Brücken bauen und Menschen seelsorglich begleiten

Pfarrehepaar Volkmar Kamp und Tanja Kamp-Erhardt zieht gen Norden:

Tanja Kamp-Erhardt, Pfarrerin zur Entlastung des Superintendenten in der Kirchengemeinde Kölschhausen, und Volkmar Kamp, Pfarrer der Kirchengemeinden Leun/Tiefenbach, werden nach 18 Jahren in verschiedenen Dörfern des Kirchenkreises eine neue Aufgabe übernehmen.

Gemeinsam mit Lina (8) und Hannes (5) geht es nach Lilienthal in der Nähe von Bremen, also von der rheinischen in die hannoversche Landeskirche.

Dort hat das Pfarrehepaar eine Stelle gefunden, die genau auf seine familiäre Situation passt: Sie hat einen Dienstauftrag von 50 Prozent, er von 100 Prozent. „Ich werde dann in der Gemeinde wohnen, in der ich arbeite“, freut sich Tanja Kamp-Erhardt. Das Hin- und Herpendeln zwischen Leun und Kölschhausen ist für sie zunehmend schwieriger geworden, besonders, als es in der Gemeinde ihres Mannes zum Aufbau einer Familienarbeit mit Freizeiten kam, bei der sie sich ehrenamtlich engagiert hat.

In Oldenburg geboren studierte Tanja Kamp-Erhardt Theologie in Bonn und Hamburg und absolvierte ihr Vikariat in Euskirchen sowie in den Kirchengemeinden Hohensolms und Blasbach. Als Pfarrerin zur Anstellung hatte sie im Anschluss die Stelle zur Entlastung des stellvertretenden Superintendenten in den Kirchengemeinden Waldsolms-Nord und Schöffengrund inne und wurde 2004 in der Griedelbacher Kirche ordiniert. 2006 übernahm die Theologin die Pfarrstelle zur Entlastung von Superintendent Roland Rust in der Kirchengemeinde Kölschhausen. Nach sechs Jahren Elternzeit versieht Tanja Kamp-Erhardt diese Stelle seit 2016 mit einem Dienstauftrag von 50 Prozent.

Die 45-Jährige hat es immer wieder geschafft, sich neuen Situationen in der Gemeinde und in ihrem Leben mit Kreativität und Einfühlungsvermögen anzupassen. „Die Menschen hier sind sehr ansprechbar für Glauben, Gott und Kirche“, sagt sie. „An diese Offenheit konnte ich in der Gemeindearbeit gut anknüpfen.“ So bot Kamp-Erhardt die Praxis der Aussegnung an Verstorbenen ein, eine kleine Feier mit Gebet und Segen, die auch die Angehörigen tröstet. Darüber hinaus ließ die Seelsorgerin sich zur „Geistlichen Begleiterin“ ausbilden, wobei es darum geht, den eigenen spirituellen Weg zu finden. Hilfreich nicht nur für die Predigtvorbereitung, sondern auch, um meditative Elemente in die Gemeindearbeit einzufügen. Nach der Elternzeit gründete sie in der Kirchengemeinde Kölschhausen eine Krabbelgruppe, hielt Gottesdienste in den Kitas in Kölschhausen und Bechlingen und bot erstmals Krabbelgottesdienste an Heiligabend an – vormittags, weil es dann für Kinder und Eltern entspannter zuging. Gut zusammengearbeitet hat sie in der Gemeinde mit Superintendent Roland Rust und mit Pastorin Dagmar Krauth-Zirk aus Altenkirchen, mit der sie sich in den letzten drei Jahren die pfarramtlichen Aufgaben teilte.

Als Brückenbauer in der Gemeinde hat sich Pfarrer Volkmar Kamp hauptsächlich verstanden. „Alle Menschen, die guten Willens sind, zusammenzubringen, das ist hier nötig“, erklärt er. Eine echte Herausforderung, nicht nur in zwei Gemeinden mit unterschiedlicher traditionell-theologischer und konfessioneller Prägung, sondern auch mit vielfältiger politischer Einstellung, mit Menschen verschiedener Nationen und gegensätzlichen Persönlichkeiten, ein Querschnitt der Gesellschaft auf engstem Raum. So hat der 50-Jährige gute Kontakte zu Gemeinschaft und CVJM geknüpft, zur katholischen Kirchengemeinde und den Vereinen. Eine Gratwanderung sei es oft gewesen, sagt Kamp, und die Aufgabe der Vermittlung und Versöhnung habe er sehr ernst genommen: „Wichtig war mir, jeweils vor Ort zu sehen, wie ich hier und jetzt das Evangelium verkündigen kann.“ Dabei blieben auch eindeutige Botschaften nicht aus: „Klare Kante gegen Rechtsextremismus zu zeigen, da waren wir uns in allen christlichen Gruppierungen einig.“

Der aus Rheydt (Mönchengladbach) gebürtige Volkmar Kamp studierte in Wuppertal, Tübingen und Bonn evangelische Theologie und war in der Evangelischen Kirchengemeinde Krefeld-Süd als Vikar tätig. Als Pfarrer zur Anstellung wirkte er in den Kirchengemeinden Kleve und Swisttal und wurde 1998 in Kleve ordiniert. Pfarrer der Evangelischen Kirchengemeinden Leun und Tiefenbach ist Volkmar Kamp seit 2001 und hat anfangs zusätzlich zwei evangelische Kindergärten in Leun als Träger betreut, bevor diese 2004 kommunal wurden. Zehn Jahre lang war der Theologe Mitglied im kreiskirchlichen Rentamtsauschuss sowie Delegierter des Kirchenkreises zur rheinischen Landessynode.

Besonders geschätzt haben die Menschen aus Leun und Tiefenbach Kamps Gabe, sich ihnen bei seelsorglichen Gesprächen und in der Gestaltung von Gottesdiensten, Taufen, Trauungen und Beerdigungen so zuzuwenden, dass sie sich ernst genommen und wertgeschätzt fühlten.

 

Verabschiedet wird Pfarrerin Tanja Kamp-Erhardt am Donnerstag, 20. Juni, im Gottesdienst um 14 Uhr im Rahmen des Gemeindetages auf dem Seeberg in Dreisbach.

Der Gottesdienst zur Verabschiedung von Pfarrer Volkmar Kamp findet am Sonntag, 30. Juni, um 15 Uhr in der Evangelischen Kirche Leun statt. Im Anschluss gibt es jeweils einen Empfang mit Kaffeetrinken, in Leun im evangelischen Gemeindehaus (Pfarrgasse 13). Die Entpflichtung vom Dienst nimmt für beide Geistliche der leitende Theologe des Kirchenkreises an Lahn und Dill, Pfarrer Roland Rust vor.

bkl

 

 

Pfarrerin Tanja Kamp-Erhardt und Pfarrer Volkmar Kamp nehmen Abschied von den Evangelischen Kirchengemeinden Kölschhausen, Leun und Tiefenbach und wechseln in eine Pfarrstelle der Evangelisch-Lutherischen Landeskirche Hannovers.