Ahrend-Orgel in der Unteren Stadtkirche ergänzt Wetzlarer Orgeln

30 Jahre altes Instrument erklingt zu vielfältigen Anlässen:

Die Ahrend-Orgel in der Unteren Stadtkirche am Wetzlarer Schillerplatz ist schon etwas Besonderes: Das inzwischen 30 Jahre alte Instrument ist aus Teilen der ehemaligen Orgel von 1803, die von Philipp Heinrich Bürgy aus Homburg gefertigt wurde, entstanden. 1930 wurde ein neues, in das alte Gehäuse eingebaute Werk von Orgelbauer Walcker aus Saarbrücken amtlich abgenommen. Im Rahmen einer grundlegenden Renovierung und Neugestaltung des Innenraums der Unteren Stadtkirche kam es 1979 auch zum Abbau der Orgel. Das handwerkliche und künstlerische Konzept des neuen Instrumentes sollte sich zwar an der Bürgy-Orgel orientieren, jedoch keine Kopie sein. „Die neue Orgel sollte die vorhandenen Wetzlarer Orgeln künstlerisch ergänzen und damit auch eine sinnvolle Verbindung zur historischen Schöler-Orgel in der Klosterkirche Altenberg herstellen“, erklärt Kirchenmusikdirektor Joachim Eichhorn als Koordinator des Neubaus in der Festschrift anlässlich der Einweihung dazu. Orgelbauer Jürgen Ahrend, der kürzlich seinen 90. Geburtstag feierte, wurde unter anderem ausgewählt, da er durch die Restaurierung von Barockorgeln zur Elite des europäischen Orgelbaus gehört.

Als Vertreter der ehemaligen Dom-Kirchengemeinde, zu deren Bezirk die einstige im 13. Jahrhundert im frühgotischen Stil gebaute Franziskanerkirche gehört, beauftragte Pfarrer Ullrich Lorenz 1983 die renommierte Orgelwerkstatt Jürgen Ahrend in Leer-Loga in Ostfriesland mit dem Neubau. Dieser nahm insgesamt sechs Jahre in Anspruch. Das historische Gehäuse von Bürgy konnte beibehalten werden. Zwei Flachfelder flankieren den hohen Mittelturm. Angefügt sind zwei zweigeschossige Rundtürme sowie zwei niedrigere Harfenfelder an der Außenseite. Ein stabiles Gehäuseunterteil wurde aus Eiche neu erstellt.

Das in barocker Bauweise gefertigte Instrument hat zwei Manuale mit je 11 und 6 Registern sowie ein Pedal mit 5 Registern. Dabei wurden die Untertasten der kunstvoll geschnitzten Manualklaviaturen mit Buchsbaumholz und die Obertasten mit Ebenholz belegt. Die 1.500 Orgelpfeifen sind aus Zinn, Orgelmetall und Blei sowie aus Eichenholz für die Holzpfeifen gefertigt.

Eine weitere Besonderheit: Das Instrument ist grundsätzlich auch ohne Motor spielbar. Wenn also der Strom ausfällt, kann die Arend-Orgel wie zu alten Zeiten mit Hilfe des Tretens von Blasebälgen gespielt werden.

Die Finanzierung des notwendigen Betrages von rund 550.000 DM erfolgte zu zwei Dritteln durch den Evangelischen Gemeindeverband als Baulastträger und zu einem Drittel aus Spenden der Dom-Kirchengemeinde.

Eingeweiht wurde die neue Ahrend-Orgel mit einem Festgottesdienst und zwei Orgelkonzerten Anfang Februar 1990.

Die Orgel erklingt zu zahlreichen Anlässen wie zur Musikalischen Vesper, zu Konzerten mit Gastorganisten aus aller Welt, oft auch im Zusammenhang der vom Förderverein Untere Stadtkirche organisierten Ausstellungen, und beim Orgelunterricht, den der Wetzlarer Kantor Dietrich Bräutigam erteilt.

Zuletzt feierte die Kirchengemeinde nach dem 10- und dem 20-jährigen das 25-jährige Jubiläum des Instrumentes mit einem Konzert im Rahmen der Musikalischen Vesper mit anschließendem Empfang im Oktober 2015.

„Wenn in Zukunft die Glocke der ehemaligen Franziskanerkirche läutet, dann lädt sie unter anderem zu einem herrlichen Orgelspiel an einer besonders kunstvollen Orgel ein, und dieses, wie seit eh und je in der Kirche, allein zur Ehre Gottes – SOLI DEO GLORIA“, schreibt Pfarrer Lorenz 1990 im Vorwort der Festschrift anlässlich der Einweihung der neuen Orgel.

Fotos/Repro: Barnikol-Lübeck

bkl

Bild 1: Die Ahrend-Orgel in der Wetzlarer Unteren Stadtkirche ist unter Beibehaltung des historischen Gehäuses von Bürgy in den Jahren von 1983 bis 1989 entstanden und wurde 1990 eingeweiht.

Bild 2: Provisorischer Aufbau des historischen Gehäuses (Erhard Stückrath)

Bild 3: Besonders kunstvoll gestaltet sind die Tasten der Manuale der Ahrend-Orgel.

Bild 4: Der Innenraum der Unteren Stadtkirche, in dem unter anderem zahlreiche Ausstellungen zu sehen sind.

Bild 5: Die ehemalige Franziskanerkirche stammt aus dem 13. Jahrhundert.