bequem geworden. Von dem Kurs hatte sie in dieser Zeitung gelesen und sich angemeldet. Sie habe auch ein berufliches Interesse, denn sie möchte eine Laufgruppe in ihrem Umfeld aufbauen.
Bei jedem Treffen hat Pfarrerin Bünger ein bestimmtes Thema dabei. Dieses Mal geht es um das Atmen. „Über das Atmen denken wir meist nicht nach“, erzählt die im schwarzen Dress erschienene Theologin. Sie gibt den Hobby-Läufern drei Merksätze mit: Erstens, die Aktion ist das Ausatmen. Der Körper holt sich durch Einatmen die nötige Luft von selbst. Zweitens sollte die Atmung nicht nur in den oberen Atemwegen geschehen sondern in den Bauch gehen. Drittens sollte der Läufer durch die Nase atmen. Das schützt vor Fremdkörpern wie Fliegen und an kalten Tagen wird die Atemluft durch die Nase erwärmt. „Wer durch den Mund atmet, zeigt, dass er zu schnell unterwegs ist“, gibt sie einen wichtigen Tipp.

Religionslehrer Pfarrer Udo Ferber aus Blasbach ist froh, dass er gesundheitlich so weit wieder hergestellt ist, dass er an dem Lauftraining mitmachen kann. Noch ist er krank geschrieben und hofft, mit diesem Einstieg seine Gesundheit zu steigern. Früher sei er viel gelaufen. Das möchte er nun wieder erreichen.

Pfarrerin Bünger gibt ihre Ideen nicht nur weiter, weil sie gerne selbst läuft. Sie sieht dieses Programm als eine besondere Art der Gemeindearbeit. „Laufen ist nicht nur für den Körper wertvoll, sondern auch für die Seele“, ist sie überzeugt. „Gemeinde laufend in Bewegung“ nennt sich das Buch, das Bünger geschrieben hat. Darin verwendet sie die Erkenntnisse und Methoden der Lauftherapie nach dem Paderborner Modell und verbindet diese auf kreative Weise mit geistlichen Impulsen. Theoretische Grundlegungen, empirische Analyse und Ergebnisse dieser Bewegungsreise werden in diesem Buch systematisch und anschaulich dargestellt.

Das Training hatte die Pfarrerin in ihrer Fortbildung zur Lauftherapeutin beim Deutschen Lauftherapiezentrum (DLZ) Bad Lippspringe bei Paderborn im Jahr 2014 entwickelt.

Theologisches Fundament des Laufprogramms ist für die Pfarrerin beispielsweise das Geschehen um den Auszug des Volkes Israel aus Ägypten oder die Tatsache, dass Jesus ein Wanderprediger war. „Biblische Geschichten sind Unterwegs-Geschichten“, weiß sie zu berichten. „Ab der siebten Woche haben die Trainingseinheiten einen spirituellen Schwerpunkt“, erzählt sie. So gibt es zum Thema „Du stellst meine Füße auf weiten Raum“ nicht nur ein Fußsensibilisierungsprogramm. Die Teilnehmer setzen sich auch mit dem Inhalt des Bibeltextes aus Psalm 31, Vers 9 auseinander.

Zum Programm gehört auch ein Lastenlauf mit Taschen, in die Steine gefüllt worden sind und die die Läufer zum Schluss an einem Baum niederlegen – als Zeichen für das Ablegen dessen, was die Menschen innerlich bedrückt. Auch einen Pilgerlauf auf dem „Elisabethpfad“ leitet die Pfarrerin an. Der Elisabethpfad war 1994 zwischen Marburg und dem Kloster Altenberg vom Oberhessischen Gebirgs-Verein eingerichtet worden. Bereits im fünften Jahr hat die Pfarrerin zu diesem Lauftraining eingeladen. Er sei die Chance Menschen anders für Gemeinde ansprechen. Die Teilnehmer würden zu einer besonderen Gemeinschaft zusammenwachsen. Das zeigt sich tatsächlich, als vier Teilnehmerinnen aus dem Vorjahr gemeinsam an der Gruppe vorbei laufen.

Wenig später joggt Pfarrerin Bünger mit der aktuellen Gruppe in den Wald. „Bei der Rückkehr haben wir noch ein Programm, um die Muskeln nach dem Lauf wieder zu entspannen“, schildert die Seelsorgerin, der es sichtlich Spaß macht, mit Menschen durch den Sport in Kontakt zu kommen.

lr

Bild 1: Die kirchliche Laufgruppe joggt durch den Wald.

Bild 2: Übungen mit einem Gummiband.

Bild 3: Pfarrerin Manuela Bünger.