Auf Augenhöhe kommunizieren

Pfarrer Andreas Müller-Eidam tritt in den Ruhestand:

Viel erlebt und vieles bewirkt hat er in seiner Zeit als Pfarrer zweier Gemeinden im ehemaligen Evangelischen Kirchenkreis Braunfels, 19 Jahre in Niedergirmes und fast 15 Jahre in Oberbiel. Jetzt tritt Andreas Müller-Eidam zum 1. September in den Ruhestand.

„Wichtig war mir immer, den Menschen so zu begegnen, dass sie sich angenommen und wertgeschätzt fühlen“, erklärt der Theologe. „Dann entwickeln sie Freiheit und Kreativität, die sie gern in die Gemeindearbeit einbringen.“ Auf diese Weise hätten viele ihre Individualität entfalten können. Zudem habe er in Oberbiel ein sehr offenes Presbyterium erlebt, bereit, Neues anzugehen. So sei beispielsweise ein Bücherbasar entstanden, das Veranstaltungsformat „Futtern wie bei Luthern“ oder die Frauengruppe „after eight“, Frauen mittleren Alters, die auch den jährlichen Mirjamgottesdienst vorbereiten. Mit der Kirchengemeinde Berghausen habe sich das Seniorenprojekt „Urlaub ohne Koffer“ entwickelt. „Die Bildungsarbeit mit Kindern und Erwachsenen war mir ein Anliegen, im Bibelgesprächskreis, in der Grundschule und im Kindergottesdienst.“ Außerdem sei ein eigenes Konzept für Konfirmandenarbeit entstanden.

„In Niedergirmes habe ich gelernt, mit Menschen ganz unterschiedlicher sozialer Herkunft auf Augenhöhe zu kommunizieren“, erinnert sich der 64-Jährige. Dort hat er er auch viel mit Muslimen zusammengearbeitet, insbesondere aus dem Dachverband DITIB und regelmäßig an den Veranstaltungen zum Fastenbrechen teilgenommen. Als Synodalbeauftragter war er kirchenkreisweit ansprechbar für alle Fragen zum Islam. „Man bekommt dabei eine ganz neue Offenheit für christliche Themen“, beschreibt Müller-Eidam seine Erfahrung.

Geboren ist der Theologe 1954 in Ratingen. Nach dem Abitur absolvierte er seinen Zivildienst in der evangelischen Nervenklinik „Stiftung Tannenhof“ in Remscheid und ließ sich zum Krankenpflegehelfer ausbilden. Theologie hat Müller-Eidam anschließend in Wuppertal, Göttingen und Tübingen studiert. Dem Gemeindevikariat in Wuppertal-Unterbarmen schlossen sich zwei Jahre als wissenschaftlicher Assistent bei Professor Robert Bach (Altes Testament) an der Kirchlichen Hochschule Wuppertal (heute: „Kirchliche Hochschule Wuppertal/Bethel“) an. Nach seiner Ordination am 16. Juni 1985 wirkte der Seelsorger als Pastor im Hilfsdienst in der Evangelischen Kirchengemeinde Rechtenbach. Seine erste Pfarrstelle in der Kirchengemeinde Niedergirmes trat der Theologe 1986 an. Seit dem 1. Januar 2005 ist Andreas Müller-Eidam Pfarrer der Evangelischen Kirchengemeinde Oberbiel.

Verheiratet ist der Seelsorger  mit Ulrike Eidam, die Pfarrerin in der Kirchengemeinde Berghausen ist. Beide haben eine erwachsene Tochter und einen erwachsenen Sohn.

Im Rückblick bleibt ein ambivalenter Eindruck: „Ich konnte einiges bewirken“, unterstreicht der Theologe. „Ich hatte die Freiheit, vieles auszuprobieren und den Menschen auf unterschiedliche Weise zu vermitteln, worum es mir ging.“ Einschränkend habe er jedoch das jahrelange Ringen um neue Strukturen und die anhaltende Diskussion um die Finanzlage als Hindernis erfahren auf dem Weg zu größerer wirksamer Nähe und dem Verständnis von Menschen vor Ort.

Und welche Pläne hat er für den Ruhestand? Hin und wieder mal einen Gottesdienst zu halten, das könne er sich vorstellen, sagt Andreas Müller-Eidam, der in Oberbiel bleibt und dort in ein eigenes Haus einzieht. Aber erst einmal möchte er sich Zeit für sich selbst nehmen, den Garten gestalten, wandern und länger in den Urlaub fahren.

Die Möglichkeit zur Verabschiedung von Pfarrer Müller-Eidam besteht im Gottesdienst am Pfingstmontag, 10. Juni ab 14 Uhr in der Evangelischen Kirche Oberbiel. Anschließend gibt es eine Nachfeier im evangelischen Gemeindehaus (Wetzlarerstr. 44, Eingang Schulgartenstr.).

bkl

Andreas Müller-Eidam, langjähriger Pfarrer der Evangelischen Kirchengemeinden Niedergirmes und Oberbiel, tritt zum 1. September in den Ruhestand.