Kirchen als Orte der Ruhe und Einladung gestalten

Pfarrerin Cornelia Starosta tritt in den Ruhestand:

Sieben Jahre hat Cornelia Starosta in Braunfels als evangelische Gemeindepfarrerin gewirkt.

Jetzt tritt die 65-Jährige zum 1. März in den Ruhestand. Eigentlich wäre das schon ein paar Monate eher möglich gewesen. Aber sie wollte die Konfirmationen noch halten, die coronabedingt in den September verschoben wurden. Die Gemeinde durch die im vergangenen Jahr mit besonderen Herausforderungen verbundene Weihnachtszeit zu begleiten, war der Seelsorgerin ebenfalls wichtig.

Eine Umstellung sei es gewesen, als sie aus dem sozialen Brennpunkt im Ruhrgebiet, der sich zu einem interkulturellen Wohn- und Lebensbereich entwickelte, in das ganz anders geprägte Braunfels kam, erzählt sie. Mehr als 30 Jahre war Cornelia Starosta, die Evangelische Theologie in Wuppertal und Bonn studiert hat, Pfarrerin der Evangelischen Lukaskirchengemeinde Mülheim an der Ruhr (früher: „Evangelische Kirchengemeinde Mülheim Styrum“). In Kirchen (Sieg) geboren, absolvierte sie ihr Vikariat in Mülheim Styrum. Dort war sie als Pastorin im Hilfsdienst mit der Verwaltung der vakanten Stelle beauftragt bevor sie 1986 zur Gemeindepfarrerin gewählt wurde. Aus dieser Zeit erhalten geblieben ist das Interesse an interreligiöser Spiritualität.

In der Evangelischen Kirchengemeinde Braunfels konnte sie in mehreren unterschiedlichen Kirchen Gottesdienste halten, in traditionell und modern erbauten Gebäuden. So in der Schlosskirche, in St. Georgen und in der Friedenskirche. „Mir war es wichtig, diese Orte, an denen wir zusammenkommen, für Junge und Alte einladend zu gestalten“, sagt die Pfarrerin. „Die Kirchen sollen Ausstrahlung haben und gleichzeitig Orte der Ruhe sein, an denen die Menschen im Gottesdienst durchatmen können.“ So wurden Gottesdienste regelmäßig von Lektorinnen und Lektoren sowie Musikerinnen und Musikern gestaltet, oft mit wechselnden Teams und auch mit Konfirmanden. Geistliche Feiern in unterschiedlichen Formaten, wie Sommerabend-Gottesdienste samstags oder die sogenannten „HEILIG:Abend:Gottesdienste“ am Sonntag oder mit musikalischem Anspruch wie die Orgelvespern und Konzerte bereiteten ihr Freude: „Ohne Musik ist der Gottesdienst arm.“

Zum Dienstauftrag der Pfarrerin gehörten auch Gottesdienste in drei Altenheimen und in der Tagesklinik des ehemaligen Krankenhauses Falkeneck. „Es war mir wichtig, diese Menschen zu besuchen und auch die nicht zu vergessen, die in unserer Region oft zur Kirche gekommen sind“, so Cornelia Starosta.

Teil ihres Engagements waren zudem ökumenische Begegnungen und Projektarbeiten im Bereich von Kunst, Kultur und Integration. Hinzu kam ein Großteil an Strukturaufgaben. „Die Gemeinde musste sich aus finanziellen Gründen neu aufstellen“, berichtet sie. Das habe viel Kraft gekostet.

„Für die Zusammenarbeit mit dem Presbyterium bin ich sehr dankbar“, betont die Pfarrerin. „Besonders in der Coronazeit haben alle sehr viel zu tun und bemühen sich, die Dinge zu ordnen. Das ist für mich nicht selbstverständlich und einfach sehr schön“, lobt sie den ehrenamtlichen Einsatz.

Der für Sonntag, 28. Februar, anlässlich ihrer Verabschiedung geplante Gottesdienst kann coronabedingt nicht stattfinden. Doch Superintendent Dr. Hartmut Sitzler hat bereits ein Abschiedsgespräch mit Cornelia Starosta geführt und in der Gemeinde wird es eine Zusammenkunft im kleinen Kreis geben.

„Ich bin jetzt frei“, freut sich die Theologin auf ihren Ruhestand. Konkretes vorgenommen hat sie sich noch nicht. Erstmal ein Jahr Pause machen von allem und nach dem eigenen Rhythmus schauen. Mehr Bewegung möchte sie für sich ins Leben bringen. Sie läuft gern, spielt Flöte, Gitarre und Akkordeon und kann sich auch vorstellen, noch einmal theologische Vorlesungen an den Universitäten in Marburg oder Frankfurt zu besuchen. Denn die Pfarrerin bleibt in der Region, auch, weil sie Verwandtschaft im Westerwald hat. Cornelia Starosta ist bereits nach Bonbaden gezogen und genießt dort vor dem Ruhestand noch ein paar Urlaubstage.

bkl