Grundriss in L-Form prägt Gleiberger Kirche

Katharinenkirche ist Kirche des Monats September 2019:

Von der Stiftung zur Bewahrung kirchlicher Baudenkmäler in Deutschland (Stiftung KiBa) ist die Gleiberger Katharinenkirche zur „Kirche des Monats September 2019“ ernannt worden. Sie feierte in diesem Jahr im Rahmen des Gleibergfestes das 400-jährige Bestehen ihres Kirchenschiffes. Architektonische Besonderheit ist die L-Form des Grundrisses. Dieser ist bei Sakralbauten ungewöhnlich.

Um zu verstehen, warum dies so ist, muss man sich die Baugeschichte der Katharinenkirche genauer anschauen: Bereits 1230 gab es in der Burg Gleiberg eine kleine Kapelle. Die neue, größere gotische Kapelle wurde 1350 als Schlosskirche der Grafen von Gleiberg vor dem Haupteingang der Burg erbaut. Die Kapelle war zu Beginn des 17. Jahrhunderts jedoch baufällig geworden und angesichts der wachsenden Bevölkerung zu klein. „Da nicht in den Felsen verlängert werden konnte, wurde im rechten Winkel zum in Ostwestachse liegenden Chor ein großes, zudem hohes Kirchenschiff in Nordsüdachse liegend angebaut“, erläutert Ortspfarrer Christoph Schaaf. Zur räumlichen Verbindung beider Gebäudeteile trägt der große Chorbogen im Innern bei. Er dient zudem der Lastenverteilung des achteckigen Turmes, der auf den Chor aufgesetzt ist. Dies geschah zwischen 1619 und 1621.

Der Chor wurde 1743 renoviert und eine flache Decke eingezogen. Zwei reich verzierte Emporen befinden sich an der West- und der Nordseite der Kirche. Die 1961/62 freigelegten Wandmalereien zwischen den Chorfenstern zeigen auch ein Bild der Heiligen Katharina, der Namenspatronin der Kirche. Heute wird der Chor gern als Standort für Ausstellungen genutzt. Zu besonderen Gottesdiensten nehmen zudem in diesem Gebäudeteil die Chorsängerinnen und Chorsänger Platz. Beliebt ist das Gotteshaus auch für die Feier von kirchlichen Trauungen.

Doch Gottesdienste sind auch schon auf dem Burghof gefeiert worden. So beispielsweise der ökumenische Pfingstgottesdienst aller Wettenberger Gemeinden in diesem Jahr. Das Gelände direkt neben der Burgmauer, von der aus man einen herrlichen Blick auf die Gleiberger Kirche, ganz Krofdorf und das weite Umland hat, mutet wie ein Kirchenschiff an, findet Pfarrer Schaaf.

Aus dem Jahr 1643 stammt die wertvolle Kanzel der Gleiberger Kirche, der steinerne Altar aus dem Mittelalter. Bei einem Luftangriff 1945 wurde das Kirchendach schwer beschädigt. Erst 1965 konnte das Gotteshaus wieder in Gebrauch genommen werden.

Eine Außenrenovierung fand 1979 statt, eine weitere Sanierung in den Jahren 2003 bis 2005. Der Glockenstuhl mit seinen drei Glocken wurde vor vier Jahren saniert.

In diesem Jahr ist das Turmdach für rund 125.000 Euro saniert worden. Unterstützung gab es dazu von der Landesdenkmalpflege, der Deutschen Stiftung Denkmalschutz sowie der Zivilgemeinde Wettenberg. Darüber hinaus trugen zahlreiche Spenden aus der Gemeinde, Konzerte, Basare und Kollekten sowie der Verkauf von 50 historischen Schieferplatten der Kirche, die Konfirmanden bearbeitet und mit Bibelversen beschrieben hatten, zur Finanzierung bei.

Mit der Reformation wechselte die ursprünglich zum Bistum Trier gehörende Gemeinde Gleiberg zum protestantischen Bekenntnis und gehört heute zum Evangelischen Kirchenkreis an Lahn und Dill.

Eine Denkmalstiftung der Kirchengemeinde unterstützt die Unterhaltung der beiden denkmalgeschützten Kirchen in Krofdorf und Gleiberg.

bkl

 

Bild 1: Den L-förmigen Grundriss der Gleiberger Kirche erläutert Pfarrer Christoph Schaaf vom Burghof aus (Foto Barnikol-Lübeck).

Bild 2: Direkt oberhalb der Katharinenkirche befindet sich das Tor zum Eingang in die Burg Gleiberg (Foto Barnikol-Lübeck).

Bild 3: Im Inneren der Katharinenkirche ist die L-Form besonders gut zu erkennen: rechts der Chor mit Ausstellungsstellwänden, links das Langhaus (Foto Barnikol-Lübeck).

Bild 4: Hier sieht man die L-Form der Gleiberger Kirche aus der Himmelsperspektive (Foto Stiftung KiBa).