„Das Orgelspielen gebe ich niemals auf“

Edwin Leidecker seit 65 Jahren Organist in Katzenfurt:

Eine steile Treppe mit versetzt angeordneten Stufen führt zur Orgelempore in der Evangelischen Kirche Katzenfurt. Edwin Leidecker, seit 65 Jahren auf der dortigen Orgelbank zu Hause, hat keine Probleme, die zahlreichen Stufen hinauf- und hinabzusteigen. Der rüstige 83-Jährige spielt das Instrument des Orgelbauunternehmens Hardt aus Möttau regelmäßig mit viel Herzblut und Engagement. Jeden Sonntag im Gottesdienst und früher auch bei Trauungen und Beerdigungen, auch in den benachbarten Dörfern und bei vielfältigen weiteren Anlässen. „Es macht immer noch Freude“, erzählt der langjährige Organist, „das Orgelspielen gebe ich niemals auf!“ Und so kündigt er an, nach seiner Verabschiedung am nächsten Sonntag seinen Nachfolger bei Bedarf gern vertreten zu wollen. Das freut die Kirchengemeinde, denn gute, zuverlässige Organisten, sind rar. Vor allem aber Menschen, die mit solch einer Liebe mit ihrem Instrument verbunden sind wie Edwin Leidecker.

Mit 12 Jahren saß er zum ersten Mal an der Orgel der Dillheimer Kirche. „Ich bin Autodidakt“, erzählt er, „und habe auf diese Weise erst das Spiel am Harmonium gelernt, dann an der Orgel. Sein erstes Instrument sei eine Konzertzither gewesen. Als Zehnjähriger hat sich Leidecker an diesem Instrument versucht. Später kamen auch Trompete, Zugposaune und Tuba hinzu sowie seine Aufgabe als Chorleiter im CVJM-Posaunenchor von 1964 bis 1996. „Aber die Orgel, die Königin der Instrumente, hat mich am meisten gereizt“, sagt Leidecker. „Sie ist einmalig, denn so viele Möglichkeiten bietet kein anderes Instrument.“ Und das führt er auch gleich vor, und zwar an der Orgel, deren Disposition und Aufbau er maßgeblich begleitet hat und mit deren Spiel er seit ihrer Indienstnahme 1965 in der Katzenfurter Kirche vertraut ist. 1.000 Pfeifen hat das Instrument, verteilt auf 13 Register sowie einen Tremulant im Oberwerk, der die Töne zum Schwingen bringt. Die Orgel hat zwei Manuale und Pedal, diese könne mit Manualkoppeln miteinander verbunden werden. Da gibt es zahlreiche Kombinationsmöglichkeiten und damit eine unerschöpfliche Klangvielfalt. An Literatur spielt Leidecker gern die alten Komponisten wie Dietrich Buxtehude, Johann Sebastian Bach und Felix Mendelssohn-Bartholdy. Aber auch moderne Tonkünstler wie Gustav Gunsenheimer und Ekkehart Nickel gehören zu seinem Repertoire.

„1994 gab es einen Wassereinbruch in der Kirche. Auch die Orgel musste damals ausgebaut und getrocknet werden“, erzählt der rührige Organist. In der Zeit der Restaurierung musste sich die Gemeinde mit einem Orgelpositiv als Leihgabe begnügen. Bei der Neuintonierung der Pfeifen habe er Wünsche äußern dürfen, berichtet Leidecker. Seitdem hat die Orgel einen lieblicheren Klang.

Leideckers Verbundenheit gilt jedoch nicht nur der Orgel, sondern auch dem Kirchengebäude, seiner Kirchengemeinde und der Heimatgeschichte. Vier Gemeindepfarrer hat Edwin Leidecker bereits erlebt, 32 Jahre war er als Presbyter und damit im Leitungsgremium seiner Kirchengemeinde tätig. Dies aus der Überzeugung, dass man sich in die Gemeinde einbringen und Verantwortung übernehmen müsse. Und so war der verheiratete Vater einer Tochter und Großvater einer Enkelin unter anderem im Bauausschuss tätig und hat die Freilegung der Fresken im Turm der Kirche kompetent begleitet.

Einmal habe es in der Dillheimer Kirche in den 50er Jahren bei einer Trauung keinen Strom gegeben. Zur Erleichterung des Organisten konnte die alte Dillheimer Orgel noch mit Blasebälgen getreten und damit die Orgelpfeifen mit Luft versorgt werden. So beauftragte er rasch zwei Jungen mit dieser Aufgabe. Doch als diese die Kräfte verließen, begannen die Töne wegen der fehlenden Luft zu „heulen“.  Abgesehen von solchen wenigen heiklen Erfahrungen kann Leidecker im Rückblick auf seinen 65-jährigen Dienst als Organist sagen: „Es war eine schöne Zeit. Sie hat mich erfüllt. Ich bin auch in die Kirche gegangen, wenn kein Gottesdienst war und habe einfach nur für mich gespielt.“ Und auch im Blick auf die Zukunft des Organistendienstes in Katzenfurt ist Edwin Leidecker zuversichtlich. Über seinen jungen Nachfolger, den er selbst unterrichtet hat, sagt er: „Der ist für mich ein Glücksfall. Er ist sehr fleißig im Üben und lebt mit der Musik!“

Am Sonntag, 9. Februar, wird Edwin Leidecker um 10 Uhr im Rahmen eines Gottesdienstes in der Evangelischen Kirche Katzenfurt (Kirchstr.) verabschiedet. Gleichzeitig wird sein Nachfolger Jan Paul Götze eingeführt. Und diesmal darf Edwin Leidecker einfach nur zuhören: Die Orgel in diesem Gottesdienst spielt nämlich Kreiskantor Dietrich Bräutigam.

bkl

Edwin Leidecker, der 65 Jahre lang in der Katzenfurter Kirche die Orgel gespielt hat, wird am 9. Februar im Gottesdienst verabschiedet.