Lichtgeschenke

Andacht to go, Dank für Deutsche Einheit und Taufe an Erntedank:

Eines der beliebtesten Feste im Kirchenjahr haben die mehr als 50 evangelischen Kirchengemeinden in der Region an Lahn und Dill am Sonntag gefeiert: das Erntedankfest. Christen danken Gott für die Erntegaben und machen sich bewusst, dass Überfluss und Vielfalt nicht selbstverständlich und Ergebnis eigener Leistung, sondern als Gottes Geschenke anzusehen sind. Aber auch die „Bewahrung der Schöpfung“ und damit Umweltschutz und Entwicklungszusammenarbeit, verbunden mit der Verantwortung, das Geschenkte miteinander zu teilen, damit alle satt werden, gehört zum Inhalt dieses Festes.

Gottesdienste fanden nicht nur in Kirchengebäuden, sondern auch auf Höfen und Kirchenwiesen sowie unterwegs statt. Kirchenmitglieder und Mitarbeitende in den Gemeinden aus allen Generationen wurden im Rahmen der Gottesdienste willkommen geheißen oder mit freundlichen Worten verabschiedet. Dankbar sind die Gemeinden, dass dies, wenn auch im kleineren Rahmen, jetzt wieder möglich ist.

Die Geschichte von der Maus Frederick, die für den Winter statt Körnern und Nüssen Sonnenstrahlen, Farben und Wörter sammelt und damit Träume und Hoffnungen, hatte der evangelische Dompfarrer Björn Heymer in seiner Predigt aufgenommen. Zum Bibeltext aus dem 12. Kapitel des 1. Korintherbriefes machte er die Bedeutung des Teilens der unterschiedlichen Gaben, die Menschen haben, deutlich. „Bei Gott sind wir Beschenkte“, sagte der Theologe und wies damit auch auf den kleinen Jost Pankalla hin, der in diesem Familiengottesdienst getauft wurde.

Eine Erntedankwanderung vom Evangelischen Gemeindehaus in Aßlar ins Bechlinger Tal hatte Pfarrerin Friederike Schuppener initiiert. „Einen Wandergottesdienst gab es bei uns schon vor elf Jahren“, berichtet sie dazu. „Weil derzeit nur 50 bis 55 Menschen in der Aßlarer Kirche sein können und die Gottesdienste immer gut besucht sind, haben wir zum Erntedanktag diesmal zwei Angebote gemacht.“ Eine Gruppe junger und alter Wanderfreunde hat dies gerne in Anspruch genommen, ist mit der Pfarrerin insgesamt rund drei Stunden gewandert und hat dabei eine „Andacht to go“ erlebt. Auf eine Decke mit Kreuz und Kerze wurden dabei mitgebrachtes Obst und Gemüse gelegt. „Draußen in der Natur zu sein, das passt richtig gut zu Erntedank“, sagte eine Teilnehmerin.

Mit Früchten aus Feldern und Gärten der Region hatten Mitglieder des Obst- und Gartenbauvereins den Altarraum der Dillheimer Kirche aufwendig geschmückt. Hier gab es gleich zwei Gottesdienste, denn das Jubiläum „30 Jahre Deutsche Einheit“ am Tag vor dem Erntedanksonntag war für Pfarrer Jürgen Schlingensiepen Anlass, seinen Dank für den Frieden, den Gott dadurch dem Land geschenkt habe, zum Ausdruck zu bringen. „Der Herr hat uns lieb und führt uns mit festen Schritten auf das Licht zu“, sagte er in seiner Predigt zur Tageslosung aus dem Buch Jesaja, Kapitel 9, Vers 1, die auch Besucher aus Sachsen hörten. So gelte es, Gottes Wohltaten zu verkündigen, einander tiefer zu verstehen, einander zu vergeben, Menschen mit anderen Sichtweisen zuzuhören und sich von Gottes Hoffnung beschenken zu lassen.

Dankbar sind Gemeinden auch für das langjährige Bestehen ihrer Kirchengebäude: So erinnerte eine Ausstellung in der Evangelischen Kirche Oberkleen an deren 250-jährige Geschichte. In der Gnadenkirche Büblingshausen wurde das 65-jährige Kirchenjubiläum mit der Pflanzung eines Gingko-Baums sowie das 60-jährige Bestehen des Basars gefeiert. Stadträtin Bärbel Keiner gratulierte für Oberbürgermeister Manfred Wagner mit einer Scheckübergabe.

bkl

Bild 1: Dankbar für die Deutsche Einheit: Die Ehepaare (v.l.) Hans-Jürgen Kunz und Angela Kunz aus Ehringshausen und Gabriele Löschner und Rainer Löschner aus Sachsen kennen sich seit 40 Jahren und können sich seit 30 Jahren gegenseitig besuchen. Jetzt nahmen sie am Erntedankgottesdienst in der Dillheimer Kirche (rechts Pfarrer Jürgen Schlingensiepen und Küster Klaus Delboi) mit dem vom Obst- und Gartenbauverein liebevoll geschmückten Altarraum teil.

Bild 2: Taufe beim Erntedankgottesdienst im Wetzlarer Dom: Dankbar für das großer Geschenk Gottes in ihrer Mitte sind (v.l.): Pfarrer Björn Heymer, Maren Pankalla, Matthias Pankalla mit Jost, Christina Kaiser, Nicole Winterling und Christian Künnemann.

Bild 3: Anlässlich des Jubiläums „65 Jahre Gnadenkirche“ pflanzte Sponsor Michael Becker gemeinsam mit Pfarrer Christian Silbernagel einen Gingko als „Baum der Freundschaft, der Weisheit und der Fruchtbarkeit.“ (Foto sti)