„Garten der Sinne“ an der Kreuzkirche eröffnet

Einen „Garten der Sinne“ hat die Evangelische Kirchengemeinde Wetzlar an Pfingsten an der Kreuzkirche in der Stoppelberger Hohl eingeweiht. Auf der einstigen Kirchenwiese ist eine 4000 Quadratmeter umfassende Parklandschaft als Ehrenamtsprojekt entstanden. Dazu haben 43 Helfer über 5000 Pflanzen in den Boden gebracht, darunter 1.500 Blumenzwiebeln.

„Wir möchten Menschen einladen, sich mit dem Thema Schöpfung Gottes und Bewahrung dieser Schöpfung zu beschäftigen“, so Pfarrer Jörg Süß. „Wir möchten zeigen, wie wundervoll es ist, das, was Gott uns schenkt, zu sehen, zu hören, zu riechen, zu fühlen und zu schmecken“. Zu dem einzigartigen Garten angeregt wurde Pfarrer Süß beim Besuch eines Seniorenheimes, „Durch Düfte und Gerüche werden dort die Sinne der alten Menschen angeregt und sie aktiviert“. Die verschiedenen Ideen zu dem Garten der Sinne haben die Helfer selbst eingebracht. Nach und nach seien weitere Vorschläge dazu gekommen, erinnert sich der Pfarrer. Die Kosten bezifferte der Seelsorger auf 37.500 Euro. Davon sind bislang 28.000 Euro durch Spenden, Kollekten sowie den Erlös des Bücherflohmarktes im Turm der Kreuzkirche eingegangen. Der Restbetrag wird bis Ende des Jahres zusammen kommen, ist er zuversichtlich.

Bereits in den letzten Wochen waren jeden Tag Besucher im „Garten der Sinne“, haben das Betrachten der Pflanzen genossen, auf dem Großfeld Schach gespielt oder auf der Boule-Bahn, sind auf dem Erlebnispfad barfuß gegangen oder ruhten auf den Bänken.

„Die Rückmeldungen aus der Bevölkerung sind sehr positiv“, weiß Süß zu berichten. „Wir möchten damit auch die Nachbarschaft einladen, Zeit in dem Garten zu verbringen“. Von der Lebenshilfe kamen fünf Holzbänke.

Um einen Baum gibt es zudem eine Rundbank um eine Trauerweide. Ein Gedenkgarten lädt ein, einen Stein aufzunehmen und auf Findlingen in Erinnerung an einen lieben Menschen abzulegen. Drei Hochbeete fallen auf dem Weg zur Kirche auf, eines davon ist niedriger als die beiden anderen. Das niedrigere ist für die evangelische Kindertagesstätte Johanneshof. Darin können die Kleinen säen, pflanzen und ernten. Die anderen beiden sind für Besucher bestimmt zum „urban gardening“, also zum spontanen Ernten, gedacht.

Nicht zu sehen ist eine 10 Kubikmeter fassende Zisterne in der Erde, die das Regenwasser von der Westseite des Kirchendaches sammelt. Damit soll der „Garten der Sinne“ bewässert werden. Neben der Zisterne sprudelt ein kleiner Brunnen. Auch eine Vogeltränke lädt die gefiederten Tiere ein, sich hier zu baden oder etwas zu trinken.

Zentral ins Auge fällt der Erlebnispfad mit unterschiedlichen Bodenmaterialien. Am Ende der Parklandschaft lädt ein Bodenlabyrinth vom Typ Ravenna, geformt durch fünf Tonnen Steine, zum Innehalten ein. Es ist dem Labyrinth aus der Kirche San Vitale in Ravenna nachempfunden, hat vier Achsen und sieben Umgänge. Das Schachfeld hat der Wetzlarer Schachclub aufgebracht, der sich regelmäßig in der Kreuzkirche trifft. Das Boule-Feld ist 15 Meter lang und 3,20 Meter breit und somit für offizielle Turniere geeignet.

Nicht zu vergessen ist der Bibelgarten, der 47 Pflanzen beinhaltet, die im Neuen und Alten Testament genannt sind, so auch Weihrauch und Myrrhe, aber auch Zwiebel und Knoblauch. Auf Schildern ist die Bibelstelle notiert, in der die Pflanze erwähnt ist. Kräuterbeete sind mit Heil-, Würz-, Küchen- und Färbekräutern bestückt. Ein Naschbeet mit Erd-, Stachel- und Johannisbeeren lädt zum Pflücken ein. Fünf historische Obstsorten, darunter der Heuchelheimer Apfel, der Gacksapfel und der Weilburger Apfel wachsen und können geerntet werden.

In den kommenden Monaten soll der „Garten der Sinne“ noch erweitert werden. Geplant ist ein Fitness-Parcours, ab Frühjahr 2021 ein Bienenlehrstand sowie ein Terrain für Eidechsen. Fledermauskisten sollen die Nisthilfen für Mauersegler und Turmfalken ergänzen.

Weitere Ideen sind ein Backhaus, Aktionstage für Eltern und Kinder, um Insektenhotels sowie Nisthilfen für den heimischen Garten zu bauen.

Rund acht Monate hat das Anlegen des „Gartens der Sinne“ gebraucht. Die Pflege der Pflanzen und Anlagen wird eine dauerhafte Sache. „Wir haben für alle Beete Paten gefunden, die sich um das Wässern und die Pflege kümmern“, freut sich Süß.

lr