Gotteshaus mit bemerkenswerter Baugeschichte

Evangelische Kirche Biskirchen 1870 fertig gebaut:

Immer wieder wurde sie vom Hochwasser der Lahn überschwemmt: Die alte Bischofskirche, namensgebend für den Ort „Biskirchen“ konnte im Winter 1846/47 wegen Einsturzgefahr nicht mehr für den Gottesdienst genutzt werden. Standort der vermutlich von Bischof Rudolf von Würzburg in der Zeit um 900 gegründeten Kirche war der alte Friedhof, über den die jetzige Landesstraße zwischen Biskirchen und Stockhausen verläuft. Ein dort aufgestellter Obelisk von Pfarrer Karl Wetz (1853–1881 Pfarrer in Biskirchen) erinnert an die alte Bischofskirche, die 1871 abgebrochen wurde.

Der Kirchenvorstand beschloss, eine neue Kirche an einem weniger gefährdeten Standort zu bauen. Mit der Planung beauftragte man im Jahr 1861 mit Friedrich August Stüler (1800-1865) einen renommierten preußischen Architekten, unter anderem führend beim Bau der Burg Hohenzollern in Baden-Württemberg, dem neuen Museum auf der Berliner Museumsinsel und dem Nationalmuseum in Stockholm. Das für dörfliche Verhältnisse sehr groß angelegte neugotisch-romanische Gebäude, das in der Folgezeit immer wieder umgestaltet wurde, bot bei seiner Indienstnahme am 25. November 1870 tausend Gemeindegliedern Platz.

Die beiden Glocken aus der alten Bischofskirche waren bereits am 18. Oktober in den Turm des neuen Gotteshauses gehängt worden. Sie stammen aus den Jahren 1701 und 1735. Zwei Jahre später kam eine Rincker-Glocke hinzu, die sogenannte „Friedensglocke“, aus französischem Kanonenmetall gefertigt.  Doch nur die Glocke von 1735 konnte der Kirchengemeinde erhalten bleiben, während die beiden anderen dem Krieg zum Opfer fielen und auch zwei neue von 1927 im Jahr 1942 für Rüstungszwecke abgeholt wurden. Die Glocke von 1735 trägt die Inschrift „soli deo gloria. Johann Jakob Rinker von Aßlar goß mich. Biskirchen 1735“. Diese Glocke wurde 1956 in der neuen Kreuzkapelle in Stockhausen aufgehängt. Die Biskirchener Kirche erhielt ein im Jahr 1951 in Dienst genommenes Stahlgeläut. Es besteht aus drei Glocken und stammt aus Bochum.
Die Orgel finanzierte der Verkaufserlös der von Pfarrer Karl Wetz 1867 herausgegebenen Predigtsammlung „Bausteine zum Hause Gottes“ mit.

1953 kam ein mit der Kirche verbundenes Gemeindehaus mit 200 Sitzplätzen hinzu.

1958 begann der erste Umbau der Kirche: Durch das Einziehen einer Zwischenmauer gab es Platz für Sakristei, Jugendräume und Heizungsraum. Mit dem Einzug einer Spanndecke im Kirchenschiff konnte die Raumhöhe reduziert werden. Die Emporen wurden verkürzt, eine neue Kanzel und ein neues Taufbecken im Altarraum aufgestellt und ein großes Kreuz im Chorraum aufgehängt. Die Zahl der Sitzplätze verringerte sich auf 650.

Als die Gemeinde im Jahr 1970 ihr 100-jähriges Kirchenjubiläum feierte, war bereits die zweite Renovierungsmaßnahme bewältigt. Dazu gehörten eine Erneuerung der eingezogenen Decke, der Fenster und der Beleuchtung sowie die Installierung einer Beschallungsanlage. Auch die hundertjährige Orgel wurde durch ein neues Instrument aus der Werkstatt des Orgelbauers Hardt (Möttau) ersetzt. Die Kirchenbänke schob man zusammen, sodass der Mittelgang wegfiel. Die Idee dazu war, von den kalten Außenmauern abzurücken und den Besuchern wärmere Sitzgelegenheiten zu bieten. Die Sitzplätze wurden auf 480 reduziert.

Eindringende Feuchtigkeit, Schäden am Dach und den Türmchen an den Gebäudeecken machten ab 2008 eine dritte Renovierung notwendig. Zudem musste der Eingangsbereich erneuert werden. Innen wurde eine neue Heizungsanlage eingebaut und der Mittelgang wiederhergestellt. Die neue Farbgebung lässt die Kirche, deren Innenraum der reformierten Tradition entsprechend schlicht gehalten ist, heller und freundlicher erscheinen. „Im Chorraum bewirkt dies zudem mehr Tiefenwirkung“, sagt Gemeindepfarrerin Cornelia Heynen-Rust. So wurde das große Kreuz dort abgenommen, was auch dem reformierten Stil entspricht. Ein kleineres Kreuz steht jetzt auf dem Altar.

Die Kirche in Biskirchen wird in diesem Jahr 150 Jahre alt, die Orgel 50 Jahre. Aus diesem Anlass plant die evangelische Kirchengemeinde am Sonntag, 30. August, einen Jubiläumsgottesdienst mit anschließendem Nachmittagsprogramm.

bkl

 

 

 

Bild 1: Die Evangelische Biskirchen wurde in der Zeit von 1868 bis 1870 im neugotisch-romanischen Stil erbaut.

Bild 2: Der Innenraum der Evangelischen Kirche Biskirchen ist schlicht gehalten, wie es einer reformierten Kirche entspricht.

Bild 3: Die Bronzetafel neben dem Seiteneingang erinnert an den renommierten Architekten der Kirche, Friedrich August Stüler.

Bild 4: Das anliegende Gemeindehaus wurde 1953 gebaut.

Bild 5 und 6: Pfarrer Karl Wetz ließ zur Erinnerung an die alte Bischofskirche 1884 einen Obelisken zwischen Biskirchen und Stockhausen errichten.