Kirchengemeinden erreichen drei Mal mehr Menschen

„Die Kirchengemeinde hat gute Angebote. Aber leider wissen nicht viele davon“, so Presbyter Manuel Groh. Bereits im letzten Jahr sei er darüber mit Pfarrerin Manuela Bünger ins Gespräch gekommen. Als Informatiker und Doktorand liegt sein Augenmerk auf den Möglichkeiten der digitalen Medien. „Wir müssen unsere Themen vernünftig kommunizieren“, meint Groh. Schnell habe man in den beiden Kirchengemeinden Dorlar und Atzbach erkannt, dass dies alleine nicht machbar ist. Deshalb hat Groh eine Ausschreibung für eine Teilzeitstelle an der Uni in Gießen verbreitet. Daraufhin meldete sich Laura Nagel, die Social Media studiert. Seit Februar gehört sie zu dem Team, das sich um  Social Media der Kirchengemeinden kümmert.

Zunächst haben sich Groh, Nagel und Pfarrerin Bünger darauf verständigt, den Internetauftritt der Kirchengemeinden unter der Adresse gemeinde-lebt.de zu erneuern. Die Corona-Pandemie führte dazu, dass die Gemeinden schneller in den digitalen Medien eingestiegen sind als geplant. Heute sind die Gemeinden auf Facebook, Instragram und Youtube präsent. Durch die Angebote erreichen die Gemeinden drei Mal mehr Nutzer als durch die Präsenzgottesdienste.

Das Abfilmen der Gottesdienste in den Kirchen erwies sich als nicht ideal. Deshalb ist das Social Media-Team dazu übergegangen, die Predigten draußen in der freien Natur aufzuzeichnen. „Die im Freien aufgezeichneten Predigten kommen bei den Usern besser an“, so Lange. Die wirkten nicht so streng, seien lockerer und freier.

„Wenn wir auf facebook starten, kann das nicht nur sonntags mit der Predigt geschehen. Das war uns klar“, sagte Laura Nagel. Sie entwickelte ein Logo, das identitätsstiftend sein sollte. Und es entstand ein Konzept, das fast für jeden Tag der Woche ein Angebot vorsieht. Montags veröffentlicht das Team ein Bibelwort und ein Thema für die Woche. Diese Themen orientieren sich am Kirchenjahr oder es gibt eigene Themen. Mittwochs finden die User eine Kurzandacht von Pfarrerin Bünger. Freitags gibt es eine Einladung zum Gottesdienst und sonntags die Predigt. Auf facebook hat das Team inzwischen 70 Abonnenten, die die Beiträge ihrerseits teilen und somit weiter verbreiten. Auf Youtube zählt Nagel 37 Abonnenten, davon sind 11 in den letzten Wochen erst dazu gestoßen. Eine Predigt über die Versuchung Jesu zählte 300 Aufrufe. „Momente der Achtsamkeit“, nennt sich ein wöchentliches Format auf YouTube, das dazu einlädt, zur Ruhe zu kommen und einmal auf sich selbst zu hören. Mit einer durchschnittlichen Videolänge von 5 Minuten ist es auch für all die praktisch, denen die Zeit gerne mal davonläuft. Dort zählt das Team bis zu 225 Aufrufe. „Durch Corona setzen sich die Leute stärker mit sich selbst auseinander. Da passen die ‘Momente der Achtsamkeit’ gut“, so Nagel.

Das Bibelwort montags hat bis zu 300 Aufrufe.

Die Pfarrerin weist darauf hin, dass das Social-Media-Team die älteren Kirchenmitglieder nicht vergessen habe. Als es nicht möglich war, Gottesdienste in den Kirchen durchzuführen, verteilte das Presbyterium die Predigten in Papierversion. Dieses Angebot gibt es noch heute, denn viele Ältere trauen sich wegen Corona noch nicht in die Kirchen. Zudem haben die Gemeinden drei Tablets angeschafft. Darauf werden jeweils die Predigten aufgespielt und an ältere Nutzer gegeben. Die Tablets werden während der Woche weitergereicht. Nun hat der Unterstützerverein der Kirchengemeinden beschlossen, weitere zehn Tablets anzuschaffen.

„Mit unserem Angebot unterscheiden wir uns von anderen Kirchengemeinden“, so Groh. Viele bieten ihre Gottesdienste in voller Länge. „Doch wer schaut sich die fast 60-minütigen Aufzeichnungen von Anfang bis Ende an?“, fragt Groh. „Wir haben uns auf das Wesentliche, die Predigt, konzentriert. Mit unserem Komplettpaket durch die ganze Woche dürften wir ein einzigartiges Angebot haben“.
Für die Zukunft hat das Trio noch viele Ideen. „Wir wollen noch stärker auf Instagram auftreten“, so Lange. Künftig sollen auch Statements von Gemeindemitgliedern folgen.

lr