Ein Lebensbaum als Kreuz

Magdalenenkirche in Wetzlar lädt zu vielfältigen Begegnungen ein:

Ein Kreuz, das gleichzeitig einen Lebensbaum darstellt, steht in der Wetzlarer Magdalenenkirche im Magdalenenhäuser Weg. Der Quer- und der obere Längsbalken sind als Zweige gestaltet, die in Knospen enden.

„Drei Monate lang hatten wir dieses ungewöhnliche Kreuz im Jahr 2002 zur Probe hier in der Kirche aufgestellt, damit unsere Gemeindeglieder es sich anschauen und kommentieren konnten“, sagt Jörg Süß, seit 1988 Pfarrer in dem Wetzlarer Gemeindebezirk. Er hat das Kreuz von einem Künstler, dessen Name nicht vorliegt, damals aus Rengsdorf geholt, wo es ehemals in der Kapelle des Pastoralkollegs gestanden hatte. Die Holzskulptur sei nicht unumstritten gewesen, fand schließlich aber die Zustimmung der Gemeinde. Sehen könne man hier neben dem Lebensbaummotiv, von dem zu Beginn und am Ende der Bibel die Rede ist, den Vater mit den ausgebreiteten Armen, der wie im Gleichnis den verlorenen Sohn aufnimmt, auch einen betenden Menschen, der auf den Segen Gottes wartet, erklärt Pfarrer Süß.

Die Bronzemedaille in der Mitte zeigt Bilder aus der Offenbarung, dem letzten Buch der Bibel: Gott selbst in Form eines Auges in siebenfacher Zahl, Jesus, der Sohn Gottes als Lamm, die Feuerflammen als Symbol für den Heiligen Geist, unten die sieben Siegel. „Wir haben dann eine Rundung eingebaut, damit das Kreuz seine Wirkung richtig entfalten kann“, so der Wetzlarer Pfarrer: „Es ist ein Unikat.“

Die an die ersten reformierten Kirchenbauten angelehnte Kirche wurde vom Presbyterium der Gemeinde als ovaler Zentralbau (im Unterschied zum Längsbau) konzipiert. So gibt es hier keinen Altar, der in der Kirche vorne vor der Gemeinde steht, sondern einen „Sakramentstisch“. Er steht im Zentrum des Raumes, um den sich die Gottesdienstbesucher beim Abendmahl stellen und in den eine Taufschale eingelassen ist. Der Künstler, Markus Zink aus Leipzig, hat auch den Ambo (Lesepult) mit aufgeschlagener Bibel, hinter der der Prediger steht, gestaltet sowie die Liedtafel. Deren Schiefer findet sich in der Taufschale wieder. Das Antependium, der Stoffbehang am Abendmahlstisch, zeigt ebenfalls Elemente des Lebensbaums.

So präsentiert sich der Innenraum der Magdalenenkirche als harmonische Einheit von Kreuz, Wort und Sakrament, um die sich die Gemeinde herumgruppiert. Beteiligung und Kommunikation sind auf vielfältige Weise und unkompliziert möglich, denn die Stühle lassen sich rasch umstellen oder mit Tischen kombinieren – ideal für unterschiedliche Formen von Gottesdiensten und Veranstaltungen.

Die 1958 in Dienst genommene Kirche bekam1978 einen Anbau mit Küche, Gemeinderaum und Abstellräumen, in den 90er Jahren wurde die Kirche umgestaltet. Augenfällig ist zudem die Fotovoltaikanlage. „Sie wurde 1999 installiert und war die erste auf einem Kirchendach hier in der Region und zudem eine der ersten in der rheinischen Kirche“, erklärt Pfarrer Jörg Süß.

Benannt ist die Kirche nach der biblischen Maria aus Magdala, die als Jüngerin unter dem Kreuz stand und dem auferstandenen Christus als erste begegnete, wie eine Tafel am Kircheneingang kundtut.

bkl

Bild 1: Ein Kreuz als Lebensbaum: Diese Skulptur, die gleichzeitig Leid und Hoffnung symbolisiert, steht in der Wetzlarer Magdalenenkirche.

Bild 2: Die Bronzemedaille im Innern des Lebensbaums symbolisiert die Dreieinigkeit Gottes.

Bild 3: Der Innenraum ist als Zentralbau konzipiert: Kreuz, Wort und Sakrament bilden eine harmonische Linie und laden zu Beteiligung und Begegnung ein.

Bild 4: Von außen sieht man die Fotovoltaikanlage auf dem Kirchendach.

Bild 5: Der Eingang der Magdalenenkirche

Bild 6: Die Tafel an der rechten Seite des Eingangs gibt Auskunft über die Namensgeberin der Kirche.