Ausstellung würdigt Geschichte und Wirken der Diakonissen

Die Geschichte und das Wirken der Königsberger Diakonissen der Barmherzigkeit steht im Mittelpunkt einer Ausstellung, die derzeit im Neuen Rathaus (Ernst-Leitz-Straße 30) zu sehen ist. Auf 25 Infotafeln wird die Historie des christlichen Werkes in Texten und Bildern nachgezeichnet.

Hausherr Oberbürgermeister Manfred Wagner (SPD) würdigte das Leben der Diakonissen, die ab in der Nachkriegszeit mit ihren unverkennbaren weißen Hauben das Stadtbild in Wetzlar prägten. Sie waren im Stadtkrankenhaus, in Kirchengemeinden sowie in den eigenen Häusern auf dem Altenberg als auch im Haus Königsberg sowie im Schwesternwohnheim und in der Mutterhaus-Verwaltung eingesetzt. Wagner erinnerte daran, dass die Geschichte des Mutterhauses bereits vor rund 170 Jahren begann. 1850 wurde das Werk in Königsberg in Ostpreußen gegründet. Heute sei es Teil der Geschichte der Diakonie, die auf den Theologen Theodor Fliedner (1800 bis 1864) zurück geht, dessen Ehefrau Friederike aus Braunfels stammte. Er habe eine Bildungsarbeit für evangelische Pflegerinnen in Kaiserswerth (heute Stadtteil von Düsseldorf) ins Leben gerufen, das den Grundstein für das seit dem 19. Jahrhundert bestehende Diakonissenamt legte. Damals hätte dies Frauen eine Lebensperspektive gegeben, die sie in einer Lebens- und Dienstgemeinschaft fanden.

Der Vorsitzende des Freundeskreises der Königsberger Diakonie, Dr. Christean Wagner (Lahntal), dankte Stadträtin Sigrid Kornmann (FDP), die sich für den Standort der Ausstellung eingesetzt hat. Seit 1955 hätten die ostpreußischen Diakonissen im Kloster Altenberg und in Wetzlar gewirkt und seien ein fester Begriff in der Region. Viele aber wüssten nichts über ihren Weg aus Ostpreußen nach Mittelhessen. Der ehemalige Vorsitzende der CDU-Fraktion im Hessischen Landtag erinnerte daran, dass die christliche Gemeinschaft 1945 ihre Heimat Ostpreußen verlassen musste und nach zehn Jahren Aufnahme in verschiedenen Häusern der Kaiserswerther Diakonie im Kloster Altenberg ein Zuhause fanden. Wagner, der selbst in Königsberg geboren wurde, lobte das Engagement der heutigen Königsberger Diakonie als Zeichen der Völkerverständigung. Regelmäßig besuchten sie das Gebietskrankenhaus Kaliningrad, das die Wiege des christlichen Werkes ist. In Kaliningrad wachse unter den Mitarbeitern das Interesse an der Geschichte des Krankenhauses. Er freue sich, dass das segensreiche Wirken der Diakonissen in den Einrichtungen in Wetzlar, Braunfels und Hüttenberg seine Fortsetzung findet. Die Diakonissen hätten sich einst im festen Glauben an Gott selbstlos dem Dienst am Nächsten zur Verfügung gestellt.

Ein Jahr lang hat die Historikerin Dr. Andrea Pühringer (Grünberg) die Historie wissenschaftlich aufgearbeitet und daraus die Ausstellung entwickelt sowie einen erläuternden Katalog verfasst. Erstmals sei damit die Geschichte der Königsberger Diakonissen der Barmherzigkeit wissenschaftlich dokumentiert. Zeichnungen und Karten lieferte Melanie Müller-Bering (Marburg) dazu. Die Gestaltung stammt von Tom Engel (Ebsdorfergrund).

Pühringer sagte, die Dokumentation stelle einen Teil der Pflege- und Medizingeschichte dar. Sie würdigte die Leistungen der pietistischen Netzwerke und der Inneren Mission für die Arbeit von Frauen im 19. Jahrhundert. Ihre Leistung habe darin bestanden das umfangreiche Material gekürzt, vereinfacht und zugespitzt für die Allgemeinheit aufzuarbeiten. Bemerkenswert fand sie, dass die Königsberger Diakonissen einst die einzigen Personen waren, die mit medizinischen und pflegerischen Kenntnissen in den wenig besiedelten Gebieten Ostpreußens Hilfe leisteten. Auf dem Höhepunkt der Königsberger Diakonie seien bis zu 1000 Schwestern aktiv gewesen. Von den heute noch lebenden Diakonissen konnten drei an der Ausstellungseröffnung teilnehmen. Die Leiterin der Königsberg Diakonie Eva Steinmetz sagte vor rund 100 Besuchern der Vernissage „Es ist ein guter Tag für uns alle“, denn jetzt werde das segensreiche Wirken der Diakonissen dargestellt. Das Leitbild der Frauen mit ihren weißen Hauben sei von Anfang an das biblische Motto aus der Geschichte über den barmherzigen Samariter: „Gehe hin und handle ebenso“ (Lukasevangelium, Kapitel 10, Vers 37). Barmherzigkeit sei eine Eigenschaft des menschlichen Charakters, die helfe das Herz zu öffnen und sich des Nächsten anzunehmen. Dies werde auch heute noch in der Königsberger Diakonie gelebt.

Die Königsberger Diakonie ist heute Trägerin von vier Alten- und Pflegeheimen in Wetzlar, Hüttenberg und Braunfels und betreut in diesen Häusern 300 alte und pflegebedürftige Menschen. Im Kloster Altenberg ist die Ausbildung sowie eine Qualifizierungs- und Beschäftigungsmaßnahme für benachteiligte Menschen untergebracht. Zur Königsberger Diakonie in Wetzlar gehören weiterhin ein Bildungszentrum für Altenpflegeberufe, ein Bildungsträger beruflicher Rehabilitation, Betreutes Wohnen sowie ein ambulanter Pflegedienst.

Die Ausstellung unter dem Thema „Die Königsberger Diakonissen der Barmherzigkeit“ ist noch bis zum 16. August im Neuen Rathaus (Ernst-Leitz-Straße 30) zu sehen. Geöffnet ist sie montags bis freitags von 8 Uhr bis 18 Uhr. Mittwochs schließt sie bereits um 17 Uhr.

Bild: Eröffnung der Ausstellung im Neuen Rathaus in Wetzlar. Die Historikerin Dr. Andrea Pühringer, Vorstand Eva Steinmetz, der CDU-Landtagsabgeordnete Frank Steinraths, Schwester Helga Janzen, Schwester Käthe Grundtner, Dr. Christean Wagner, Oberin Hannelore Skorzinski und Oberbürgermeister Manfred Wagner.

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