Dr. Margrit Wille rettet Leben in Afrika, Lateinamerika und Asien

Die Wetzlarer Ärztin Dr. Margrit Wille (Ehringshausen-Dreisbach) hat in 15 Auslandseinsätzen vielen Menschen das Leben gerettet oder ihnen zu einem gesünderen Leben verholfen. Das wurde bei einem Vortragsabend im evangelischen Gemeindehaus in Münchholzhausen deutlich.

„Wir kennen und schätzen dich noch als langjährige Hausärztin von Münchholzhausen“, sagte Pfarrer Michael Philipp zur Begrüßung. Wille hat über 30 Jahre lang eine Praxis in dem Wetzlarer Stadtteil betrieben. Seit mehreren Jahren betätigt sie sich als Ärztin im Hospiz Haus Emmaus und reist mit dem christlichen humedica-Ärzteteam nach Afrika, Asien und Lateinamerika. Das Ärzteteam wurde vor 20 Jahren auf Initiative ihres Kollegen Georg Müller (Solms-Albshausen) gegründet. Das 1979 gegründete Werk humedica mit Sitz in Kaufbeuren ist heute in 90 Ländern der Erde humanitär tätig.

Pfarrer Philipp bewunderte den Mut der Ärztin, die sich bei ihren Einsätzen großen Strapazen und Gefahren aussetzt. Er rief die Besucher auf, sie und das humedica-Ärzteteam, das sich gerade in Ostafrika im Einsatz befindet, wo es große Überschwemmungen im Oktober gab, zu unterstützen.

Wille konnte viele ihrer ehemaligen Patienten unter den rund 80 Besuchern begrüßen. Sie hatte Bilder von drei Einsätzen mitgebracht: von einem Gefängniseinsatz in Togo, einer Reise zu dem Urstamm der Kara in Äthiopien und einem Katastropheneinsatz in Ecuador.

Bereits zum zweiten Mal war Wille in 2018 in Äthiopien, wo sie fast 2000 Jahre zurück geworfen war in einen Stamm am Omo-Fluss. Sechs Stunden Fahrt mit einem Jeep vom Flughafen in Addis Abeba entfernt, leben die Kara als Viehbauern mit Ziegenherden. Die Männer tun nichts, die landwirtschaftliche Arbeit ebenso wie der Haushalt und die Kindererziehung werden von den Frauen erledigt.

Als das Ärzteteam in dem Dorf Dus ankam, fand es keine Personen vor, erzählt Wille. Während der Erntezeit leben die Menschen nicht in ihren Holzhütten sondern bauen sich provisorische Häuser am Rand ihrer Felder. Dorthin ist die Ärztin mit ihren Kollegen zu Fuß aufgebrochen und hat die Kara dort untersucht und versorgt. Dabei sah sie viele Kinder mit Würmern im Bauch, Patienten mit Malaria und Magenschmerzen. Wille berichtete, dass sie mit einem Boot drei Stunden lang über den Fluss Omo zu einem anderen Dorf unterwegs war und dabei 150 Krokodile ihren Weg begleiteten.

Im März dieses Jahres war die Medizinerin mit dem humedica-Ärzteteam in Togo. Dort hat das Team gemeinsam mit der christlichen Organisation Prison Fellowship alle 13 Gefängnisse aufgesucht. Von den 5000 Insassen haben sie 4000 gesehen und entwurmt. Dazu wurden Gefangene untersucht und behandelt. Wille bedauerte, dass die Lebenssituation in den Gefängnissen keine hygienischen Verhältnisse zulassen. So stecken sich die Insassen mit allen möglichen Krankheiten immer wieder an. Weit verbreitet sei beispielsweise die Krätze. Die Angehörigen sind übrigens für die Versorgung mit Lebensmitteln ihrer einsitzenden Familienmitglieder verantwortlich.

Wille berichtete, dass sie bereits zwei Mal in Gefängnissen in Uganda gewesen ist. Beim zweiten Mal habe sie bereits verbesserte Bedingungen feststellen können. Prison Fellowship führt die medizinische Versorgung der Gefangenen nach der Abreise des humedica-Ärzteteams weiter, wusste Wille zu erzählen.

Der dritte Bericht führte mit drastischen Bildern nach Ecuador, wo Wille nach einem Erdbeben im Jahr 2016 Verletzte und Traumatisierte behandelt hat. Damals kamen 660 Menschen ums Leben. 1,2 Millionen Ecuadorianer waren von dem Beben der Stärke 7,8 betroffen. Leider waren die Zelte des Ärzteteams nicht mit in die Hauptstadt Quito gekommen. In der Provinz Manabi musste das Team deshalb in einem Gebäude unterkommen, das nachts abgeschlossen war. Erst am nächsten Tag erkannte das Team die gefährliche Situation und vermied künftig, in einem abgeschlossenen Raum zu übernachten.

Wenig später erlebten die Ärzte und ihre Helfer tatsächlich ein Nachbeben und eilten ins Freie. Ein Kollege hatte im ersten Stock übernachtet und fehlte anschließend. Mit großer Sorge machte sich Wille auf die Suche nach ihm. Zum Glück konnte er sich durch ein Fenster nach draußen retten. Wille und ihr Team, bestehend aus drei Ärzten, zwei Pflegekräften und einem Koordinatoren konnten bei diesem Einsatz 850 Patienten behandeln.

Die Ärzte und ihre Helfer gehen mit humedica ehrenamtlich in den gefährlichen Einsatz. Dazu zahlen sie meist ihre Reise und den Aufenthalt selbst, so Wille. Dennoch sei humedica auf Spenden angewiesen, denn die Teams bringen auch die benötigten Medikamente und medizinischen Geräte mit.

lr

Bild 1: Pfarrer Michael Philipp dankt der ehemaligen Münchholzhäuser Hausärztin Dr. Margrit Wille für den Vortrag über ihre Einsätze in drei Ländern. (Foto: Rühl)

Bild 2: Dr. Margrit Wille bei einem Einsatz mit dem humedica-Ärzteteam in einem Gefängnis in Togo. (Foto: humedica)