Das Hugenottenkreuz und die Glaubenstreue reformierter Flüchtlinge

In der Evangelischen Kirche Daubhausen:

Das christliche Kreuz findet sich in der Hugenottenkirche Daubhausen nicht nur in der gewohnten Form, sondern auch als sogenanntes „Hugenottenkreuz“, das Erkennungszeichen der reformierten Kirche Frankreichs. Hans-Martin Spehr  und Sybille Bräuniger, beide Mitglieder im Vorstand des Hugenotten-Freundeskreises Daubhausen/Greifenthal, wissen viel darüber zu berichten.

Das Hugenottenkreuz entstand der Überlieferung nach um 1688 aus den Elementen Kreuz, Taube und Lilie. Der Goldschmied Maystre in Nimes soll es entworfen und gestaltet haben. Die vier Arme des Kreuzes zeigen auf den Mittelpunkt als die „Gemeinde unter dem Kreuz“. Die Spitzen an den Kreuzesarmen erinnern an die acht „Seligpreisungen“ aus dem Matthäusevangelium, Kapitel 5, Verse 3-10. Zwischen den Kreuzarmen befinden sich Lilien. Sie erinnern an Kernsätze der Bergpredigt: „Sammelt euch Schätze im Himmel… Denn wo dein Schatz ist, da ist auch dein Herz!“ und „Sorget nicht um euer Leben… Schaut die Lilien auf dem Feld an, wie sie wachsen.“ Die Lilien stehen für Reinheit, sind aber gleichzeitig auch Wappenblume der Bourbonen und drücken damit die Königstreue der Hugenotten aus. An einem Kettenglied eingeklingt hängt im unteren Kreuzesarm eine Taube als Hinweis auf den Heiligen Geist.

In der Hugenottenkirche Daubhausen ist solch ein Kreuz in hölzerner Form rechts neben der Kanzel an der Wand befestigt.

Auch innen auf dem Chorbogen, der Turm und Schiff verbindet, ist das Hugenottenkreuz eingezeichnet. Darüber steht „RÉSISTEZ“ („Widersteht“ im Sinne von „Bleibt standhaft!“). Dies in Erinnerung an Marie Durand (1711-1776), eine Hugenottin, die 1730 wegen ihres Glaubens in den Kerker von Aigues-Mortes, in der südfranzösischen Camargue eingesperrt wurde. 38 Jahre lang hat sie dort ihre Mitgefangenen ermutigt, ihrem reformierten Glauben treu zu bleiben. Es heißt, sie habe in den Sandstein des Gefängnisses das Wort „RÉSISTEZ“ eingeritzt.

Französische Glaubensflüchtlinge wurden 1685 von Graf Wilhelm Moritz zu Solms-Greifenstein in Daubhausen und später auch in Greifenthal angesiedelt. Da die Turmhalle des bereits 1370 erwähnten Wehrturms für die Feier der Gottesdienste zu klein war, bauten die Hugenotten das jetzige kleine Kirchenschiff an und weihten es 1710 ein. Eine Gedenktafel mit den Namen der eingewanderten hugenottischen Familien hängt vom Eingang aus gesehen rechts neben der Kanzel. Auch hierauf ist das Hugenottenkreuz abgebildet. Auf dem Abendmahlstisch liegt eine französische Bibel von 1779.

Auch heute finden in der Hugenottenkirche Daubhausen noch Gottesdienste statt. In Französisch wurden sie bis 1825 gehalten.

Den Hugenotten-Freundeskreis Daubhausen/Greifenthal gibt es seit 1986. 2008 wurde das der Kirche gegenüber liegende Museum eröffnet.

bkl

Bild 1: Hans-Martin Spehr und Sybille Bräuniger zeigen das Hugenottenkreuz vor der Gedenktafel mit den Namen der eingewanderten reformierten Glaubensflüchtlinge.

Bild 2: „RÉSISTEZ“ heißt es über dem Hugenottenkreuz auf dem Chorbogen in Erinnerung an den Widerstand von Marie Durand.

Bild 3: Auf dem Chorbogen ist das Hugenottenkreuz aufgemalt, rechts neben der Kanzel hängt ein hölzernes Hugenottenkreuz, daneben befindet sich die Gedenktafel mit den Namen der Glaubensflüchtlinge.

Bild 4: Ein mächtiger alter Wehrturm und ein kleines Kirchenschiff bilden die Hugenottenkirche in Daubhausen.