Heiliger Geist kommt als Taube herab

Kirche in Niederkleen mit vielfältiger Symbolik:

Wer in Niederkleen die evangelische Kirche von 1729 betritt, findet sich inmitten einer Fülle christlicher Symbole wieder. Bilder der Apostel an der Empore beispielsweise zeigen diese in der Regel mit Gegenständen und Waffen, durch die sie der Überlieferung nach ums Leben gekommen sind als Hinweis darauf, dass die Jünger als Märtyrer gestorben sind. So Matthäus und Thomas mit einem Speer oder Petrus mit einem auf dem Kopf stehenden Kreuz. Daneben ist aber auch der Reformator Martin Luther mit einem Schwan dargestellt.

Im Kanzeldeckel hängt eine vergoldete Taube als Symbol für den Heiligen Geist. Nach der Taufe Jesu öffnete sich der Himmel und der Geist Gottes kam in Gestalt einer Taube herab. So berichten es die Evangelisten im Neuen Testament. Die Taube steht in der kirchlichen Tradition für das Pfingstwunder, dafür, dass der Heilige Geist Gottes zu den Menschen kam. An Kanzeldeckeln befindet sich die Taube als Zeichen dafür, dass der Heilige Geist durch die Predigt und das Hören auf Gottes Wort wirkt. Einmal sei die lediglich in den Kanzeldeckel eingepfropfte Taube bei einem Vertretungsgottesdienst auf den Kopf des Predigers gefallen, erzählt Gemeindepfarrer Reiner Wagner schmunzelnd: „Danach haben wir sie mit dem Holzhammer festgeklopft.“

Ein Bild von der Berufung des Propheten Jesaja stellt den Kanzelrücken dar. Oben auf dem Kanzeldeckel sitzt ein Pelikan, der seine drei Jungen mit dem eigenen Brustfleisch füttert – ein Zeichen für die Dreieinigkeit Gottes. Auch ein Gemälde über dem Altar, das Gottes Auge in einem Dreieck zeigt, steht als Symbol für die Dreieinigkeit Gottes. Die schwarze hölzerne Kanzel mit Bildern der vier Evangelisten Matthäus, Markus, Lukas und Johannes sowie ihrer Symbole Mensch, Löwe, Stier und Adler ist mit Blattgold und Blattsilber verziert.

Die Saalkirche wurde 1728 neu erbaut, zum Teil auf den Überresten des romanischen Vorgängerbaus aus dem Mittelalter. Insbesondere Teile des Chorraumes stammen aus dieser Zeit. 1729 war Einweihung der neuen Kirche, in der zur gleichen Zeit die erste Konfirmation stattfand. Ein geschlossenes Holzgestühl, früher für die Pfarrfamilie, den Kirchenvorstand, den Küster und den Pfarrer vorgesehen, befindet sich links und rechts neben dem Steinaltar. Die jungen, unverheirateten Burschen, die in früherer Zeit hinter dem Altar saßen, haben sich dort an der Holzverkleidung mit allerlei Schnitzereien verewigt.

Ein Taufstein aus der alten Kirche mit maurischen Ornamenten, vergleichbar mit denen am Taufstein des Wetzlarer Doms, steht heute im Pfarrgarten. Der „neue“ Taufstein mit silberner Schale stammt von 1729 und steht vor dem Altar. In den Boden der alten Kirche war vor dem Altar ein Epitaph (Grabdeckel) eingelassen, der beim Bau der neuen Kirche zerschnitten wurde. Ein Teil davon mit dem Abbild des Kirchenstifters Konrad von Cleen wurde 1729 als Türsturz verwendet und ist heute in der zugemauerten nördlichen Eingangstür ausgestellt.

An einer der Stützsäulen der Empore neben dem Taufstein steht das sogenannte „Vortragekreuz“. Noch bis Ende der 70er Jahre des vergangenen Jahrhunderts trug es einer der Konfirmanden bei Beerdigungen vor dem Trauerzug her auf den Friedhof um die Kirche bis hin zum Grab. Drei Grabsteine erinnern auf dem ehemaligen Friedhof an der Kirche an die Pfarrer Wilhelm Stein (1836-1849 Inhaber der Pfarrstelle) und Heinrich Lindenborn (1875-1895 Pfarrer in Niederkleen) sowie Ortsgerichtsrat Henrich Waas. Einem Epitaph  von 1721 ist die Geschichte der Pfarrer Johann David Hert, Philipp Jakob Hert und der Pfarrwitwe Katharina Margaretha Hert zu entnehmen, die 95-jährig bei einem Raubüberfall ums Leben kam.

In der biblischen Pfingstgeschichte wird von Feuerzungen als Symbol für den Heiligen Geist gesprochen, der in dieser Gestalt auf die Jünger herabkam und sie so begeistert das Evangelium verkündigen ließ. Auch dazu gibt es in der Niederkleener Kirche etwas zu entdecken: Eines der bleiverglasten Fensterbilder zeigt neben einer herabkommenden Taube eine Öllampe mit Feuerflamme.

bkl

Bild 1: Die Taube im Kanzeldeckel der Evangelischen Kirche Niederkleen ist ein Symbol für den Heiligen Geist.

Bild 2: Im Deckel der Kanzel ist eine Taube befestigt.

Bild 3: Eine Vielfalt von Symbolen findet sich im Innenraum der Kirche.

Bild 4: Aus dem ehemaligen Friedhof um die Evangelische Kirche von Niederkleen ist heute ein schöner Kirchgarten geworden.