600 Flip-Flops erinnern an gestorbene Flüchtlinge

Wetzlar (rl). 600 Flip-Flops sind im Rund des Labyrinths in der Colchester Anlage ausgebreitet. An den Schuhen hat die Darmstädter Künstlerin Katharina Müller Namensschilder angebracht. „Die Schuhe stehen für Geflüchtete, die im Mittelmeer ertrunken sind“, erzählt Anja Mika vom Projekt „Seebrücke Wetzlar“ bei der Eröffnung der diesjährigen Labyrinthwoche. Der Gedanke an die Getöteten lässt ihre Stimme ersticken. Zum Start haben die Verantwortlichen dieses Mal diesen neuen Kooperationspartner eingeladen.

Die etwa 15 Mitglieder der Seebrücke haben sich einer deutschlandweiten Initiative angeschlossen, die sich für die Aufnahme Geflüchteter in Europa einsetzt. Sie hat das Ziel, dass deutsche Städte sich zum sicheren Hafen für Geflüchtete erklären und ihre Bereitschaft bekunden, übers Meer oder per Land Geflüchtete aufzunehmen. Inzwischen haben sich über 130 Städte als sichere Häfen erklärt, so Mika. Auch Wetzlar soll ein solcher sichere Hafen werden, so Dom-Küster Bodo Jäkel, Sprecher der Initiative, die sich 2018 gebildet hat. Jäkel hofft, dass Wetzlar noch in diesem Jahr eine solche Erklärung verabschiedet. Leider sei es in den letzten Monaten nicht möglich gewesen, geplante Veranstaltungen dazu durchzuführen. Es gehe um Plätze für die schnelle und unkomplizierte Aufnahme und Unterbringung von aus Seenot geretteten Menschen zusätzlich zur Verteilungsquote von Schutzsuchenden, so Maria Schäfer, die sich ebenfalls in der Seebrücke engagiert.

Die Besucher konnten bereit gelegte Steine zum Gedenken an die Verstorbenen im Labyrinth ablegen. An Infotischen informierte die Seebrücke über ihre Arbeit. Zudem konnten die Besucher Buttons herstellen, die auf das Anliegen der Seebrücke aufmerksam machen. Auch die Flüchtlingshilfe Mittelhessen, mit der die Seebrücke zusammenarbeitet, stellte sich mit Infotafeln vor.

Die Labyrinthwoche bietet noch bis Samstag unterschiedlichen Kooperationspartnern eine Plattform. „Pflanzenfresserinnen laden ein“ heißt es am Montag, 13. Juli, von 17 bis 19 Uhr, wenn die Akteurinnen zum veganen Lebensstil einladen. Interkulturelle Kreistänze mit Ursel Stroh gibt es am Dienstag, 14. Juli und Freitag, 17. Juli, jeweils von 18 bis 19 Uhr. Eine Gesprächsrunde „Würde und Alltagsrassismus“ leitet Achim Wagner, Initiator des Würdekompasses Mittelhessen, am Mittwoch, 15. Juli von 18 bis 19 Uhr. Bei zwei Abendveranstaltungen am Dienstag, 14. Juli ab 21.30 Uhr und am Samstag, 18. Juli, um 20 Uhr gibt es ein leuchtendes Labyrinth mit Kerzen.

Nach den aktuellen Beschwerlichkeiten durch Corona und die vorübergehende Besetzung des Labyrinthplatzes, freut sich Labyrinth-Projekt Wetzlar, die jährliche Veranstaltungsreihe wieder anbieten zu können, so Heike Grotstollen vom Vorstand des Vereins. Es sei nicht selbstverständlich, dass die Labyrinthwoche durchgeführt werden könne. Dafür habe man kämpfen müssen, erinnerte Grotstollen daran, dass der in der Colchesteranlage aufgebaute Biergarten für einige Tage das Labyrinth blockierte.

Das gesamte Programm gibt’s unter http://labyrinth-wetzlar.de/ im Internet.

Bild: Der Syrer Majed Aldin Al-Gadban von der Flüchtlingshilfe Mittelhessen legt die Flip-Flops mit den Namen von im Mittelmeer gestorbenen Flüchtlingen im Labyrinth aus.