„Garten der Sinne“ soll mit seinen Düften Insekten und Menschen locken

Den Duft von Blumen riechen, Obst schmecken, Insekten, Vögeln oder dem Plätschern eines Brunnens lauschen. All das soll der Garten der Sinne ermöglichen, der auf dem Freigelände an der Kreuzkirche im Stoppelberger Hohl derzeit entsteht. „Hier können die Besucher die bunte Vielfalt der Pflanzen im Wechsel der Jahreszeiten beobachten, auf einem Pfad barfuß über unterschiedliche Bodenbeläge laufen, auf einer Bank ausruhen. All das kann man im Garten der Sinne erleben“, der im Mai fertig sein soll, so Pfarrer Jörg Süß.

Über 30 Helfer packen seit Wochen immer samstags an, um die Idee des Gartens Realität werden zu lassen. Dazu angeregt wurde Süß beim Besuch eines Seniorenheimes, „Durch Düfte und Gerüche werden dort die Sinne der alten Menschen angeregt und sie aktiviert“, schildert der Pfarrer seine Begeisterung für das Projekt. In einem Gartenbuch fand er das Konzept eines Gartens der Sinne. Das Projekt an der Kreuzkirche soll nicht nur den Kirchenmitgliedern zur Verfügung stehen. „Wir möchten damit auch die Nachbarschaft einladen, Zeit in dem Garten zu verbringen“, so Süß.

Schnell fand er Befürworter des Projektes und holte Fachleute mit in die Planungen: einen Gartenbauverein, den Naturschutzbund, die Vogelfreunde, die Imker und die Stadt Wetzlar. Auch Dr. Mustapha Ouertani bat er um Mitarbeit, um auch die Belange von Sehbehinderten zu berücksichtigen. Mit dem Küster Bodo Jäkel vom Dom fand sich auch ein gelernter Landschafts- und Gartengestalter. Auch Wolfgang Böhl bringt seine Kenntnisse als Gärtner ein.

In Planungsgesprächen kam zuerst die Idee eines Bibelgartens, in dem Kräuter wachsen, die in der Heiligen Schrift erwähnt werden. Schnell gesellten sich zwei Bienenlehrstände dazu, ein Fußerlebnispfad und ein blühendes Beet mit 36 verschiedenen Pfingstrosten und Begleitstauden. 1500 Blumenzwiebeln wurden in den Boden eingebracht.

Zusätzlich entsteht gerade eine Boulebahn auf dem tieferen Plateau der Gemeindewiese. Dazu sollen 37 Tonnen Schotter eingebracht werden. Eisenbahnschwellen werden die Boulebahn begrenzen.

An der Stoppelberger Hohl entlang soll eine zwei Meter hohe Rosenhecke entstehen mit 1,50 Meter Breite. An der Einfahrt zur Kirche werden Duftpflanzen eingesetzt und ein Rosenbeet angelegt. An der Außenwand der Kreuzkirche werden künftig Blumen an Rankengittern empor wachsen, ebenso wie am Turm nebenan. Ein Rundbeet, eine Zisterne, die das Regenwasser vom Dach der Kirche auffängt, ein Sprudelstein und Bänke laden zum Verweilen ein. Hier sollen nicht nur Menschen ausruhen, sondern auch Insekten und Vögel sich mit Wasser versorgen können.

Fünf historische Obstsorten, darunter der Heuchelheimer Apfel, der Gacksapfel und der Weilburger Apfel wachsen und können geerntet werden.
Duftkräuter, Heilkräuter, Kräuter der Küche und Farbkräuter werden zudem die Sinne anregen. Drei Hochbeete ergänzen das Ensemble, damit Kindergartenkinder ebenso wie Nachbarn dort etwas pflanzen und ernten können. Rhododendren wachsen bald an der Kirche.

„Die gesamten Kosten für das Projekt werden nicht durch Kirchensteuern finanziert“, versichert Süß. Bis Ende letzten Jahres waren bereits 20.000 Euro eingegangen an Spenden, Kollekten und durch den Erlös des Bücherflohmarktes. Auch in diesem Jahr sind bereits mehrere tausend Euro zusammen gekommen. In diesem Frühjahr sind jeden Samstag ab 9.30 Uhr Arbeitseinsätze geplant. „Wir freuen uns, wenn tatkräftige Helfer dazu kommen sowie über Spenden für die weitere Ausgestaltung“, so Pfarrer Süß.

Wenn es angesichts der Corona-Krise möglich ist, wird der Garten der Sinne am Sonntag, 20. Mai, um 11 Uhr mit einem Freiluftgottesdienst mit anschließendem gemeinsamen Mittagessen in Betrieb genommen werden.

lr

Die Arbeiten am „Garten der Sinne“ an der Wetzlarer Kreuzkirche schreiten zügig voran.