Bilder erklären, warum am Nikolaustag Kinder beschenkt werden

Evangelische Kirche Erda wurde ursprünglich dem Bischof von Myra geweiht:

Dass die evangelische Kirche in Erda einst dem Heiligen Nikolaus geweiht wurde, dessen Gedenktag der 6. Dezember ist, zeigen heute noch Bilder im Chorraum und am Aufgang zur Empore.

Die Decke des romanischen Chorraumes ist mit zahlreichen Ornamenten und mit Bildern verziert, die 1967 bei der Renovierung der Kirche teilweise freigelegt werden konnten. Hier befindet sich auch ein Bild des Nikolaus, der in Myra in Kleinasien, das heute zur Türkei gehört, im 4. Jahrhundert als Bischof wirkte. Es handelt sich bei dem Bild um naive Bauernmalerei aus der Zeit um 1815. Es zeigt den Heiligen mit einem großen Sack auf dem Rücken und zwei Kindern neben ihm. Damit wird symbolisiert, dass der Nikolaus die Kinder beschenkt.

Wo der Ursprung dieses schönen Brauches zu finden ist, erklärt eine Tafel mit dem Bildnis des Nikolaus im Kirchenschiff am Aufgang zur Empore. Es zeigt den Geistlichen mit Bischofsstab und drei Goldstücken in der linken Hand. Der Legende nach hat Nikolaus drei Jungfrauen vor der Prostitution bewahrt. Deren Vater sah keine Möglichkeit, seine Töchter zu verheiraten, da er so arm war, dass er das Geld für die Mitgift nicht aufbringen konnte. Nikolaus, Erbe eines größeren Vermögens, warf daraufhin an drei aufeinander folgenden Nächten je ein Goldstück in das Zimmer der schlafenden Jungfrauen, um ihnen auf diese Weise eine standesgemäße Heirat zu ermöglichen. Daran erinnert das Kunstwerk in der Erdaer Kirche, bei dem es sich um eine Nachbildung handelt. Das kostbare Original wurde 1971 als Seitenflügel eines Flügelaltars bei der Renovierung des alten Erdaer Pfarrhauses gefunden und mit hohem Aufwand restauriert. Dabei fand man auf dem Rahmen des Flügels auch die Jahreszahl 1488 und damit das Alter der Entstehung. Eine Aufbewahrung in der Kirche wäre aufgrund der notwendigen konstanten Temperatur und Luftfeuchtigkeit sowie einer Diebstahlsicherung jedoch zu kostspielig gewesen. Das Original kann heute im Wetzlarer Industriemuseum besichtigt werden.
Die Kirche birgt noch zahlreiche weitere Kunstwerke. Deshalb und auch aufgrund seiner Größe wird das Gotteshaus im Volksmund auch als „Hinterländer Dom“ bezeichnet. Das Jahr seiner Erbauung lässt sich nicht mehr genau feststellen. 1246 wird erstmals ein Pfarrer von Erda erwähnt, doch ist ein höheres Alter der Kirche wahrscheinlich. 1967 wurden Mauerreste einer noch älteren Kirche gefunden. Die dicken Mauern, die Schießscharten im Turm und die hoch angelegten Fenster weisen auf eine Wehrkirche als ehemaligen Zufluchtsort der Dorfbevölkerung hin.

Vermutlich aus der Zeit der Frühgotik (1250-1300) stammt das mehrfach umgebaute Kirchenschiff. Die Decke wird innen von 12 Holzpfeilern getragen. Bilder alttestamentlicher Propheten, Szenen aus dem Leben Jesu und von seiner Auferstehung sowie Bilder seiner Jünger finden sich an der vom Haupteingang aus gesehen rechten Empore („Burschenempore“). Die Empore gegenüber hieß die „Wilsbacher Bühne“, denn hier saßen bis 1812 die Kirchgänger aus der ehemaligen Filialgemeinde Wilsbach.

Bibelverse an der Orgelempore und an der Wand zum Chorraum verdeutlichen die Botschaft von der christlichen Nächstenliebe, die die Bilder von Bischof Nikolaus zum Ausdruck bringen: „Seid nit allein Hörer sondern auch Thäter des Worts“ (Jakobusbrief, Kapitel 1, Vers 22) und „Die Liebe Verträget alles. Sie vertrauet alles, sie hoffet alles, sie duldet alles doch ohne liebe ist alles Todt“ (1. Korintherbrief, Kapitel 13, Vers 7).

bkl

Bild 1: Das Bild des Nikolaus mit großem Sack zeigt den Bischof als Freund der Kinder.

Bild 2: Vor dem Chorraum fällt der Blick auf das Bild des Nikolaus oben in der Mitte des Gewölbes.

Bild 3: Diese Nachbildung eines kostbaren Seitenflügels eines Flügelaltars mit dem Bildnis des Bischofs Nikolaus von Myra mit drei Goldstücken hängt am Aufgang zur Empore.

Bild 4: Die Dorfkirche von Erda wird aufgrund ihrer Größe im Volksmund auch „Hinterländer Dom“ genannt.

Bild 5: Die evangelische Kirche in Erda birgt zahlreiche christliche Kunstwerke.