Den Glauben leben – ohne Ansteckungsgefahr

Ideen und Anregungen der Gemeinden aus dem Kirchenkreis an Lahn und Dill:

„Gott hat uns nicht gegeben den Geist der Furcht, sondern der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit.“
Diesen Bibelvers aus dem 2. Timotheusbrief (Kapitel 1, Vers 7) sprechen derzeit viele Kirchengemeinden den Menschen zu, die unter den Auswirkungen der Corona-Krise leiden. Ein Gottesdienstbesuch ist aufgrund der Ansteckungsgefahr gegenwärtig nicht möglich. Auch alle Veranstaltungen in den Gemeinden und im Kirchenkreis sind abgesagt. Soziale Kontakte sollen möglichst vermieden werden.
Aber in den Gemeinden gibt es viele Ideen um mit der ungewohnten Situation so umzugehen, dass der Kontakt untereinander bestehen bleibt. Dabei findet das geistliche Leben neue Formen und die Menschen erfahren Gottes Segen über neue und andere Wege.

Postkarten und Briefe – nicht nur zum Geburtstag
Sich jetzt wieder aufs Briefe- und Kartenschreiben einzulassen, ist eine gute Möglichkeit, Gemeindeglieder mit persönlichen Grüßen und Botschaften zu erfreuen und sie seelsorglich zu begleiten. In der Kirchengemeinde Hochelheim-Hörnsheim gibt es eine Postkartenaktion. Briefe an die Kindergottesdienstkinder mit Ausmalbildern und kleinen Texten verfasst die Kirchengemeinde Burgsolms. Auch die Konfirmandinnen und Konfirmanden bekommen Post. Für die Seniorinnen und Senioren der Kerngemeinde schreibt Pfarrer Michael Perko kleine Briefe und Grußkarten. „Für alle wird es einen Trost-Gemeindebrief geben, den wir gemeinsam mit allen Solmser Gemeinden auflegen“, fügt der Seelsorger hinzu.

Unterstützung für Familien mit Kindern
Familien mit Kindern sind in einer besonderen Situation, da Schulen und Kindergärten geschlossen sind. Die Kirchengemeinden Dorlar und Atzbach stellen wöchentlich Materialien zur Beschäftigung der Kinder sowohl auf der Homepage als auch bei Anfrage als Paket im Briefkasten zur Verfügung.

Telefonische Erreichbarkeit
Die Verbindung per Telefon hält Jugendreferent Jörg Simon für entscheidend wichtig: „Vor allen Dingen müssen wir telefonischen Kontakt halten zu denen, die alleine sind und eventuell Hilfe, vielleicht auch nur ein Gespräch brauchen.“
Pfarrerinnen und Pfarrer teilen ihren Gemeindemitgliedern ihre Handy-Nummer mit oder verweisen darauf, dass der dienstliche Anschluss mit einem regelmäßig abgehörten Anrufbeantworter ausgestattet ist. Armin Kistenbrügge, Pfarrer der Kirchengemeinden Greifenstein und Edingen, gibt feste Zeiten an, innerhalb derer er telefonisch erreichbar ist.
Einen vor allem telefonisch aktiven „Kümmer“-Dienst hat auch die Kirchengemeinde Hochelheim-Hörnsheim eingerichtet.

Bibelleseaktion
„Wir nutzen die mit der Krise verbundene Entschleunigung und machen eine Bibelleseaktion zusammen: Wir lesen zusammen das Markusevangelium“, so Pfarrer Armin Kistenbrügge. Ab nächster Woche gibt es in den Kirchengemeinden Greifenstein und Edingen für die, die sich angemeldet haben, jeden Tag eine Bibellese mit einem Impuls des Gemeindepfarrers. „Auf diese Weise sind wir, obwohl räumlich auf Sicherheitsabstand, aber geistlich gemeinsam unterwegs“, erklärt Kistenbrügge.

Glockenläuten
Innere Verbundenheit mit anderen Gemeindegliedern und mit Gott im Gebet zu spüren, das ist möglich, während die Kirchenglocken läuten. Viele Gemeinden rufen dazu auf, in dieser Zeit die Hände zu falten und so Trost und Gemeinschaft zu erfahren: burgsolms.ekir.de/

Online-Angebote
Auf die EKD-Webseite www.kirchevonzuhause.de weist die Kirchengemeinde Krofdorf-Gleiberg hin. Hier gibt es digitale, geistliche Angebote für Kirchenmitglieder. Zu den vielfältigen Onlineangeboten, die fortlaufend ergänzt werden, gehören beispielsweise eine Online-Gebetsgruppe, eine Andachts-App oder die Online-Chat-oder E-Mail-Seelsorge. Jugendmitarbeiterin Lea Rompf ist per Handy und über die eigene E-Mail-Adresse der Jugendarbeit weiter für die Jugendlichen und Konfirmanden in der Gemeinde da und hält über diese Kanäle auch Angebote vor. Alle Gemeindeglieder, die ihre E-Mail-Adresse mitteilen, werden aktuell informiert und können über diesen Weg auch Andachten erhalten.
Die Kirchengemeinden Dorlar und Atzbach stellen die jeweilige Sonntagspredigt als Videoaufzeichnung auf der Gemeindehomepage zur Verfügung: www.gemeinde-lebt.de  Ältere Menschen ohne Internet erhalten die Predigt auf Anfrage in Schriftform per Einwurf. Darüber hinaus gibt es eine Mittwochsandacht mit Einspielung von Gesangbuchliedern durch die Organisten als Videoaufzeichnung auf der Homepage der Kirchengemeinde:
„Unter strengen Sicherheitsvorkehrungen haben wir mit Mitarbeitenden aus Gemeinden aus Hüttenberg und Umgebung mit Hilfe des ERF einen Mutmach-Gottesdienst (ohne „Publikum“) aufgezeichnet, der ab Samstag online zu finden ist“, berichtet Pfarrer Carsten Heß aus der Kirchengemeinde Hochelheim-Hörnsheim. Auch die Gemeinden von Pfarrer Horst Daniel und Pfarrer Joachim Grubert sowie die Freikirchen hätten bei dem Projekt mitgemacht. In Kürze soll darüber hinaus eine Wäscheleinenaktion und eine Anleitung für Hausgottesdienste im allerkleinsten Kreis starten. Aktuelle Informationen zu den Angeboten der Gemeinden sind unter www.evangelisch-in-huettenberg.de abrufbar.
Die Kirchengemeinden im Solmser Raum planen, zu Ostern einen gemeinsamen Online-Gottesdienst zu streamen.
Erst vor wenigen Tagen ist die Homepage der Kirchengemeinde Katzenfurt/Daubhausen kirchenhaus.net online gegangen. Hier ist unter anderem eine „Gebetswand“ zu finden, wo die Gemeindeglieder ihre Anliegen eintragen können.
Aktuelle Informationen sind auch auf allen anderen Gemeindehomepages zu finden, über die Homepage des Kirchenkreises erreichbar.

Einkaufsservice
Viele Gemeinden bieten inzwischen einen Einkaufsservice für hilfsbedürftige Menschen an. „Bei uns haben sich dafür 20 motivierte Helfer gemeldet“, berichtet Lea Rompf aus Krofdorf. Weitere Unterstützung ist willkommen, auch von Jugendlichen. Andere Gemeinden wollen diesbezüglich mit der Kommunalgemeinde kooperieren. Gesucht werden auch Menschen, die Medikamente aus den Apotheken abholen und verteilen. Wer mithelfen möchte, kann sich gerne an die eigene Kirchengemeinde wenden.

„Uns allen wünschen wir Gottes Begleitung durch diese ungewissen Zeiten, seinen Geist, der uns besonnen sein lässt, seinen Segen, der uns als Gemeinde zusammenhält“, sagt der Krofdorfer Pfarrer Christoph Schaaf. „Bleiben wir einander verbunden im Geist der Liebe und im Gebet.“

bkl

Einen bunten Strauß guter Ideen bieten die Gemeinden des Kirchenkreises an Lahn und Dill angesichts der Corona-Krise.