Kirchliche Friedensarbeit in Burkina großer Erfolg-unterstützt von heimischen Spendern

Das Sahelland Burkina Faso ist in Afrika als Land der Versöhnung traditionell bekannt. Durch die Veränderung der Klima- und der Besitzverhältnisse aber hat sich seit einigen Jahren etwas verändert. Bauern fürchten noch mehr um ihre Felder wegen durchziehender Herden; die Viehzüchter müssen sich neue Nahrungsquellen für Rinder und Ziegen erschließen.

Dieses Konfliktfeld hatte vor Jahren Pfarrer Hénoc Sib, Präsident der Eglise Reformée (Reformierte Kirche) , früh erkannt und deshalb sich sehr schnell für eine Friedensarbeit „Graine de Paix-Friedenssaat“ mithilfe von Seminaren und Mediationen in Dörfern eingesetzt. Erfolgreich gehen nun auch Schülerinnen und Schüler sowie andere junge Menschen anschließend friedvoller mit anders denkenden und handelnden Personen um.

Die TIKATO-Mitglieder Heidi J. Stiewink und Wilhelm Wilmers machten in Burkina Faso 2017 die Bekanntschaft mit Henoc, waren sehr überzeugt von seinem Einsatz  und luden ihn anlässlich seines Europa- und Laufdorf- Besuchs in die Kreuzkirche nach Wetzlar zu einem Informationsabend ein. Auch TIKATO-Spenden gingen dadurch bereits an die Friedens-Seminararbeit. Das erste Seminar, speziell für Frauen, ist auf Initiative von Tikato von der Friedensstiftung „Die Schwelle“ finanziert worden.

Gewaltfreie Friedensarbeit zahlt sich aus

Diese Versöhnungsarbeit zahlte sich vor Kurzem in hohem Ausmaß aus. In einem Gebiet um Loropeni im Südosten des Landes hatte eine Kirche die Jahrhundert lang übliche Tradition, dass ein Mitglied des traditionellen Königshauses im Familiengrab beigesetzt wird, nicht respektiert und ohne Absprache mit dem amtierenden König Gan die dem christlichen Glauben zugehörende Prinzessin und Pastorenfrau auf dem christlichen Friedhofs beigesetzt. Das brachte die große Königsfamilie und ihre Anhänger in den zur Region gehörenden Dörfern in Rage. Sie zerstörten insgesamt 13 Kirchen in dem großen Gebiet.

In dieser schlimmen Situation -für Burkina Faso einmalig-  wurde Pfarrer Sib um Hilfe gerufen. Er persönlich war über dieses unsensible Verhalten seiner Kirche tief schockiert. In langen behutsamen Konflikt-Gesprächen in einem interreligiösen Workshop gelang es ihm, um gegenseitiges Verständnis zu werben, fehlerhaftes Verhalten vor Augen zu führen und die Parteien zu befrieden. Am Ende steht nun tatsächlich Versöhnung nach der Mediation mit allen Beteiligten und sogar eine neue Freundschaft zwischen König Gan und Henoc Sib. Monatelange Seminare verhalfen zu einer Versöhnung in der ganzen Region.

Die Friedensarbeit für gewaltfreies Handeln von Sib und seinem Team soll in weiteren Seminaren weitergeführt werden, kostet Geld und die reformierte Kirche kann es nicht aufbringen. Sie hat aber eine Sonderkollekte in Gottesdiensten erhoben. Nun müht man  sich dort um Wiederaufbau der Kirchen. Geholfen haben hier unter anderem eine Presbyterianische Kirche aus den USA, eine aus der Schweiz und die Organisation „Hilfe für Brüder“. Bald kann die erste Kirche nach dem Wiederaufbau in Dienst genommen werden. Der Staat kann nichts zum Wiederaufbau und zu den Seminaren beisteuern. Aber Henoc Sib wurde als „Mann des Jahres“ und mit  dem Burkinischen Staatsorden ausgezeichnet.

Heimische und internationale Spenden eingeworben

Seit langer Zeit besteht ein Kontakt zwischen Sib und dem Friedensnetz Church & Peace über die damalige Geschäftsführerin Marie-Noelle von der Recke aus Schöffengrund- Laufdorf. Sie ist Mitglied im Laurentiuskonvent und der Mennonitischen Kirche, die sich zu den Friedenskirchen zählt. Da lag es nun nahe, dass sie in diesen Kirchen in Deutschland und der Schweiz, in der Evangelischen Kirche im Rheinland (EKiR) und im Laurentiuskonvent Laufdorf um Mithilfe und Spenden für eine Seminarreihe in Gewaltfreiem Training warb. An der Seminarreihe konnten 120 Menschen teilnehmen, die wiederum als Multiplikatoren wirken.

Insgesamt kamen für die Seminarreihe 7.620  Euro zusammen, davon knapp private 2.000 Euro auch aus dem heimischen Raum, auch der AK Frieden im Kirchenkreis an Lahn und Dill beteiligte sich.  Die Evangelische Kirche im Rheinland und  Mennoniten halfen mit größeren Spenden.

Gerne werden über den AK TIKATO weiterhin Spenden hierfür entgegengenommen (weitere Infos und IBAN Nr. unter www.tikato-burkina-faso.de  „Tikato-Graine de Paix“  und von der Recke Telefon 06445 5560).

sti / Fotos: Burkina Faso

Mediations-Gespräche / Auszeichnung für Henoc Sib / zerstörte Kirche / erster Kirchenneubau