An die Leidenstage Jesu erinnern

Gottesdienste und Aktionen an Gründonnerstag und Karfreitag:

Ohne Jesu Tod am Kreuz gibt es keine Auferstehung. Deshalb gehören Ostern, Karfreitag und auch der Gründonnerstag zusammen. Gottesdienste mit Abendmahl, Aktionen und musikalische Darbietungen haben für evangelische Christen in der Region den Karfreitag und den Gründonnerstag geprägt. Diese beiden Tage sind gemeinsam mit dem Karsamstag besondere Zeiten der Stille und Besinnung auf das Leiden und Sterben Jesu Christi.

Ganz im Zeichen der Trauer stand dabei der Karfreitag als Tag der Erinnerung an das, was Jesu Sterben am Kreuz bedeutet.  Auf Einladung des synodalen Arbeitskreises Frieden und des Laurentiuskonventes Laufdorf  hatten sich rund 50 Menschen am Hofgut Magdalenenhausen in Wetzlar versammelt, um ein großes Kreuz unter Gesang und Gebet über den Weinberg zu tragen. Der ehemalige Standortübungsplatz der Bundeswehr ist heute ein Naturschutzgebiet mit ausgewiesenen Wanderwegen.

An einzelnen Stationen ließ das Team um Pastor Ernst von der Recke, Marie-Noëlle von der Recke und Pfarrer Stephan Hünninger neun ganz unterschiedliche Personen, denen Jesus auf dem Weg nach Golgatha begegnete, zu Wort kommen. Menschen, die Jesus freundschaftlich verbunden waren wie Simon von Kyrene gehörten ebenso dazu wie solche, die ihm feindlich gegenüberstanden wie der Hohepriester Kaiphas oder Personen, die politische Interessen vertraten wie der Statthalter Pontius Pilatus. „Wer ist für uns der gekreuzigte Jesus und wie bestimmt er unser Leben heute?“, dieser Frage ging die Gruppe nach.

„Für mich ist Jesus ein König und ich wollte ihn damit besonders ehren“, sagte Diletta Tandoi in der Rolle der Frau, die Jesus mit kostbarem Öl salbte und dafür kritisiert wurde. „Er hat alles für die Menschen gegeben, deswegen möchte ich etwas für ihn tun, bevor es zu spät ist.“ Die Frage „Bin ich eher berechnend oder gerne großzügig?“ schloss sich an und wurde in der Stille bedacht. Als biblische Weiterführung und Ermutigung dienten im Wesentlichen Worte aus der Bergpredigt Jesu, Kapitel 5 bis 7 im Matthäusevangelium. Die letzte Station endete mit dem Wort des römischen Hauptmanns: „Wahrlich, dieser ist Gottes Sohn gewesen!“ Die Namensschilder aller vorgestellten Personen wurden um das Kreuz gelegt bevor es zum persönlichen Austausch kam.

Jesus Christus sei den Menschen so begegnet, dass sie in ihm die Nähe Gottes gespürt hätten, sagte in Kölschhausen Pfarrerin Tanja Kamp-Erhardt in ihrer Karfreitagspredigt zu den Versen 16 bis 30 aus dem 19. Kapitel des Johannesevangeliums. „ Er weiß, wie ich mich quäle, er kennt meine Einsamkeit. Gott ist da.“ Jesus habe am Kreuz mit seinem Jünger Johannes und seiner Mutter Maria die beiden Menschen, die ihm am nächsten waren, aneinandergewiesen. Damit sei die Botschaft verbunden, dass erst die Liebe zueinander den Mensch zum Menschen mache: „Wir können lieben. Das, was uns verbindet, ist stärker, als das, was uns trennen könnte. Wir müssen es nur wahrnehmen, hier und jetzt“, appellierte die Theologin an ihre Zuhörer.

„Am Gründonnerstag erinnern wir uns an das letzte Mahl Jesu mit seinen Jüngern“, so Cornelia Starosta, Pfarrerin der Evangelischen Kirchengemeinde Braunfels. „Jesus feierte mit ihnen das Passahmahl. Die Verwurzelung unserer Abendmahlsfeier in der jüdischen Passah-, sprich: Befreiungstradition soll an diesem Abend symbolisch durch die Speisen des Sedertellers aufgezeigt werden.“ Die Kirchengemeinde hat in diesem Jahr erstmals den Gründonnerstag in dieser Weise begangen. Auch in anderen Gemeinden wie in Bonbaden oder Wetzlar ist die biblische Tradition, nach der sich am ersten Abend des Passahfestes jüdische Familien zu einem festlichen Essen versammeln, aufgenommen worden. Die Mahlzeit ist eingerahmt von einer festen „Ordnung“ (hebräisch „Seder“), die Gebete, Lesungen, symbolische Speisen, Getränke und bestimmte Handlungen umfasst und an die Befreiung Israels aus der Sklaverei in Ägypten erinnert.

bkl / Fotos: bkl / Marie-Noelle von der Recke

 

 

 

 

 

Bild 1: Ein großes Kreuz haben Christen am Karfreitag über den „Weinberg“ beim Hofgut Magdalenenhausen getragen. Die einzelnen Stationen, an denen sie Halt machten, verbanden sie mit Personen, die Jesus auf dem Weg zum Kreuz begegneten.

.Bild 2: Um die Frau, die Jesus salbte, ging es bei der ersten Station des Kreuzweges über den Weinberg.

Bild 3: Die Person des Hohepriesters Kaiphas stand im Mittelpunkt bei einer der Stationen des Kreuzweges, den evangelische und katholische Christen im Naturgebiet beim Wetzlarer Hofgut Magdalenenhausen gingen.

Bild 4: Rund 50 Christen nahmen am Kreuzweg über den Weinberg teil.