Fast 70 heimische Christen im ehemaligen KZ Buchenwald zum Gedenken von Paul Schneider

Angesichts des Schornsteins des Krematoriums, im direkten  Rücken die Todeszelle des Hochelheimer Pfarrers Paul Schneider, vor sich den großen Appellplatz des ehemaligen Konzentrationslages Buchenwald– so gedachten knapp 70 Christinnen und Christen aus 26 heimischen Kirchengemeinden aus dem Bereich Wetzlar und Gießen- gemeinsam mit weiteren etwa 140 aus dem ganzen Bundesgebiet –  in einem ökumenischen Gottesdienst Paul Schneider. Er war Pfarrer in Hochelheim und Dornholzhausen, später in Dickenschied/Hunsrück. Auf den 80. Todestag des nach langer Folter durch eine Überdosis Strophanthin ermordeten Widerstandskämpfers hatten sich die Besucher schon zu Hause und dann im Reisebus durch eine Andacht und Lesungen aus dem Buch „Der Prediger von Buchenwald“ vorbereitet.

Vor Ort konnten sie die enge Zelle des Paul Schneiders in Augenschein nehmen, dem Anlass entsprechend nun Kerzen-beleuchtet und Blumen-geschmückt. Die Zelle, wo er bei jedem Widerstand gegen das Nazi-Regime, jedem Bibel-Trostwort, das er aus dem Fenster den auf dem Weg zum Tode wankenden Häftlingen hinterher rief, böse, vernichtende Schläge erhielt. Und sich trotzdem nicht entmutigen ließ.

Die Hessen besuchten die letzte verbliebene Baracke, das Krematorium, wo Menschen vieler Nationalitäten verbrannt wurden; das Museum, das die unheilvolle Geschichte wachhält. Bedrückend das Zurückschauen, beklemmend das Erinnern an Schuld des eigenen Landes an unschuldige Menschen. Umso dankbarer war die Gedenkgemeinde für die klaren, mahnenden, aber dennoch biblisch-tröstenden Worte von Pfarrerin Karin Krapp, der Pröpstin Dr. Friederike Spengler sowie dem katholischen Priester Grothe. Dem katholischen Pfarrer Otto Neururer wurde ebenfalls gedacht: er war drei Tage lang an den Füßen bis zum Tode aufgehängt worden, weil er einen Mithäftling getauft hatte.

Spengler nahm die Seligpreisungen in die Mitte ihrer Predigt, aus der „schon Menschen zur Zeit Jesu, Paul Schneider selber und auch die Menschen von heute Mut und zukunftsweisende Schritte zu einem Miteinander ziehen konnten“, so die Theologin.

„Hier bekommt das gebetete Vaterunser plötzlich eine ganz eindringliche Bedeutung und Kraft“, so eine berührte Daubhäuserin nach dem Gottesdienst. „Die Reise war mir so wichtig“, betonte eine Niedergirmeserin. „Sich immer wieder vor zu Augen zu führen, wie damals in dieser grauenvollen Zeit sich Menschen mutig dieser von Menschen verursachten verbrecherischen Willkür entgegenstellten: Den eigenen Tod als Strafe aber ständig vor Augen.

Aus ganz unterschiedlichen Motiven hatte sich diese große Reisegruppe auf den Weg gemacht: Da war die aus Schlesien stammende Wetzlarerin, deren Onkel nach Buchenwald verschleppt wurde, sich dort an Typhus ansteckte und dann bald starb „Die ganze Familie hat ihm bis heute ein ehrendes Andenken bewahrt, sagt sie.

Da war der Wetzlarer, der sich schon seit vielen Jahren im Freundeskreis Paul Schneider engagiert, der sich um das geistliche Erbe Paul Schneider kümmert.

Ehemalige Gemeindeglieder und Nachkommen, die Paul Schneider noch erlebt hatten oder intensiv von ihm hörten. Christen, die bereits die Gedenkstätte besucht hatten und solche, die erstmals auf den Spuren des Widerstands gingen. Auch ein ehemaliger Hüttenberger Pfarrer war dabei.

„Die alle gemeinsam einzuladen zum Gedenken an die Verbrechen und die Ermordeten, aber auch im Blick auf die Zukunft Augen und Ohren offen zu halten für politische Entwicklungen und Menschen-verachtende Einstellungen war mir wichtig“, erklärt der ehemalige kreiskirchliche Jugend- und Gemeindediakon Rüdiger Henke seine Initiative, eine vom Kirchenkreis an Lahn und Dill finanzierte Busfahrt zu organisieren.Die Idee war ihm gekommen, als er in den letzten Jahren mehrere Gruppen in der Hochelheimer Kirche zur Konfirmation führte. Dabei hatte ihn die Inschrift in der Kirche „Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen“…nicht mehr los gelassen. Diese Konfirmandengruppen durften auch jeweils eine Unterrichtsstunde in dem ehemaligen Pfarrhaus mit neuen Besitzern verleben.

sti