Gemeinde im Team gestalten

Kirchengemeinden wählen Presbyterien:

„Gemeinde mit mir“ – unter diesem Motto haben am Sonntag Gemeinden in dem zur Evangelischen Kirche im Rheinland gehörenden Kirchenkreis an Lahn und Dill ihr Presbyterium (griechisch: „Ältestenrat“) und damit ihren Kirchenvorstand bestimmt. Gewählt wird dieses Leitungsgremium, das über die Schwerpunkte der Gemeindearbeit in ihren vielfältigen Arbeitsfeldern entscheidet, in der rheinischen Kirche alle vier Jahre.

Doch nur in vier der 47 Kirchengemeinden des Kirchenkreises an Lahn und Dill ist eine Wahl zustande gekommen.

Gewählt wurde in der Kirchengemeinde Rechtenbach, in der Kirchengemeinde Dutenhofen/Münchholzhausen (Bezirk Dutenhofen), in der Kirchengemeinde Schöffengrund sowie in der Kirchengemeinde Werdorf. So werden insgesamt 28 neu gewählte Amtsinhaber im Alter zwischen 23 und 70 Jahren künftig an der Leitung ihrer Kirchengemeinden beteiligt sein.

Mit 35, 1 Prozent war die Wahlbeteiligung im Bezirk Dutenhofen der Kirchengemeinde Dutenhofen/Münchholzhausen am höchsten. Zu diesem Ergebnis habe auch die Allgemeine Briefwahl beigetragen, meint Pfarrer Michael Philipp. Alle Wahlberechtigten hatten mit der Wahlbenachrichtigung jeweils die Briefwahlunterlagen zugeschickt bekommen. „Wir haben ein schlagkräftiges Presbyterium mit guten Leuten, die viel Neues einbringen werden“, freut sich der Theologe, der gleichzeitig bedauert, dass kompetente Mitglieder aus Altersgründen ausscheiden müssen.

Mit einer Wahlbeteiligung von 15, 6 Prozent in Werdorf zeigte sich Pfarrer Marcus Brenzinger sehr zufrieden: „Das ist gut gelaufen. Eine Presbyteriumswahl hat hier keine große Tradition. Diesmal haben sich jedoch viele Menschen am Sonntagnachmittag aufgemacht, um zu wählen.“ Bei der letzten Wahl vor acht Jahren hatte die Beteiligung noch bei 9, 2 Prozent gelegen. Zum deutlich höheren Ergebnis beigetragen hat sicher auch die gute Öffentlichkeitsarbeit im Vorfeld und am Wahltag. Mit der Wahlbenachrichtigung waren beispielsweise die Porträts aller Kandidaten verschickt worden und es gab Wahlplakate im ganzen Ort. Dafür, dass sich die Wählerinnen und Wähler im Evangelischen Gemeindehaus Werdorf wohlfühlen konnten, sorgten zudem das Angebot von Kaffee und Waffeln am Wahlnachmittag. Am Ende gab es für die Kandidaten, die Presbyter und ihre Familien noch eine kleine „Wahlparty“ mit Pizzaessen für alle.

Gut besucht waren die Gottesdienste in allen Gemeinden, wo gewählt wurde. „In der Kirchengemeinde Schöffengrund haben die Menschen Gottesdienstbesuch und Wahl miteinander verbunden und entweder vorher oder nachher ihre Stimme abgegeben“, berichtet Pfarrer Dr. Hartmut Sitzler. Hier lag die Wahlbeteiligung bei 21, 6 Prozent. Wahlvorstand und Helfer hätten die Wahl mit großer Gewissenhaftigkeit vorbereitet und durchgeführt und die Atmosphäre sei auch bei den Begegnungen bei Kaffee und Kuchen sehr freundlich gewesen, so Sitzler.

In Rechtenbach, wo die Wahlbeteiligung bei 11, 4 Prozent lag, ist die Presbyteriumswahl schon lange Tradition. „Dass sie auch in diesem Jahr wieder stattgefunden hat, freut mich sehr“, betont Pfarrerin Siglinde Gallus. In Rechtenbach gab es auch im Verhältnis zu den anderen Kirchengemeinden die meisten Kandidaten: Für acht zu besetzende Plätze hatten sich elf Männer und Frauen zur Wahl gestellt.

In der Kirchengemeinde Wetzlar gibt es elf neue Presbyter für die insgesamt 20 Sitze im Kirchenvorstand (für jeden der vier Gemeindebezirke fünf). Hier waren es, wie in der Mehrheit der Gemeinden, genauso viele Interessierte wie Presbyteriumsstellen. Diese gelten dann, der Wahlordnung entsprechend, als gewählt. „Aus Gründen des Alters oder beruflicher Veränderungen wie beispielsweise Umzug wollen die derzeitigen Amtsinhaber ihren Dienst in dem gemeindeleitenden Gremium jetzt beenden“, erklärt Jörg Süß, Pfarrer des Bezirks Kreuzkirche und stellvertretender leitender Geistlicher des Kirchenkreises. „Uns ist es jedoch gelungen, mehr als die Hälfte der Stellen neu zu besetzen“, freut sich der Theologe. Unter den „Neuen“ seien Menschen mit sehr unterschiedlichen Berufen und unterschiedlichen Begabungen sowie auch Jüngere im Alter von Anfang bis Mitte 30, sagt Süß: „Unsere Aufgabe ist es jetzt, die neuen Presbyter zu integrieren und sie auf den notwendigen Sachstand zu bringen.“

Die durchschnittliche Wahlbeteiligung der Gemeinden, die gewählt haben, beträgt 20, 9 Prozent. Vor vier Jahren, als der Kirchenkreis an Lahn und Dill noch in die Kirchenkreise Braunfels und Wetzlar aufgeteilt war, lag sie in Wetzlar bei 30, 3 Prozent und in Braunfels bei 18, 5 Prozent.

In ihr Amt eingeführt werden die Presbyterinnen und Presbyter in der Zeit zwischen dem 22. und dem 29. März.

bkl

Bild 1: Antje Neul bei ihrer Stimmabgabe in der Evangelischen Kirche Groß-Rechtenbach mit (v.l.) den Wahlhelferinnen Christa Balser, Hannelore Schillinger und Dorothea Walz.

Bild 2: Vor der Auszählung der Stimmen im Evangelischen Gemeindehaus Werdorf (v.l.): die Mitglieder des Wahlvorstands Christine Koch, Daniela Pinnecke, Gabriele Sons und Martin Ufermann sowie Wahlvorstandsvorsitzender Karl Müßener (Mitte).

Bild 3: Für Aufmerksamkeit sorgte das Banner zur Presbyteriumswahl am Evangelischen Gemeindehaus Werdorf.