Gedenktafel für Paul Schneider

Evangelische Kirche Dornholzhausen erinnert an furchtlosen Pfarrer:

Eine Gedenktafel aus Bronze hängt im Fachwerkvorbau rechts neben der Eingangstür der Evangelischen Kirche Dornholzhausen. Die Plakette erinnert an Paul Schneider (1897-1939), der von 1926 bis 1934 als Pfarrer in Dornholzhausen sowie im benachbarten Hochelheim wirkte.

Mit seinen Predigten und öffentlichen Äußerungen geriet er in Konflikt mit dem NS-Regime, dem er sich mutig entgegenstellte. Am 18. Juli 1939 wurde das Mitglied der „Bekennenden Kirche“ im Konzentrationslager Buchenwald umgebracht, sodass sich Paul Schneiders Todestag nun zum 81. Mal jährt. Da er regelmäßig aus dem Fenster seiner Einzelzelle mit laut gerufenen Bibelworten des Trostes und der Hoffnung seine Mithäftlinge auf dem Appellplatz ermutigte, nennt man Paul Schneider auch den „Prediger von Buchenwald“.

Auf der Gedenktafel im Vorbau der Kirche ist ein Porträt Paul Schneiders zu sehen, gestaltet von Wolfgang Öster aus Uckersdorf. Der Text erzählt von der Tätigkeit des Seelsorgers in Dornholzhausen. Zudem ist sein Konfirmationsspruch aus dem Johannesevangelium, Kapitel 18, Vers 37 aufgenommen: „Christus spricht: Ich bin dazu geboren und in die Welt gekommen, daß ich für die Wahrheit zeugen soll. Wer aus der Wahrheit ist, der höret meine Stimme.“

Die Gedenktafel enthüllte 1997 Schneiders damals 93-jährige Witwe Margarete im Anschluss an einen Gottesdienst, in dem an das Wirken des mutigen Pfarrers erinnert wurde.

Die Kirche, in der Paul Schneider acht Jahre lang predigte, ist gegen Ende des 12. Jahrhunderts als romanische Kapelle entstanden und hatte ursprünglich einen quadratischen Grundriss. 1717, im Jahr des 200-jährigen Reformationsjubiläums, kam es zur Erweiterung durch einen angebauten Altarraum und einen Fachwerkvorbau im Westen. Daran erinnert eine Handwerkertafel an der Ostseite des Kirchenschiffes mit der Aufschrift: „Die Zeit ist schlecht, du, Gott gerecht; doch bauen wir, oh Gott, nur dir den Tempel neu, da kund dein Treu durch Luthern war zweihundert Jahr, anno 1717.“

Die hölzerne, auf einer Rundsäule gebaute Kanzel zeigt Christus als den Gekreuzigten sowie Martin Luther mit einem Schwan.

Die Saalkirche hat Langseiten, die durch je drei große rundbogige Fenster gegliedert sind. 22 Bänke stehen im Kirchenschiff, der Altarraum hat ein geschlossenes und ein offenes hölzernes Gestühl für Presbyterium, Küsterin und Pfarrer.

Die Orgel hat Friedrich Weigle aus Echterdingen bei Stuttgart 1930 erbaut. Der barocke Prospekt stammt von der Vorgängerorgel und ist als Attrappe installiert.

Von der Orgel aus erstreckt sich die u-förmig angelegte Empore aus der Zeit um 1720. Sie zeigt Darstellungen der zwölf Apostel und Bibelworte aus dem Neuen Testament. An der Empore im Altarraum sind Illustrationen vom Weltgericht (Matthäusevangelium, Kapitel 25), von Christi Himmelfahrt (Lukasevangelium, Kapitel 24 und Apostelgeschichte, Kapitel 1) und der Pfingstgeschichte (Apostelgeschichte, Kapitel 2) zu sehen.

Von den Glocken aus dem 18. Und 19. Jahrhundert ist allein die von 1859 erhalten geblieben. Zwei neue Glocken erwarb die Gemeinde 1950.

bkl

Bild 1: Diese Gedenktafel für Pfarrer Paul Schneider hängt im Fachwerkvorbau der evangelischen Kirche in Dornholzhausen.

Bild 2 (Foto privat, Repro Barnikol-Lübeck): Paul Schneider war von 1926 bis 1934 Pfarrer der Evangelischen Kirchengemeinden Dornholzhausen und Hochelheim. Sein Todestag jährt sich am 18. Juli zum 81. Mal.

Bild 3: Hier hat Pfarrer Paul Schneider acht Jahre lang gepredigt: Innenraum der evangelischen Kirche in Dornholzhausen.

Bild 4: Die Kirche in Dornholzhausen ist eine Saalkirche mit durch je drei große rundbogige Fenster gegliederten Langseiten.