Als Christen nie wegschauen

Kirchenkreis an Lahn und Dill gedenkt der Opfer des Terroranschlags in Hanau:

„Gemeinsam stehen wir fest an der Seite der Familien der Opfer, die Unsägliches erlitten haben und bis heute erleiden müssen“, betonte Pfarrer Christoph Schaaf (Krofdorf-Gleiberg) beim Gedenken an die Opfer des Terroranschlags von Hanau. Der stellvertretende Superintendent des Evangelischen Kirchenkreises an Lahn und Dill sprach auf dem Wetzlarer Domplatz auch für den Ausschuss für Öffentliche Verantwortung, den Kirchlichen Arbeitskreis Flucht, den Arbeitskreis Brot für die Welt – TIKATO sowie die Synodalbeauftragung für das Christlich-Jüdische Gespräch und das Christlich-Islamische Gespräch im Kirchenkreis. Zudem nahmen Vertreter des Arbeitskreises Frieden an der Veranstaltung teil.

Aus Anlass des Jahrestages des rassistischen Anschlags am 19. Februar 2020, bei dem der Täter in Hanau zunächst neun Menschen mit Migrationshintergrund tötete und dann seine Mutter und sich selbst erschoss, hatte der Verein „Wetzlar erinnert“ die Mahnwache auf Initiative des DGB Region Mittelhessen organisiert. Rund 300 Teilnehmende aus Parteien, Kirche und Gesellschaft konnte DGB-Organisationssekretär Robin Mastronardi, der das Gedenken unter dem Motto „Hanau ist überall“ moderierte, begrüßen.

„Die Serie rechter Gewalttaten seit den 90er Jahren und nun der in Hanau muss uns ein für allemal wachrütteln und zur Umkehr aufrufen“, appellierte Pfarrer Schaaf. Er zitierte aus dem Buch der Sprüche, Kapitel 31, Verse 8 und 9: „Tu deinen Mund auf für die Stummen und für die Sache aller, die verlassen sind“ und betonte: „Dieses Wort treibt uns an, als Christen nie zu denen zu gehören, die verstummen und gleichgültig oder verschämt wegschauen.“ Der Theologe stellte fest, dass unsäglicher Hass einen Einzelnen zu dieser Tat getrieben habe. „Aber wir dürfen darauf bei allem Schmerz und aller Wut nicht mit Hass antworten.“ Die Passionszeit eröffne mit Jesus Christus, der in seinem Leid den Mund für die Schwachen auftat, den Weg der Versöhnung, der zu Respekt vor den Mitmenschen führe, das Miteinander in Nächstenliebe gestalten ließe und „uns jeden Tag neu vor Augen malt, wie wertvoll das Leben ist, an dem alle Menschen in gleicher Weise teilhaben sollen.“

Um die Namen und die Gesichter der Opfer in Erinnerung zu rufen, wurden diese an die Außenseite des Doms projiziert: Ferhat Unvar, Mercedes Kierpacz, Sedat Gürbüz, Gökhan Gültekin, Hamza Kurtović, Kaloyan Velkov, Vili Viorel Păun, Said Nesar Hashemi und Fatih Saraçoğlu. Initiatorinnen und Initiatoren der Mahnwache brachten Tonaufnahmen von Angehörigen und Freundinnen und Freunden der Getöteten zu Gehör und lieferten Beiträge von deren politischen Forderungen.

Die Ereignisse der Tatnacht zeichnete MdL Hermann Schaus (DIE LINKE) nach und forderte, dass die Angehörigen Antworten auf ihre quälenden Fragen bekommen müssten.

Oberbürgermeister Manfred Wagner erklärte, mit dem Gedenken habe man ein starkes Zeichen gesetzt. Ein Zeichen der Trauer, der Erinnerung, des Mitgefühls für die Hinterbliebenen, der Solidarität mit allen Hanauern und ein Zeichen gegen Hass und Rassismus. „Hanau ist überall“, sagte er bei der Aufzählung rechtsradikaler Gewalttaten in den vergangenen Jahren. „Das muss uns wachrütteln.“

Teilnehmende der Veranstaltung zündeten Kerzen an und stellten sie an kleinen Bildtafeln der Getöteten auf dem Boden auf. Mit einer Schweigeminute klang das Gedenken aus.

 

Das Statement von Pfarrer Christoph Schaaf im Wortlaut ist hier zu finden: Mahnwache zu Hanau

Manfred Rekowski, Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland, denkt in einer Videobotschaft an die Opfer von Hanau und deren Familien: https://www2.ekir.de/

bkl

 

Bild 1: Assessor Christoph Schaaf hatte Sprüche 31, Verse 8 und 9: „Tu deinen Mund auf für die Stummen und für die Sache aller, die verlassen sind“ in den Mittelpunkt seines Statements gestellt.

Bild 2: „Unser Kreuz hat keine Haken“ – mit diesem Banner erinnerten Mitglieder und Vertreterinnen und Vertreter der Arbeitsbereiche des Evangelischen Kirchenkreises an Lahn und Dill mit Assessor Christoph Schaaf  (2.v.r.)   an die Opfer des Anschlags von Hanau vor einem Jahr.

Bild 3: Pfarrerin Kirsten Vollmer (Bonbaden) zündete eine Kerze für die beim Anschlag getöteten Menschen an.

Bild 4: Oberbürgermeister Manfred Wagner sprach von einem „starken Zeichen“, das mit dem Gedenken gesetzt wurde.

Bild 5: Namen und Bilder der Anschlagsopfer wurden an die Außenseite des Doms projiziert.

Bild 6: Zahlreiche Kerzen erhellten die Bilder der vor einem Jahr in Hanau Getöteten auf dem Wetzlarer Domplatz.