Erklärung im Neuen Rathaus in Wetzlar unterschrieben

Kirchenkreis an Lahn und Dill setzt Zeichen für Vielfalt:

Die „Wetzlarer Erklärung für ein Zusammenleben in Vielfalt“ hat Pfarrer Jörg Süß im Rahmen einer Vielfaltskonferenz im Wetzlarer Neuen Rathaus für den Kirchenkreis an Lahn und Dill gemeinsam mit zahlreichen Vertretern aus Kirche, Gesellschaft, Wirtschaft und Politik unterschrieben. Ausrichter der Konferenz war das Freiwilligenzentrum Mittelhessen mit dem Arbeitskreis „Engagierte Stadt“.

„In einer Zeit, in der einzelnen Menschen oder ganzen Personengruppen aufgrund irgendeiner Überzeugung, Herkunft oder Orientierung Hass entgegenschlägt und sie damit  in ihrer Menschenwürde missachtet werden, halten wir es für dringend geboten, ein Zeichen für Vielfalt zu setzen“, sagt Jörg Süß, stellvertretender leitender Pfarrer des Kirchenkreises an Lahn und Dill, der zu den Erstunterzeichnern gehört. „Gott hat alle Menschen zu seinen Ebenbildern gemacht. Das ist für uns Christen gesetzt. Deshalb unterstützen wir alle Bemühungen, die sich dafür einsetzen, dass dem rechtlich und gesellschaftlich Rechnung getragen wird“, so der Theologe weiter.

Vielfalt meint dabei die Unterschiede von Geschlecht, Alter, sozialer Herkunft, Einschränkungen und sexueller Identität genauso wie die religiöse, kulturelle, ethnische und sprachliche Vielfalt. Darum, einander mit Wertschätzung und Toleranz zu begegnen, die helfen, trotz aller Verschiedenheit gut und friedlich zusammenzuleben, geht es bei der Vielfaltserklärung.

Auch weitere kirchliche Gruppen und Einrichtungen sowie zahlreiche Einzelpersonen haben unterschrieben.  Darunter der Arbeitskreis „Brot für die Welt – TIKATO“ und die Diakonie Lahn Dill (mit Heidi Stiewink und Mathias Rau als Erstunterzeichner), der Arbeitskreis Frieden und der Laurentiuskonvent Laufdorf, die Kirchengemeinden Wetzlar und Niedergirmes, die Caritas und die WALI (mit Hendrik Clöer und Stefan Lerach als Erstunterzeichner). Zudem hat Pfarrer Wolfgang Grieb (Hermannstein), der derzeit in Israel unterwegs ist, angekündigt, die Erklärung für die Christlich-Jüdische Gesellschaft Gießen-Wetzlar zu unterzeichnen

„Die Würde eines jeden Menschen ist unantastbar“, heißt es in der Erklärung. „Daher wenden wir uns ausdrücklich und entschieden gegen Ausgrenzung, Diskriminierung, Rassismus, Hass und Gewalt und damit gegen jede Form individueller und gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit.“

Hier schließt sich auch TIKATO-Vorsitzende Heidi Stiewink an: „Die Würde des Menschen ist ein besonders hohes Gut. Im Erleben der Vielfalt mit unseren afrikanischen Freunden und Partnern aus Burkina Faso wird uns die Bedeutung der Erklärung besonders deutlich.“ Sie fügt hinzu: „Aus unserer Erfahrung sind die Partner unserer Kultur  gegenüber manchmal toleranter als wir es von deutscher Bevölkerung gegenüber der afrikanischen erleben. Spätestens bei den zu uns Geflüchteten wird dies spürbar. Wir von TIKATO wollen alles tun für ein Leben auf gleicher Augenhöhe- hier und in der Welt.“

„Die Kirche ist ein Volk aus vielen Völkern“, begründet der Vorsitzende des Arbeitskreises Frieden, Pastor Ernst von der Recke, seine Unterstützung der Erklärung. „Wir erkennen Ursachen der Spaltung in Arm und Reich in ungerechten Handelsbeziehungen und bekennen schuldhaftes Verhalten. Wir arbeiten mit an Maßnahmen der Konflikttransformation und fördern Gewaltprävention.“

„Wir sind viele! Wir sind vielfältig! Wir sind Wetzlar!“ lautete dementsprechend das Motto der Konferenz, in der mit Vorträgen, Filmvortrag und Diskussionsrunden erörtert wurde, wie ein gutes Zusammenleben gelingen kann. Die Ergebnisse sollen später in einem Strategiepapier zusammengefasst werden.

Das von der Robert Bosch Stiftung im Rahmen des Programms „Vielfaltsgestalter“ geförderte Projekt wird vom Freiwilligenzentrum, der Stadt Wetzlar und der WALI (Arbeitsloseninitiative im Lahn-Dill-Kreis) getragen. Nach dem Start des Bundesprogramms „Engagierte Stadt“ 2015 sei ein Arbeitskreis aus Einzelpersonen und Organisationen entstanden, der als Ideen- und Impulsgeber wirke, erläuterte Karin Buchner vom Team des Freiwilligenzentrums. „Die Vielfaltserklärung ist bereichernd, aber auch herausfordernd und anstrengend“, erklärte sie. So sei die Erklärung kein Papiertiger, „sondern der gemeinsame Beginn, um aktiv am Zusammenleben in Vielfalt zu arbeiten“.

Begrüßt hatten die Anwesenden Oberbürgermeister Manfred Wagner und Landrat Wolfgang Schuster. Durch die Programmpunkte der Konferenz führte Dr. Uwe Röndigs, 1. Vorsitzender des Freiwilligenzentrums und Chefredakteur der Wetzlarer Neuen Zeitung.

Eine Unterzeichnung ist auch im Nachgang zur Vielfaltskonferenz möglich.

Kontakt: Freiwilligenzentrum Mittelhessen: Tel. 06441 – 95 92 95 oder 0175 218 880 oder über das Kontaktformular freiwilligenzentrum-mittelhessen.de/kontakt

Die Vielfaltserklärung im Wortlaut ist hier zu finden:

Vielfaltserklärung

bkl

 

 

 

Bild 1: Die Erstunterzeichner der Vielfaltserklärung im Neuen Rathaus Wetzlar. Pfarrer Jörg Süß (r.) unterschrieb für den Kirchenkreis an Lahn und Dill.

Bild 2: Pfarrer Jörg Süß setzt seine Unterschrift auf das Plakat der Erstunterzeichner.

Bild 3: Heidi Stiewink unterzeichnet für TIKATO.

Bild 4: Unterschrieben hat auch Pastor Ernst von der Recke für den Arbeitskreis Frieden (hier mit Britta Westen von der Diakonie Lahn Dill und Pfarrer Jörg Süß).