Angesteckt statt ausgebrannt

Spirituelle Tankstelle für Notfallseelsorgerinnen und Notfallseelsorger:

Bei einem schweren Verkehrsunfall, bei einem Brand mit Todesfolge, beim plötzlichen Tod eines Menschen oder auch bei Selbsttötung werden sie meistens von der Polizei oder den Rettungskräften gerufen: die ehrenamtlichen Mitarbeiter der Notfallseelsorge. Dabei erleben sie auch selbst belastende Situationen.


In Mittelhessen gehören 70 Personen zur Notfallseelsorge, die von Pfarrer Eberhard Hoppe (Herborn) seit zehn Jahren koordiniert wird. Hoppe ist sowohl für die Notfallseelsorgerinnen und Notfallseelsorger in der hessen-naussauischen Kirche als auch für die zur rheinischen Kirche gehörenden Mitarbeitenden zuständig, denn beide Landeskirchen teilen sich in Mittelhessen die Seelsorgearbeit. In der Notfallseelsorge engagieren sich nicht nur Pfarrerinnen und Pfarrer, sondern auch Prädikantinnen und Prädikanten und andere Mitarbeitende aus den Kirchengemeinden. Auch sie sind gefährdet, angesichts des aufreibenden Dienstes auszubrennen. Dies hat den Beauftragten für Notfallseelsorge der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN), Pfarrer Andreas Mann (Wiesbaden), dazu motiviert, eigene Treffen für diese Personengruppe zu initiieren. Bisher hat er fünf sogenannte „Spirituelle Tankstellen“ initiiert. In Wetzlar fand jetzt die erste in der Unteren Stadtkirche mit 30 Teilnehmenden statt.


Zunächst soll es jeden dritten Mittwoch im Monat diese Veranstaltungsreihe bis Ende 2020 geben. Notfallseelsorger erlebten nicht immer den nötigen Rückenwind für ihr anspruchsvolles und anstrengendes Engagement, begründete Mann die „Spirituelle Tankstelle“. Auch kirchliche Repräsentanten würden an der Sinnhaftigkeit der Einsätze zweifeln. Die Treffen sollten den Ehrenamtlichen die Erfahrung geben, dass sie nicht allein sind. „Es ist ein erster Schritt, eine Form gemeinsamer Spiritualität auszuprobieren“, so der Pfarrer. Die Tankstelle solle kein Blaulichtgottesdienst für andere sein, sondern bewusst für die, die die Notfallseelsorge tragen.

Pfarrer Eberhard Hoppe hatte das Treffen in der Unteren Stadtkirche mit dem Leitungsteam der Notfallseelsorge Mittelhessen vorbereitet. Mit Pfarrer Marcus Brenzinger (Aßlar-Werdorf) teilte er sich die Andacht zur Weihnachtsgeschichte. Während Brenzinger die Situation von Maria vorstellte, die am liebsten davon gelaufen wäre, stellte Hoppe Josef vor, dem dem es in der Bibel heißt, dass er Maria verlassen wollte, als er erfuhr, dass sie schwanger war. Beide seien in ausweglose Situationen geraten. Da erschien dem Josef ein Engel. „Als er ausgebrannt war, wurde er von Gott neu angesteckt“, so Hoppe.
„Auch in der Notfallseelsorge kommen manchmal Dinge auf einen zu, wo man weglaufen möchte. Dabei zu entdecken, dass Gott mit uns ist, kann uns wieder motivieren“, so der Leiter der Notfallseelsorge.

Caroline Dietrich (Herborn) hatte das Friedenslicht aus Bethlehem mit in die Untere Stadtkirche gebracht. Die Teammitglieder gingen durch die Reihen und gaben das Friedenslicht weiter. Dazu erläuterte Dietrich, dass 1986 ein Mitarbeiter des Österreichischen Rundfunks (ORF) die Idee hatte, das Licht aus der Geburtsgrotte in Bethlehem nach Österreich zu holen. Dies sei inzwischen ein Brauch geworden, der eine Lichtspur durch ganz Europa gezogen hat.

„Das Friedenslicht ist keine magisches Zeichen, das den Frieden herbeizaubern kann“, so Dietrich, „aber es erinnert uns an unsere Pflicht, uns für den Frieden einzusetzen. „Die Flamme ist ein Licht, das uns Notfallseelsorgern immer wieder Kraft schenkt unseren Dienst zu tun und ein Licht von dem wir hoffen, dass es das Leben der Menschen erhellt, sie tröstet und ihnen Kraft gibt“, sagte Caroline Dietrich.

An der Orgel begleitete Martha Schmidt (Beilstein) das Treffen. Mann kündigte an, dass die nächste „Spirituelle Tankstelle“ am 15. Januar in Groß-Gerau ausgerichtet wird.

Weitere Informationen gibt es unter https://www.spirituelle-tankstelle.de/.

lr

Bild 1: Caroline Dietrich, Hildegard Schwarz, Uta Barnikol-Lübeck, Eberhard Hoppe, Marcus Brenzinger, Bodo Jaeckel und der Beauftragte für Notfallseelsorge der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN), Pfarrer Andreas Mann bei der „Spirituellen Tankstelle“ in der Unteren Stadtkirche in Wetzlar.

Bild 2: Pressereferentin und Notfallseelsorgerin Uta Barnikol-Lübeck gibt das Friedenslicht aus Bethlehem an die Besucher der „Spirituellen Tankstelle“ weiter.